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Ein Freitagabendspiel in der Verbandsliga D, Flutlicht, 2780 Zuschauer - und eine halbe Stunde, die den Ludwigsfelder FC vermutlich noch bis Montagmorgen verfolgen wird. Der FC St. Ilgen spielte beim 3:1‑Heimsieg so befreit auf, als habe man die Trainingslehre durch Samba ersetzt. Drei Tore in elf Minuten, dann Schongang. Ludwigsfelde durfte immerhin einmal jubeln - oder besser: aufatmen, dass es nicht zweistellig wurde. Begonnen hatte alles, wie es sich für einen lauen Maiabend gehört: mit einem forschen St.‑Ilgener Anlaufen und einem Ludwigsfelder Team, das offenbar noch im Bus saß. Schon nach zwei Minuten prüfte Bernd Horn den gegnerischen Keeper Sven Freund zum ersten Mal - ein Warnschuss, der wörtlich zu verstehen war. "Da hab’ ich mir gedacht: Heute geht was", grinste Horn später. Nach zwanzig Minuten hatte St. Ilgen bereits sieben gefährliche Abschlüsse, Ludwigsfelde einen - und der kam eher zufällig zustande, als Volker Kluge den Ball mehr stolperte als schoss. In Minute 23 dann das logische 1:0: Erik Sommer steckt durch auf Tom Brückner, der zieht von links in den Strafraum und schiebt den Ball überlegt ins lange Eck. Ein Tor, so sauber wie ein frisch gewaschenes Trikot. Sechs Minuten später durfte wieder gejubelt werden: Diesmal revanchierte sich Brückner mit einer butterweichen Flanke auf Tim Rohde. Der Mittelstürmer, 23 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, nickte unhaltbar ein - 2:0. "Tom hat mir den Ball auf den Scheitel gelegt, ich musste nur noch Danke sagen", meinte Rohde trocken. Und als Ludwigsfelde gerade überlegte, ob man vielleicht doch pressen sollte, war es schon zu spät. In der 34. Minute zog Niko Schumacher auf rechts an, legte quer, und Bernd Horn machte aus drei Metern das 3:0. Ein Angriff wie im Lehrbuch des gepflegten Offensivfußballs - und gleichzeitig ein Schlag in die Magengrube des Gegners. Doch wer dachte, das Spiel sei nun entschieden, irrte. In der 37. Minute kam Ludwigsfelde plötzlich aus dem Nichts zurück: Rechtsverteidiger Joel Albert, sonst eher für Einwürfe als für Kunstwerke bekannt, fasste sich ein Herz und drosch die Kugel aus 20 Metern in den Winkel - 3:1. "Ich hab einfach draufgehalten, weil sonst keiner wollte", sagte Albert, halb stolz, halb ungläubig. Danach verflachte die Partie. Vielleicht, weil St. Ilgen zu sehr genoss, was es da angerichtet hatte. Die Statistik zeigte am Ende 20 Torschüsse für die Hausherren, nur vier für die Gäste - und ein Ballbesitzverhältnis von 52 zu 48 Prozent. Klingt knapp, war’s aber nicht. Die Ludwigsfelder Quote wirkte eher statistisch als real: Der Ball war zwar gelegentlich bei ihnen, aber selten freiwillig. Die zweite Halbzeit bot vor allem eines: gelbe Karten und gepflegten Verwaltungsfußball. Marvin Ebert sah in der 51. Minute Gelb, weil er Tom Brückner daran erinnerte, dass man auch mit den Beinen bremsen kann. Kurz darauf holte sich St. Ilgens Erik Sommer seine Verwarnung ab - vermutlich aus Solidarität. "Da wollte ich zeigen, dass wir auch foulen können, wenn’s sein muss", lachte Sommer nach der Partie. Ansonsten? Viele Flanken, wenig Zählbares. Bernd Horn hatte noch ein halbes Dutzend Chancen, schoss aber mehr in Richtung Mond als Tor. Der Ballbesitz pendelte sich bei leichtem Vorteil für St. Ilgen ein, das Pressing blieb - wie schon in der Taktiktafel angekündigt - eher symbolisch. Trainerstimmen gab es danach in allen Varianten. St. Ilgens Coach (der sich wie immer mit verschränkten Armen vor die Mikrofone stellte) lobte: "Das war in der ersten halben Stunde fast schon Kunst. Danach hätten wir uns einen Liegestuhl aufstellen können." Sein Ludwigsfelder Kollege wirkte dagegen so, als würde er am liebsten gleich ein neues System erfinden: "Wir haben 34 Minuten geschlafen. Danach war das Spiel ein Wecker, aber da war’s schon vorbei." Als die Flutlichtlampen erloschen und die letzten Zuschauer ihre Bratwurstreste entsorgten, blieb das Gefühl eines Abends, an dem St. Ilgen gezeigt hatte, warum man mit einem offensiven Konzept manchmal mehr gewinnt als nur Punkte - nämlich Herzen. Oder, wie Tom Brückner es formulierte, während er noch mit Grasflecken im Gesicht grinste: "Das war heute wie ein Song, der schon nach der ersten Strophe ein Hit ist. Man darf nur nicht anfangen, eine Ballade draus zu machen." Ein Satz, der vielleicht besser als jede Statistik erklärt, warum es am Ende 3:1 hieß - und nicht 6:1. Denn wer zu früh träumt, wacht manchmal noch vor Abpfiff auf. 02.03.644000 13:53 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund