Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

FK Jagodina zerlegt Zemun Belgrad - ein Fußballabend zwischen Genie und Wahnsinn

Es war einer jener serbischen Winterabende, an denen man sich zweimal überlegt, ob man wirklich ins Stadion will. 49.705 Zuschauer entschieden sich dafür - und sie wurden für ihre Kälteresistenz königlich belohnt. FK Jagodina schickte Zemun Belgrad mit einem 6:0-Kantersieg zurück in die Hauptstadt und spielte dabei, als hätten sie vor Spielbeginn heimlich Red Bull in die Trinkflaschen gekippt.

Schon in der 19. Minute legte Dusan Sestak den Grundstein für das Spektakel. Nach einem feinen Pass des 19-jährigen Mattias Henriksson zog der Rechtsaußen trocken ab - 1:0. Der Jubel? Eher verhalten. Die Fans von Jagodina wissen mittlerweile, dass ein frühes Tor nur der Auftakt zu größeren Dingen ist. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Trainer Mad Hodor später in der Pressekonferenz. "Aber Dusan hat wohl eine andere Realität."

Zemun Belgrad, das laut Statistik mit 52 Prozent Ballbesitz sogar mehr vom Spiel hatte, wirkte in diesen Momenten hilflos. Sie hielten den Ball, aber Jagodina traf. Das alte Fußballparadox in seiner reinsten Form. Und es sollte noch schlimmer kommen.

Kurz nach Wiederanpfiff - 49. Minute - war es Agemar Sainz, der den Ball mit einem satten Linksschuss unter die Latte hämmerte. Vorlage: wieder Sestak. "Ich musste nur noch treffen", sagte Sainz bescheiden. Der Blick seines Trainers ließ aber vermuten, dass er durchaus mehr als "nur getroffen" hatte.

Danach kam, was man nur als den "blauen Orkan von Jagodina" bezeichnen konnte. In der 76. Minute traf Sergi Xavier, zwei Minuten später revanchierte sich Njazi Hietanen bei ihm mit einem Treffer zum 4:0. Und als Zemun sich noch fragte, ob das alles ein schlechter Traum sei, legte Sainz in der 80. Minute erneut nach. Oliver Bancroft hatte das Spiel zuvor mit einem eleganten Pass durch die Mitte geöffnet - so präzise, dass ein Zuschauer hinterher witzelte: "Der Ball hatte GPS-Unterstützung."

Das halbe Stadion war längst aufgestanden, als in der 95. Minute Njazi Hietanen den Schlusspunkt setzte - 6:0. Ein Doppelpack von Sainz, ein Doppelpack von Hietanen, dazu Tore von Sestak und Xavier. Ein Ergebnis, das in den Geschichtsbüchern stehen bleibt, auch wenn die Ballbesitzstatistik anderes vermuten lässt.

Zemun Belgrad? 8 Torschüsse, aber kaum Gefahr. Ein bisschen wie ein Sänger, der brav den Text kennt, aber keinen Ton trifft. Dajan Kalinic mühte sich redlich, schoss mehrmals (8., 9., 30., 37., 48. Minute), traf aber stets Jagodinas Torhüter Ivica Simic oder die Fangnetze hinter ihm. "Manchmal ist der Ball einfach ein Feind", murmelte Kalinic nach dem Spiel und verschwand wortlos im Kabinengang.

Kurz vor Schluss durfte wenigstens noch Bradley Forbes in den Spielbericht - allerdings nicht mit einem Treffer, sondern mit einer Gelben Karte in der 91. Minute. Symbolisch für Zemuns Abend.

Mad Hodor, der Jagodina-Coach, blieb trotz des Kantersiegs auf dem Teppich: "Wir haben offensiv gespielt, ja. Aber ehrlich gesagt, ich wollte gar nicht sechs Tore. Vier hätten gereicht. Jetzt muss ich die Jungs wieder erden." Dass seine Mannschaft das ganze Spiel über offensiv eingestellt war, verriet auch die Taktiktafel: kurze Pässe, viel Bewegung, kein Pressing - offenbar braucht man das nicht, wenn man ohnehin jeden Angriff mit einem Tor krönt.

Zemuns Trainer - der nach Spielende lieber ungenannt bleiben wollte - verzichtete auf große Worte. Nur ein Satz blieb hängen: "Manchmal wünscht man sich, der Schlusspfiff käme früher."

Der Rest war Party. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und irgendwo im Presseraum soll ein Kollege gesagt haben: "Wenn Jagodina so weitermacht, müssen wir bald die Übersetzung für Champions-League-Hymne üben."

Am Ende dieses Abends stand mehr als nur ein 6:0. Es war eine Demonstration von Spielfreude, Tempo und Kaltschnäuzigkeit - und ein freundlicher Hinweis an den Rest der Liga: Wer gegen FK Jagodina spielt, sollte vorher die Torverhältnisse ausrechnen.

Oder, wie Sainz es formulierte, während er noch mit einem Becher heißen Tee in der Hand grinsend in die Kamera sprach: "Wir wollten einfach Spaß haben. Und wenn dabei sechs Tore rauskommen - na gut, dann eben sechs."

So klang ein Fußballabend, der in Jagodina wohl noch lange für warme Herzen sorgen wird - selbst im Januar.

17.03.643987 23:12
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