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Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht, 5198 Zuschauer und das akustische Dauerrauschen eines Wusterwitzer Publikums, das Hunger auf Tore hatte - das war die Bühne für den dritten Spieltag der Regionalliga B. Am Ende blieb es bei einem einzigen Treffer, aber was für einer: Hanns Konrad, der flinke Linksaußen des FC Wusterwitz, entschied die Partie gegen den FSV Malchin schon in der elften Minute mit einem satten Schuss aus 18 Metern. 1:0 - und das sollte reichen. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Konrad nach Abpfiff, während seine Mitspieler ihm die obligatorische Wasserdusche verpassten. "Werner Runge hat das Ding super reingespielt, da darf man nicht lange überlegen." Runge, der Vorlagengeber, hob abwehrend die Hände: "Ich wollte eigentlich nur den Ball sichern. Aber wenn Hanns meint, das war Absicht - gerne!" Das frühe Tor war symptomatisch für den Wusterwitzer Auftritt: mutig, technisch sauber, aber mit der bekannten Abschlussschwäche. 14 Torschüsse verbuchte das Team von Trainer Tom Fritz, die meisten davon allerdings eher fürs Statistikheft als fürs Highlight-Video. Malchin kam auf drei Abschlüsse - und das beschreibt ganz gut, wie einseitig das Geschehen phasenweise war. Fritz hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, mit Kurzpassspiel und viel Bewegung zwischen den Linien. "Wir wollten Malchin beschäftigen, ihnen keine Ruhe lassen", erklärte der Coach. "Hat ja auch geklappt - nur das zweite Tor fehlt mir noch im Plan." Tatsächlich ließ Wusterwitz den Ball gepflegt laufen, 52,8 Prozent Ballbesitz standen am Ende auf dem Zettel, und die Zweikampfquote von 57 Prozent passte zum engagierten Auftritt. Malchin dagegen wirkte seltsam zahnlos. Trainer Andreas Böhme (der sich nach dem Spiel hinter einer dicken Jacke und noch dickerem Sarkasmus versteckte) kommentierte trocken: "Wir hatten den Plan, Wusterwitz laufen zu lassen. Dummerweise taten sie das schneller als gedacht." Sein Team agierte aus einer ausgewogenen Grundordnung heraus, doch ohne Pressing und mit harmlosen Angriffsbemühungen. Der Versuch, über die Flügel zu kommen, endete meist in den Beinen von Marco Müller oder Finn Kern, die hinten solide abräumten. Kurz vor der Pause musste Wusterwitz den Torhüter wechseln. Ralph Steffens humpelte vom Feld, für ihn kam der 20-jährige Phillip Zimmermann zu seinem ersten Regionalliga-Einsatz. "Ich hatte kalte Hände und ein heißes Herz", beschrieb der Youngster später sein Debüt - und hielt tatsächlich, was zu halten war. Malchin schaffte es trotz einiger Standardsituationen nicht, ernsthafte Gefahr auszustrahlen. Nach dem Wechsel brachte Fritz frische Beine: Stephan Werner ersetzte den blassen Luca Philipp, später kam der 18-jährige Dieter Mann für Curt Fröhlich ins Sturmzentrum. Mann sorgte prompt für Wirbel und gleich vier Abschlüsse - alle knapp vorbei. "Ich dachte beim ersten, der geht rein", sagte er nach dem Spiel und grinste schief. "Beim zweiten dachte ich, der geht sicher rein. Beim dritten… na ja, Sie wissen schon." In der Schlussphase drängte Wusterwitz auf die Entscheidung, doch Malchin blieb mit Glück und Goalie Friedrich Böhme im Spiel. In der 93. Minute dann noch einmal Dieter Mann, frei durch - und wieder vorbei. Das Publikum stöhnte kollektiv, der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Das war wohl der Schlusspfiff in Sachen Chancenverwertung." Als der echte Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung groß. Ein verdienter, aber keineswegs souveräner Sieg für die Gastgeber, die sich mit nun sechs Punkten im oberen Tabellendrittel festsetzen. Malchin dagegen wartet weiter auf den ersten Dreier - und auf eine Idee, wie man aus einem "balancierten" Spielplan auch mal Torgefahr entwickelt. "Wenn man 87 Minuten keinen Treffer kassiert, ist man nicht automatisch chancenlos", meinte Böhme später mit einem bitteren Lächeln. "Aber vielleicht sollten wir demnächst mal das Wort ’Pressing’ googeln." Wusterwitz-Coach Fritz dagegen zeigte sich zufrieden, wenn auch mit Einschränkung: "Wir haben den Ball gut laufen lassen, den Gegner kontrolliert, aber wir müssen uns belohnen. Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - obwohl, wenn ich Hanns’ Tor so anschaue, vielleicht doch ein bisschen." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem der FC Wusterwitz zeigte, dass man auch mit einem einzigen Tor 5198 Zuschauer glücklich machen kann - zumindest die Hälfte davon. Die andere Hälfte fuhr schweigend nach Malchin. Nur ihr Trainer summte leise vor sich hin: "Ein schöner Tag, wenn man nichts verliert - außer das Spiel." 04.12.643993 16:13 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer