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Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob der Schiedsrichter die Uhr nicht einfach hätte früher abpfeifen können. Der 17. Spieltag der 1. Liga Ungarn zwischen Ujpest Budapest und dem SC Fehervar gehörte genau in diese Kategorie - zumindest aus Sicht der Gastgeber. Schon nach sieben Minuten stand es 0:2, nach 34 sogar 0:3. Am Ende hieß es 1:3 (1:3) - und die 46.960 Zuschauer im Szusza-Ferenc-Stadion hatten frühzeitig das Gefühl, das Drehbuch des Abends sei längst geschrieben. Fehervar begann, als gäbe es kein Morgen. Bereits in der 4. Minute traf Alexander Koranyi, der rechte Mittelfeldspieler, nach Vorarbeit von Eskil Bruhn. Der Ball zappelte im Netz, noch bevor viele Zuschauer ihre Plätze gefunden hatten. "Wir wollten Ujpest gleich zeigen, dass heute nichts zu holen ist", grinste Koranyi später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Drei Minuten später legte Istvan Bozsik nach - diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Benjamin Brauer. Zwei Angriffe, zwei Tore, und Trainer Mina Aryabhata grinste breit: "So stelle ich mir Effizienz vor. Wir haben geschossen, wenn’s Sinn ergab - oder auch, wenn’s keinen ergab." Ujpest-Coach Josh Allen hingegen stand fassungslos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wolle er den Spielstand darin verstecken. Sein Team brauchte eine halbe Stunde, um sich vom Schock zu erholen - und dann wurde es kurz turbulent. In der 34. Minute schlug Fehervar erneut zu: Bozsik, diesmal nach feinem Pass von Fjodor Konowalenko. Ein Doppelschlag, ein Doppelpack und ein Ujpest, das sich fragte, ob das nicht doch ein Aprilscherz sei - schließlich war der 1. April. Doch nur eine Minute später keimte Hoffnung auf. Archie McGowan, der flinke Linksaußen, traf nach Zuspiel von John Primes zum 1:3. "Ich dachte, jetzt geht’s los", sagte McGowan später. "Leider war’s nur ein kurzes Aufflackern. Wie ein Feuerzeug ohne Gas." Die zweite Halbzeit verlief weniger spektakulär, aber nicht minder umkämpft. Ujpest hatte nun leicht mehr vom Spiel, 48 Prozent Ballbesitz insgesamt sprechen für ein Duell auf Augenhöhe - zumindest statistisch. 12 Torschüsse standen 16 der Gäste gegenüber, aber Tore fielen keine mehr. Noah McGee und Lajos Szollar versuchten es mehrfach, scheiterten aber an Fehervars Keeper Tamas Bene, der einen dieser Abende erwischte, an dem man selbst mit verbundenen Augen Bälle fängt. Trainer Josh Allen reagierte zur Pause mit einem Wechsel, brachte Ellis Lockhart für Jozsef Dunai - ein eher defensiver Zug, der in der Pressekonferenz für hochgezogene Augenbrauen sorgte. "Wir wollten Stabilität", erklärte Allen trocken. "Und Stabilität hatten wir. Leider nur hinten, vorne war’s ein bisschen ... konservativ." Fehervar indes verwaltete das Ergebnis clever. Selbst als Konowalenko in der 80. Minute verletzt raus musste und der blutjunge Kai Havertz (18) sein Debüt gab, blieb das Team ruhig. "Ich hab ihm gesagt: Spiel einfach so, als wär’s Training", verriet Trainerin Mina Aryabhata. "Nur dass im Training keine 47.000 Leute pfeifen." In der Schlussphase wurde es noch einmal ruppig: Desire Fazekas kassierte in der 89. Minute Gelb - ein taktisches Foul, das man wohl als "professionell" bezeichnen darf. "Ich wollte nicht, dass’s nochmal spannend wird", sagte Fazekas später grinsend. Als Schiedsrichter Sipos in der 93. Minute abpfiff, atmete Fehervar erleichtert aus. Der Sieg war verdient - nicht nur wegen der drei frühen Treffer, sondern auch, weil das Team trotz leichter Feldüberlegenheit der Gastgeber nie die Kontrolle verlor. Die Statistik sprach eine klare Sprache: 16 Schüsse aufs Tor, 51,7 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - Fehervar war einfach reifer, abgeklärter, erwachsener. Ujpest dagegen wirkte wie ein Schüler, der zu spät zur Klassenarbeit kommt und beim Nachbarn abschreiben will, aber dessen Zettel verkehrt herum liegt. "Wir haben die erste halbe Stunde komplett verschlafen", gab Kapitän John Primes unumwunden zu. "Danach war’s ordentlich, aber da war das Kind schon im Brunnen - und das Wasser stand bis zum Hals." Fehervar dagegen darf sich nach diesem Sieg Hoffnungen auf die oberen Tabellenplätze machen. Trainerin Aryabhata ließ sich zu einem letzten Bonmot hinreißen: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr so weitermacht, müsst ihr nächste Woche richtig laufen - weil ich dann offensiv noch mehr will." Ob Ujpest das ebenso offensiv sieht, bleibt abzuwarten. Vielleicht hilft ein freier Trainingstag. Oder zwei. Und so ging ein lauer Frühlingsabend in Budapest zu Ende, an dem die Gäste aus Fehervar zeigten, dass man mit Mut, Tempo und einem Hauch Zynismus weit kommen kann - und Ujpest lernte, dass Aprilscherze auf dem Rasen selten lustig sind. 31.07.643996 23:50 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle