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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott auf Urlaub ist oder einfach Sympathien für SC Fehérvár hat. Vor 20 000 Zuschauern im Kaposvár-Stadion erlebte der FC Kaposvár einen jener Spiele, die mit Hoffnung beginnen - und mit einem 0:3 (0:0) enden. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Kaposvár, mutig aufgestellt, offensiv wie angekündigt, hatte in der Anfangsphase sogar mehr vom Ball als erwartet. Jeno Budai prüfte den Fehérvár-Keeper Bene bereits in der fünften Minute, und auch in Minute zwölf zischte ein Schuss des 34-jährigen Mittelstürmers knapp am Pfosten vorbei. Der Stadionsprecher klang noch optimistisch, die Fans sangen, der Trainer gestikulierte - kurz: Fußballromantik pur. Doch Fehérvár hatte andere Pläne. Schon in Halbzeit eins deutete sich an, dass die Gäste den längeren Atem haben würden: 17 Torschüsse insgesamt, 51 Prozent Ballbesitz, und ein Eskil Bruhn, der allein viermal zum Abschluss kam, als wolle er persönlich das Tor umnieten. Doch bis zur Pause hielt Kaposvár stand - auch, weil Keeper Köksal Atan einmal mehr bewies, dass Reflexe nichts mit Jugend zu tun haben. Die zweite Hälfte begann, als hätte jemand den Schalter umgelegt. 46. Minute: Der 19-jährige Karoly Feldmann, eben noch unauffällig, setzt sich auf dem rechten Flügel durch, zieht ab - 0:1. Assistiert von Innenverteidiger Laszlo Kocsis, der offenbar beschlossen hatte, mal kurz Stürmer zu spielen. "Ich hab’ nur gedacht, schieß einfach", grinste Feldmann später. "Und dann war der Ball drin. Ich wusste gar nicht, dass das so einfach aussieht." Kaposvár taumelte, Fehérvár roch Blut. Nur sechs Minuten später, in der 52. Minute, drosch Fjodor Konowalenko den Ball aus 18 Metern in die Maschen - Vorlage von Alexander Koranyi, der auf dem rechten Flügel so viel Platz hatte, dass er sich fast einen Liegestuhl hätte aufstellen können. "Das war kein Zufall", erklärte Fehérvár-Coach Mina Aryabhata trocken. "Wir haben in der Pause die Räume angesprochen. Und offenbar hat Fjodor zugehört." Das 0:2 saß tief, und als wäre es ein Drehbuch, folgte elf Minuten später der endgültige Knockout. Alberte Storm, der schon in der dritten Minute einen Warnschuss abgegeben hatte, traf in der 61. Minute nach Pass des jungen Domingo Agirre zum 0:3. Spätestens da verstummte die Heimkurve - und Trainer Aryabhata gönnte sich ein Lächeln, das auch als "Ich hab’s euch doch gesagt"-Moment durchging. Kaposvár versuchte zwar weiter, blieb aber harmlos. Jeno Budai rannte, kämpfte, seufzte - und sah zu, wie seine Mitspieler eher Gelbe Karten sammelten als Chancen. In der 71. Minute erwischte es Pal Torghelle, zwei Minuten später folgte Davib Connolly. "Wir wollten Zeichen setzen", sagte Connolly nach dem Spiel, "aber offenbar hat der Schiri andere Zeichen gesehen." Als ob das nicht genug wäre, verletzte sich kurz zuvor auch noch Linksverteidiger Peter Lazar (68.), musste raus, und Jozsef Budai kam rein - allerdings mehr aus Pflichtgefühl denn aus Überzeugung. "Ich hatte noch die Trainingsjacke an", witzelte Budai später. Fehérvár dagegen wechselte jugendlich-frisch. In der 88. Minute kam der 19-jährige Alfred Szabics, kurz darauf folgte Zoltan Toldi, und in der 90. durfte sogar der 17-jährige Lajos Safar noch ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern. Drei Tore, drei Scorer unter 30 - das nennt man wohl Zukunftsprogramm. Die Statistik unterstrich, was jeder gesehen hatte: 17:4 Torschüsse für Fehérvár, Ballbesitz fast ausgeglichen, aber Zweikampfquote klar an die Gäste (57 Prozent). Kaposvár mühte sich, doch das Spiel erinnerte an ein altes Sprichwort: "Wer zu lange hofft, kassiert irgendwann das dritte Tor." Nach dem Schlusspfiff versuchte Kaposvár-Coach die Fassung zu wahren. "Wir haben 45 Minuten gut mitgehalten", sagte er, "aber Fußball dauert leider länger." Auf die Frage nach seiner Taktik meinte er trocken: "Offensiv war’s gedacht, defensiv war’s geworden." Fehérvár-Coach Aryabhata dagegen sonnte sich im Erfolg. "Ich bin zufrieden - vor allem mit der Disziplin. Wir haben nicht überdreht, nur überrannt." Und als jemand fragte, ob sie nun nach oben schielen, antwortete sie mit einem Augenzwinkern: "Ich schiele nie - ich ziele." Fazit: Ein verdienter 3:0-Sieg für SC Fehérvár, ein gebrochener Abend für Kaposvár, und ein Spiel, das zeigt, dass Jugend, Tempo und Präzision manchmal mehr wert sind als Erfahrung und gute Absichten. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore - und das ist leider die falsche Reihenfolge." 21.01.643997 13:07 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath