Fanatik
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Fenehrbace stolpert daheim - Türkgücü Karsspor siegt mit frühem Paukenschlag

Ein Sommerabend in Istanbul, 47.939 Fans im Stadion, die Luft vibrierte vor Erwartung - und dann, kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, war das Spielgefühl dahin. Türkgücü Karsspor, die Gäste aus Kars, brauchten ganze sechs Minuten, um den Hausherren die Stimmung zu verderben. Emil Musiala, 23, traf nach feinem Zuspiel von Duarte Allegri aus 18 Metern trocken ins rechte Eck - 0:1, und das sollte es am Ende auch bleiben.

"Wir wollten eigentlich erst mal ruhig aufbauen", grinste Musiala nach dem Spiel, "aber wenn der Ball so schön kommt, muss man ihn halt nehmen." Hansi Flick, der Trainer des überrumpelten Fenehrbace, stand da schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte später: "Wir sind in der sechsten Minute geistig noch in der Aufwärmphase gewesen."

Das traf den Nagel auf den Kopf. Fenehrbace war offensiv aufgestellt, spielte laut Statistik 47,9 Prozent Ballbesitz, aber es blieb bei vier mageren Torschüssen. Schon der 17-jährige Onur Özgen versuchte sich früh mit einem beherzten Abschluss (2. Minute), doch Karsspors Keeper Vadim Sajenko bekam kaum Dreck an die Handschuhe. Auf der anderen Seite feuerten die Gäste aus allen Lagen: 18 Torabschlüsse, davon einige so gefährlich, dass der junge Fenehrbace-Torwart Izzet Tandogan wohl noch im Schlaf nach den Bällen greifen wird.

Besonders auffällig: Vaclav Simak, der bullige Mittelstürmer, prüfte Tandogan gleich dreimal in der ersten Halbzeit. Neben ihm wirbelte der agile Flügelspieler Olgun Aydemir, der in der 24. und 29. Minute knapp verzog - und später, in der 74. Minute, für den laufstarken Nils Decker Platz machte. Trainer Akin Nasa kommentierte trocken: "Ich habe ihm gesagt, wenn er noch einmal so schießt, fliegt nicht nur der Ball, sondern auch er."

Nach Musialas frühem Treffer spielte Türkgücü Karsspor das, was man gemeinhin "erwachsen" nennt: kompakt, aggressiv, aber ohne übermäßiges Risiko. Die Taktik: offensiv ausgerichtet, aber mit langen Bällen und einem Hang zum Konter. Das passte - bis Alfie Long, der rechte Verteidiger, kurzzeitig seine innere Gelbe Ampel ignorierte. Erst Gelb in der 49. Minute, dann Gelb-Rot eine Minute später. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", entschuldigte sich Long später schulterzuckend - "aber der Ball war halt schneller weg."

Mit einem Mann weniger zog sich Türkgücü zurück, verteidigte verbissen und lauerte weiter auf Konter. Fenehrbace erhöhte den Druck, blieb aber erschreckend ideenlos. Sercan Yozgatli und der eingewechselte Izzet Karan versuchten es aus der Distanz (56., 73., 89.), doch Sajenko im Kars-Tor wirkte unbeeindruckt. "Wenn du 90 Minuten rennst und der Ball will einfach nicht rein, dann weißt du, dass der Fußball wieder seinen Humor hat", seufzte Yozgatli nach Abpfiff.

Statistisch gesehen war das Spiel beinahe ausgeglichen - 47,9 zu 52,1 Prozent Ballbesitz, aber die Zweikampfquote sprach deutlich für die Gäste (57 Prozent). Und auch in der Körpersprache lag Karsspor vorn: bissig, entschlossen, abgeklärt. Hansi Flick versuchte nach dem Spiel, positives zu finden: "Unsere jungen Spieler haben viel gelernt. Vor allem, dass man in der sechsten Minute auch schon wach sein sollte."

Derweil feierten die rund 300 mitgereisten Fans aus Kars ausgelassen. Akin Nasa, ihr Trainer, grinste auf der Pressekonferenz: "Wir wollten zeigen, dass man auch mit einem Platzverweis noch Fußball spielen kann. Vielleicht schreibe ich darüber ein Buch."

Zum Schluss, als die Flutlichtmasten erloschen und der Rasen langsam in Dunkelheit versank, blieb der Eindruck eines Spiels, das Fenehrbace noch lange beschäftigen wird. Ein früher Fehler, ein kaltschnäuziger Gegner, ein Torwart ohne Fehler - und ein Publikum, das zwischen Verzweiflung und höfischem Applaus schwankte.

Vielleicht war es sinnbildlich, dass ein kleiner Junge auf der Tribüne rief: "Papa, warum schießen die nicht einfach mal rein?" - Der Vater sah kurz nachdenklich auf den Rasen und murmelte: "Weil das der schwierigste Teil ist, mein Sohn."

So blieb es beim 0:1 - ein nüchternes Ergebnis, aber ein emotional aufgeladenes Spiel. Türkgücü Karsspor nimmt drei Punkte mit, Fenehrbace die Erkenntnis, dass Ballbesitz nicht gleich Erfolg bedeutet. Und irgendwo, hoch oben auf der Pressetribüne, lächelte ein alter Sportreporter leise: Der Fußball, er bleibt der schönste Sadist unter den Spielen.

23.06.2026 22:18
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