// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Manchmal schreibt der Fußball jene Geschichten, die irgendwo zwischen Pflichtsieg und Slapstick pendeln. Der 2:1-Erfolg des FC Wil gegen den FC Breitenrain war so ein Fall: ein Abend voller Tempo, Emotionen und einer Prise Chaos - gewürzt mit fast 35.000 Zuschauern, die sich am 6. Spieltag der 1. Liga Schweiz im Wiler Stadion die Finger wund klatschten. Schon nach zwei Minuten prüfte Bendt Fisker den Breitenrainer Keeper mit einem strammen Schuss. Der Däne grinste danach breit: "Ich wollte nur sehen, ob er wach ist." Er war es - zunächst. Doch in der 29. Minute war es dann soweit: nach einem feinen Pass von Diego Derlei drehte Fisker den Ball clever ins lange Eck. Ein Tor, wie aus dem Lehrbuch für abgeklärte Stürmer. Wer dachte, das Spiel würde nun in ruhige Bahnen gleiten, irrte. Nur eine Minute später antwortete der 19-jährige Aaron Saint-Pierre - ebenfalls eiskalt nach Vorlage von Innenverteidiger Jay Duff. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", gestand der Youngster später, "ich hab einfach geschossen und gehofft." Diese ehrliche Naivität bescherte Breitenrain den schnellen Ausgleich. Doch dann kam Nuno Xavier. Der Rechtsverteidiger des FC Wil, sonst eher bekannt für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse, fasste sich in der 38. Minute ein Herz und hämmerte den Ball nach Vorlage von Mika Kolkka unter die Latte. Das Stadion tobte, Xavier riss die Arme hoch - und kassierte 22 Minuten später Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch treffen kann. Die Gelbe war dann… na ja, Leidenschaft", lachte der Portugiese nach Abpfiff. Die erste Halbzeit war ein Feuerwerk: 2:1 für Wil, neun Torschüsse der Gastgeber, kaum Zeit zum Durchatmen. Breitenrain-Coach Markus Stoller schüttelte schon da den Kopf: "Wir haben eigentlich ganz ordentlich gespielt, aber Wil hat einfach jeden zweiten Ball gewonnen." Tatsächlich sprachen die Zahlen Bände: 59 Prozent Ballbesitz für Wil, 16 Schüsse auf das Tor - gegen nur sechs der Gäste. In der zweiten Hälfte wurde es taktischer. Wil verwaltete die Führung mit einer gewissen nonchalanten Selbstzufriedenheit, während Breitenrain zwar offensiv blieb, aber kaum Durchschlagskraft entwickelte. Stoller brachte in der 60. Minute gleich zwei frische Spieler, Martin Franz und Julian Klug, um neuen Schwung zu erzeugen. Franz gestikulierte wild, rannte viel - aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Als dann in der 64. Minute Innenverteidiger Jay Duff nach einem Zweikampf humpelnd vom Platz musste, war klar: das Glück war an diesem Abend auf Wiler Seite. Trainer Nico Meng blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Ich habe meinen Jungs gesagt: Ein gutes Spiel erkennt man daran, dass es am Ende alle langweilig finden - weil nichts mehr anbrennt." Nun ja, langweilig war es sicher nicht, aber souverän. In den letzten zwanzig Minuten versuchte Breitenrain alles, was die Taktiktafel hergab, inklusive eines hoch stehenden Pressings, das eher nach Verzweiflung aussah. Wil konterte mit gepflegtem Ballbesitzspiel und gelegentlichen humorvollen Fehlpässen. "Wir wollten das Publikum ein bisschen unterhalten", witzelte Mittelfeldmann Ewan Farquharson nach dem Spiel. Am Ende blieb es beim 2:1 - ein verdienter Sieg, der allerdings knapper wirkte, als er war. Wil dominierte, ohne zu glänzen, und Breitenrain kämpfte, ohne zu belohnen. Coach Meng fasste es trocken zusammen: "Wir haben das Spiel gewonnen, aber meine Frisur verloren - das war ein nervenaufreibendes Ding." Sein Gegenüber Stoller nickte nur und murmelte: "Wenn du hier Punkte holen willst, brauchst du entweder Glück oder einen zweiten Saint-Pierre." Und so endete ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, junge Helden, gelbe Karten, eine Verletzung und vor allem jede Menge Gesprächsstoff. Die Fans von Wil gingen zufrieden nach Hause - vielleicht, weil sie spürten, dass ihre Mannschaft an diesem Abend nicht nur gewonnen, sondern Charakter gezeigt hatte. Oder wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Fußballspiel - das war eine Achterbahnfahrt mit Ball." Man möchte ihm kaum widersprechen. 18.03.643987 08:32 |
Sprücheklopfer
Der Addo gehört in den Zirkus.
Uli Hoeneß