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FC Wusterwitz zerlegt TSV Gersthofen - Vier Tore, viele Fragen

Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem kleinen Stadion in Wusterwitz, 4975 Zuschauer mit Punsch in der Hand - und am Ende ein 4:0, das selbst Trainer Tom Fritz kurz sprachlos machte. "Ich glaube, wir haben heute fast zu schön gespielt", grinste der Coach, während hinter ihm seine Spieler im Kabinengang lauthals sangen. Fast zu schön - das passte.

Denn was der FC Wusterwitz am 4. Spieltag der Regionalliga B bot, war ein kleines Lehrstück in Sachen Spielfreude. Vom Anstoß weg rollte Angriff auf Angriff, als wollten sie den TSV Gersthofen gleich in die Defensive hypnotisieren. Schon in der ersten Minute prüfte der 19-jährige Walther Buchholz den Gästetorwart Maik Dietz mit einem satten Schuss - und das war nur der Anfang eines Abends, an dem Wusterwitz 30 (!) Torschüsse produzierte.

Die Gäste? Zwei. In Worten: zwei. Trainer Fritz kommentierte das später trocken: "Ich hatte fast Angst, dass unsere Balljungen erfrieren, weil sie auf der anderen Seite gar nichts zu tun bekamen."

In der 32. Minute platzte der Knoten. Finn Roth, agiler Rechtsaußen mit Vorliebe für den direkten Weg, zog ab - 1:0. Vorlage kam ausgerechnet von Innenverteidiger Marcel Voigt, 17 Jahre jung, der offenbar beschlossen hatte, dass Defensivarbeit überbewertet ist. Mit der Führung im Rücken spielte Wusterwitz befreit, während Gersthofen nur noch hinterherlief.

"Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte TSV-Kapitän Jacob Braun nach der Partie, "aber dann waren sie einfach überall." Tatsächlich: Wusterwitz kombinierte sich mit kurzen, präzisen Pässen durch die Mitte, ließ den Ball zirkulieren und nutzte die Flügel, wann immer es gefährlich werden sollte. 53 Prozent Ballbesitz - das klingt knapp, fühlte sich aber nach 80 Prozent an.

Nach der Pause ging es weiter, als hätte jemand auf "Wiederholen" gedrückt. In der 54. Minute legte der unermüdliche Buchholz quer, Hanns Konrad schlenzte den Ball ins lange Eck - 2:0. "Eigentlich wollte ich flanken", lachte Konrad später, "aber dann dachte ich: Warum nicht einfach mal treffen?"

Danach wechselte Fritz gleich dreifach und brachte frisches Blut: Stephan Werner für den jungen Luca Philipp, Curt Fröhlich für Dieter Mann und Marco Müller für Carl Schindler. Wer glaubte, der Wusterwitzer Angriffseifer würde nun erlahmen, sah sich getäuscht. Stattdessen rollten weiter Wellen auf Wellen.

Gersthofen, das die Partie mit einer "balancierten" Taktik begonnen hatte, kam kaum mehr über die Mittellinie. Der Trainer der Gäste - dessen Name in den Unterlagen zwar fehlt, dessen Gesicht aber alles sagte - stand stoisch an der Seitenlinie und schien innerlich schon den Rückweg nach Bayern zu planen.

Wusterwitz ließ es dennoch bis zur 90. Minute spannend - wenn man das bei einem 3:0-Vorsprung so nennen darf. Nico Behrendt, ebenfalls erst 18, traf nach Vorlage von Buchholz zum 3:0. Zwei Minuten später machte Curt Fröhlich den Deckel drauf, diesmal nach Zuspiel von Konrad. 4:0 - und der Jubel kannte keine Grenzen.

"Das war heute Fußball, wie ich ihn mir wünsche", sagte Trainer Fritz auf der Pressekonferenz. "Schnell, mutig, mit Spaß - und ohne Gegentor." Dann grinste er und fügte hinzu: "Vielleicht sollten wir öfter im Februar spielen, da friert der Gegner schneller ein."

Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied: 30:2 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 53 Prozent Ballbesitz. Wusterwitz kombinierte mit kurzen Pässen (die Taktikvorgabe lautete "SHORT") und ständigem Drang nach vorne. Gersthofen dagegen wirkte wie ein Team, das noch auf den Bus gewartet hätte.

Walther Buchholz, der gleich zwei Assists beisteuerte, wurde von den Fans gefeiert. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte der 19-Jährige, "und wenn ich meine Mitspieler so laufen sehe, dann macht das einfach Klick."

Ein Zuschauer auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Das war kein Spiel, das war ein Statement."

Und tatsächlich: Was der FC Wusterwitz an diesem Abend zeigte, war mehr als ein Sieg. Es war ein Versprechen. Wenn diese jungen Wilden so weiter zaubern, wird die Regionalliga B bald zu klein für sie.

Zum Schluss blieb nur eine Frage offen, die sich ein älterer Herr beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wie nennt man das eigentlich, wenn man 30 Mal aufs Tor ballert und vier reinmacht?" Sein Nachbar grinste: "Effizienz mit Stil."

Ein kalter Abend, vier Tore, viele Lächeln - Wusterwitz hat geliefert. Und zwar mit Nachdruck.

03.07.643990 17:51
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