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27.152 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Maas sahen am Samstagabend ein Spiel, das in der ersten Halbzeit so unspektakulär begann, dass mancher Zuschauer wohl mehr Zeit auf sein Handy als auf den Rasen verwendete. Doch Feyenorth Rotterdam hatte Geduld - und zwei Männer, die nach der Pause kurzzeitig den Turbo zündeten: Robert Washington und Marnix Vanderzee. Am Ende stand ein verdienter 2:0‑Erfolg gegen den SC Maastricht, der sich offensiv bemühte, aber defensiv gleich zweimal ins offene Messer laufen ließ. Die erste Halbzeit war ein Paradebeispiel für gepflegte Langeweile mit taktischer Disziplin. Maastricht trat offensiv an, wie es die Statistik später bestätigte - etwas mehr Ballbesitz (50,9 %) und die klare Absicht, das Spiel zu machen. Feyenorth-Coach Marco Schneider blieb seiner "balanced"-Philosophie treu, ließ seine Mannschaft kompakt stehen und wartete auf Umschaltsituationen. "Wir wussten, dass sie mit offenem Visier kommen würden", erklärte Schneider nach dem Spiel mit einem zufriedenen Grinsen. "Da musst du nicht gleich Feuerwerk abfackeln - ein Streichholz reicht, wenn’s am richtigen Ort brennt." Dieses Streichholz kam in der 48. Minute. Nach einem feinen Solo über die linke Seite von Marcio Couto, der gleich drei Gegenspieler austanzte, landete der Ball bei Robert Washington. Der junge Rechtsaußen nahm Maß und traf trocken ins lange Eck - 1:0. Während die Tribüne tobte, rutschte Trainer Schneider diskret der Kaffeebecher aus der Hand. "Ich hab ihn einfach reinzimmern wollen", lachte Washington später. "Der Torwart hat sich noch bewegt - das war sein Fehler." Wer dachte, Maastricht würde daraufhin nervös, lag goldrichtig. Kaum sechs Minuten später vertändelten die Gäste im Aufbau den Ball, Theo Fraser schaltete blitzschnell und steckte auf Marnix Vanderzee durch. Der Stürmer blieb cool, schob am Keeper vorbei ein - 2:0 (54.). Feyenorth hatte das Spiel in wenigen Minuten entschieden. Dass es dabei blieb, war auch Torhüter Isidoro Solana zu verdanken, der in der Schlussphase zweimal stark gegen Arjen Voorhees parierte. "Ich hab mir gedacht: Heute gibt’s keine Geschenke", sagte der Keeper mit einem Lächeln, das zwischen Erleichterung und Stolz pendelte. Maastricht versuchte es weiter, hatte durch Voorhees (66., 72., 85.) noch Chancen, doch die Präzision fehlte. Trainer Dirk van der Meer - der sich nach Abpfiff demonstrativ den Schal über den Kopf zog - suchte die Worte: "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff. Dann kassierst du zwei Dinger wie aus dem Nichts. Fußball kann grausam sein." Feyenorth hingegen nutzte die Führung, um clever zu verwalten. Schneider brachte in der 56. Minute gleich zwei frische Kräfte - Eugenius Hoogaboom und Michel Scranton - und später Jay Fryer für den gelbverwarnten Owen O’Halloran. "Die Jungs haben das souverän runtergespielt", lobte der Trainer. Dass seine Mannschaft mit 49 % Ballbesitz und exakt 11 Torschüssen dennoch effizienter war als der Gegner (8 Schüsse, 51 % Ballbesitz), dürfte ihn innerlich besonders gefreut haben. Statistikfreunde notierten außerdem eine Tacklingquote von 50,9 % - fast schon niederländische Perfektion in Zahlenform. Ein wenig Ironie des Abends: Maastricht, das laut Taktiktafel von Beginn an "offensiv" eingestellt war, traf kein einziges Mal ins Netz. Feyenorth blieb "balanced", aber eiskalt. Vielleicht ist das ja das neue Erfolgsrezept im modernen Fußball - weniger Ball, mehr Tore. Nach dem Spiel feierten die Fans ausgelassen. Ein älterer Herr mit Schal und Strohhut rief beim Verlassen des Stadions: "Zwei Tore in sechs Minuten, das reicht mir bis nächste Woche!" Auf der Pressekonferenz schloss Schneider mit einem trockenen Kommentar: "Wir wollten zeigen, dass wir auch ohne Spektakel gewinnen können. Aber wenn’s sein muss, machen wir’s halt kurz und schmerzlos." Kurz und schmerzlos - das beschreibt diesen Abend wohl am besten. Feyenorth Rotterdam nimmt drei Punkte mit, bleibt im Rennen um die oberen Tabellenplätze und schickt Maastricht mit hängenden Köpfen zurück nach Hause. Für die Gäste bleibt die Erkenntnis: Offensivgeist ist schön, aber ohne Treffer nur eine hübsche Theorie. Oder, wie Marnix Vanderzee es formulierte, bevor er in der Mixed Zone verschwand: "Manchmal ist Fußball einfach - du triffst oder du fährst mit dem Bus heim." Und an diesem 30. Spieltag der Eredivisie war es Feyenorth, das die Richtung vorgab. 22.08.643993 12:55 |
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Jens Jeremies