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Es war einer dieser Abende in Székesfehérvár, an denen die Flutlichtmasten heller strahlten als sonst, weil sie wussten, dass es etwas zu feiern geben würde. 45.861 Zuschauer im Stadion sahen ein Heimteam, das angriffslustig, spielfreudig und stellenweise fast übermütig auftrat - und eine Gästemannschaft aus Kozármisleny, die sich tapfer bemühte, aber letztlich wie ein Sandsack im Boxring wirkte: standhaft, aber chancenlos. Schon nach 19 Minuten platzte der Knoten. Der 18-jährige Innenverteidiger Tamas Soos, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen zuständig, stieg nach einer Ecke höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball findet", grinste der Youngster später und klang dabei so ehrlich, dass man ihm jedes Wort glaubte. Trainerin Mina Aryabhata zeigte sich stolz: "Ich sag’s mal so - wenn mein Innenverteidiger trifft, läuft’s im Team." Fehérvar spielte weiter wie entfesselt. Kozármisleny versuchte, über Konter zu kommen, aber die vereinzelten Vorstöße wirkten eher wie Spaziergänge über eine gesperrte Autobahn. Nach 33 Minuten dann das 2:0: Rechtsaußen István Bozsik verwertete einen perfekten Pass von Marcel Cocis, der mit 32 Jahren die Ruhe eines Schachgroßmeisters ausstrahlte. Bozsik drehte jubelnd ab, küsste das Vereinswappen und rief in Richtung der Haupttribüne: "Das war für euch!" - was das Publikum dankbar mit einem grollenden Chor beantwortete. Kozármisleny kam immerhin zu zwei Torschüssen im gesamten Spiel - einer davon in der ersten Minute, quasi ein Schreckmoment zum Wachwerden für Fehérvars Keeper Tamas Bene. Danach war aber Schluss mit gegnerischer Offensivfreude. Die Gäste taten, was sie konnten, aber gegen 23 Fehérvar-Torschüsse und 56 Prozent Ballbesitz war das eher ein Überlebenskampf. In der Halbzeit soll Gästecoach Mike Reimann laut unbestätigten Stadionmikrofonen in der Kabine gesagt haben: "Leute, wir liegen nur 2:0 hinten, das ist doch fast ein Erfolg!" Seine Spieler sollen daraufhin milde gelächelt haben - und dann ging’s weiter im gleichen Takt. Nach einer Stunde legte Fehérvar nach. Linksverteidiger Björn Lindemann, der eigentlich selten jenseits der Mittellinie auftaucht, stürmte nach einem Pass von Emil Rangelow in den Strafraum und schloss trocken ab - 3:0. "Ich dachte, ich probier’s einfach mal, bevor mich der Trainer zurückpfeift", sagte Lindemann später und grinste verschmitzt in die Kameras. Das 4:0 in der 76. Minute war dann die Krönung einer einseitigen Vorstellung: Der 20-jährige Mittelfeldmann Lionel Beltran, der zuvor schon mit präzisen Pässen geglänzt hatte, zog nach feinem Zuspiel von Pinchas Ohayon aus 18 Metern ab - unhaltbar. Der Ball schlug im rechten Winkel ein, und Kozármislenys junger Keeper Luigi Poli blickte dem Leder nur hinterher, als hätte er gerade eine Sternschnuppe gesehen. "Wir wollten heute zeigen, dass wir mehr können als nur schön spielen", erklärte Trainerin Aryabhata nach dem Schlusspfiff. "Und ich denke, das haben wir ganz ordentlich hinbekommen." Das war die Untertreibung des Abends. Bei Kozármisleny dagegen war die Stimmung gedrückt. Kapitän Imre Albert fasste es trocken zusammen: "Wir haben zwei Schüsse aufs Tor gehabt. Wenn das eine Statistik wäre, auf die man stolz sein könnte, würde ich das jetzt sagen." Trainer Reimann blieb gefasst: "Fehérvar war heute einfach eine Nummer zu groß. Vielleicht auch zwei." Die Gelben Karten - eine für Fehérvars Teemu Vuorinen nach rustikalem Einstieg in der 10. Minute, eine für Kozármislenys Silvestre Santos nach einem leicht verzweifelten Griff zum Trikot in der 70. - passten ins Bild eines Spiels, das trotz der Dominanz erstaunlich fair blieb. Als die Heimfans nach dem Schlusspfiff "Fehérvar, Fehérvar!" skandierten und die Spieler eine kleine Ehrenrunde drehten, konnte man den Eindruck gewinnen, dass hier nicht nur drei Punkte geholt, sondern ein kleines Statement gesetzt wurde. So selbstbewusst, so geschlossen, so spielfreudig - der SC Fehérvar scheint mehr zu wollen als nur den nächsten Sieg. Oder, wie es der überragende Bozsik mit breitem Grinsen sagte: "Wir haben heute gespielt, als gäbe es keine Montagstrainings." Und genau so fühlte es sich auch an. 07.06.643987 00:30 |
Sprücheklopfer
Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.
Lothar Matthäus