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Fehérvar fegt Chersonissos aus dem Stadion - 5:0 und kein Pardon

Europaliga | Gruppenrunde - 6. Spieltag | 21.07.26 | SC Fehervar - Chersonissos 5:0

Es war einer dieser Abende, an denen man die Stadionuhr lieber ignoriert, wenn man Chersonissos heißt. 55.650 Zuschauer in der Sóstói Aréna sahen, wie der SC Fehérvar am Dienstagabend in der Europaliga-Gruppenrunde den griechischen Gästen eine Lehrstunde in Sachen Effizienz, Leidenschaft - und gelegentlicher Demütigung - erteilte. Das 5:0 (2:0) war nicht nur deutlich, es war auch in jeder Hinsicht verdient.

Schon nach vier Minuten war klar, dass Fehérvar keine Zeit verschwenden wollte. Ein blitzsauberer Angriff über rechts, Janos Zavadszky flankt mit chirurgischer Präzision, und in der Mitte steht Eskil Bruhn, der sich sagt: "Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht?" - 1:0. Chersonissos’ Torhüter Amaury Alvarez sah dem Ball hinterher wie jemand, der schon ahnte, dass das kein kurzer Abend wird. "Ich dachte, der Ball sei draußen", murmelte er später in die Mikrofone. Man hatte Mitleid.

Die Ungarn spielten weiter, als hätten sie noch eine Verabredung nach dem Schlusspfiff. Sie pressten hoch, attackierten früh, ließen Ball und Gegner laufen. 60 Prozent Ballbesitz und 23 Torschüsse sprechen für sich. Trainerin Mina Aryabhata grinste nach dem Spiel: "Wir wollten zeigen, dass Offensive keine Gefährdung, sondern ein Lebensgefühl ist."

Kurz vor der Pause dann der nächste Schlag - und was für einer! Linksverteidiger Vuk Stepanov, der ansonsten eher für Grätschen als für Glanzmomente bekannt ist, trifft in der 43. Minute volley aus spitzem Winkel. Vorlage: Innenverteidiger Antonio Mascarenhas, der sich nach vorn verirrt hatte - oder, wie er später lachte: "Ich wollte nur schauen, wie’s da oben so aussieht." 2:0, und die Zuschauer standen Kopf.

Während Fehérvar tanzte, taumelte Chersonissos. Das Team von Trainer Kersten Rittner wirkte zwischenzeitlich wie eine Schülermannschaft auf Klassenfahrt. Spätestens nach der Verletzung von Abwehrmann Taylor Harte (43.) und der erzwungenen Einwechslung von Mika Vuorinen war die Defensive endgültig ein Kartenhaus. "Wir wollten offensiv bleiben", erklärte Rittner mit stoischer Miene. "Leider hat die Mannschaft das zu wörtlich genommen."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Fehérvar drückte, Chersonissos duckte sich. In der 71. Minute durfte sich dann Alberte Storm in die Torschützenliste eintragen. Nach Vorlage von Georgi Putin - nein, keine Verwandtschaft mit dem Kreml, wie er lachend betonte - traf der Flügelflitzer zum 3:0. Nur drei Minuten später legte Storm nach, diesmal mit einem feinen Pass von Leo McGowan als Zutat. Doppelschlag, 4:0, Vorhang zu, Licht aus.

Die letzten zwanzig Minuten dienten nur noch der Statistik. Chersonissos kam auf fünf kümmerliche Torschüsse, die meisten davon harmlos wie ein lauwarmer Sommerregen. Fehérvar hingegen spielte weiter, als ginge es um die Torjägerkanone. In der Nachspielzeit (96.) setzte Georgi Putin den Schlusspunkt - nach Vorlage von Kai Havertz. 5:0, und selbst die Ordner klatschten.

Torwart Luke Kelly, der Fehérvar-Schlussmann, hatte einen ruhigen Abend. "Ich hab mir in der 80. Minute einen Tee gemacht", witzelte er nach dem Spiel. Ganz glaubhaft klang das nicht, aber angesichts der Überlegenheit seiner Vorderleute hätte ihn wohl niemand des Müßiggangs bezichtigt.

Die Statistik bestätigte, was das Auge längst wusste: 60,5 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23 Abschlüsse - Fehérvar spielte in einer anderen Liga. Chersonissos hingegen schaffte es, selbst bei eigenem Anstoß den Ball zu verlieren.

Nach Abpfiff fasste Trainerin Aryabhata die Stimmung auf den Punkt: "Wir wollten ein Statement setzen. Jetzt haben wir eines - und vielleicht ein paar neue Fans." Ihr Gegenüber Rittner hingegen suchte Trost in der Philosophie: "Manchmal verliert man, manchmal lernt man. Heute haben wir beides geschafft."

Ein denkwürdiger Abend also für Fehérvar, der mehr mit einem Feuerwerk als mit einem Fußballspiel endete. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen, während die Gäste leise in die Kabine schlichen. Und irgendwo auf der Pressetribüne schrieb ein Kollege ins Mikrofon: "Das war kein Spiel - das war eine Machtdemonstration."

Man darf gespannt sein, ob Chersonissos bis zum Rückspiel den Ball wiederfindet. Fehérvar jedenfalls hat ihn vorerst einbehalten - und das mit einem breiten Grinsen.

22.07.2026 05:41
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Beim Football muß man nicht ins Tor schießen, sondern oben drüber. Das konnte ich schon immer ganz gut.
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