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Am 7. Spieltag der Oberliga C zeigte der FK Pirmasens vor 3.266 Zuschauern, dass man auch mit gepflegtem Kurzpassspiel und einem Schuss Humor Fußballfeste feiern kann. Mit einem souveränen 2:0 über den Harburger SC bestätigte das Team von Trainerin Gudrun Schweitzer seine Ambitionen, während die Gäste aus Harburg lange so wirkten, als wollten sie erst im nächsten Spiel ernst machen. Schon in der Anfangsphase war klar, wer hier den Ton angibt. Pirmasens spielte offensiv, pressingbereit und gefällig - so, wie es sich die Heimfans erträumen. Vor allem Alex Coviello, der Mittelstürmer mit dem Instinkt eines Trüffelschweins für Torraumsituationen, machte früh Alarm. Nach mehreren wuchtigen Abschlüssen (11., 12., 13. Minute) war es schließlich in der 14. Minute so weit: Coviello netzte nach mustergültigem Zuspiel von Youngster Daniel Washington zum 1:0 ein. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du dreimal anläufst, muss der vierte sitzen", grinste Coviello nach dem Spiel - ein Satz, der jedem Stürmerlehrbuch würdig wäre. Harburg? Nun ja, sie waren da. Irgendwo zwischen Mittellinie und eigener Strafraumkante. Ihre beiden einzigen Torschüsse (48. und 49. Minute) waren so harmlos, dass Torwart Dennis Frei vermutlich mehr Schweiß vom Jubeln als vom Abwehren hatte. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte Harburgs Trainer Jesus Kiefer später mit bemerkenswerter Ruhe. "Nur hat Pirmasens leider vergessen, uns den Ball zu geben." Pirmasens dagegen kombinierte, was das Kurzpassspiel hergab. Dani Tabenkin wirbelte über links, Noah Specht über rechts - und im Zentrum zog Washington die Fäden. In der 39. Minute sah Linksverteidiger Samuel Reid Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten auch in der Oberliga eher ungern gesehen werden. Trainerin Schweitzer nahm es mit Humor: "Er wollte den Ball, hat aber die Geometrie falsch eingeschätzt." Nach dem Seitenwechsel kam Müjdat Öztürk für Reid, ein offensives Signal, das zeigte: Schweitzer wollte den Sack zu machen. Harburg versuchte indes, sich zu befreien, doch jeder Entlastungsversuch endete spätestens bei Tiago Gomes, dem Innenverteidiger mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers. In der 73. Minute fiel dann die Entscheidung. Gomes leitete selbst den Angriff ein, spielte kurz auf Marcel Fuhl - und der zog trocken ab. 2:0. Der Jubel war groß, Fuhl klopfte Gomes dankend auf die Schulter: "Wenn ein Innenverteidiger so einen Pass spielt, musst du einfach treffen." Danach war das Spiel im Prinzip gelaufen. Pirmasens ließ Ball und Gegner laufen, Harburg lief hinterher - meistens ins Leere. Die Hausherren feuerten bis zum Schlusspfiff weiter aus allen Lagen (insgesamt 21 Torschüsse), während Gäste-Keeper Joshua Eliot zum besten Mann seines Teams wurde. "Ich hatte heute viel zu tun. Aber wenigstens war’s nicht langweilig", meinte er mit einem gequälten Lächeln. In der Schlussphase durfte noch ein wenig rotiert werden: Coviello bekam seinen verdienten Applaus, David Bernier kam für ihn (63.), später ersetzte Hugo Alves den emsigen Tabenkin (87.). Selbst diese Wechsel wirkten bei Pirmasens eher wie kleine Variationen eines laufenden Konzerts - die Melodie blieb dieselbe: Kontrolle, Präzision, Spielfreude. Statistisch liest sich das Spiel wie ein Monolog: 51 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 21 zu 2 Torschüsse - nur das Ergebnis blieb mit 2:0 fast bescheiden. "Wir hätten auch 4:0 oder 5:0 gewinnen können", sagte Schweitzer nach dem Abpfiff, "aber ich wollte, dass meine Spieler lernen, mit Chancenverschwendung zu leben." Harburgs Trainer Kiefer sah es sportlich: "Wir haben heute gesehen, wie man es besser macht. Nächstes Mal versuchen wir, den Ball öfter zu behalten - vielleicht sogar in der gegnerischen Hälfte." Ein Abend also, der zeigte, dass auch Oberliga-Fußball große Geschichten schreiben kann: von einem Coviello, der trifft, wenn’s drauf ankommt, von einem Fuhl, der mit seinem Tor alles klarmacht, und von einem Team, das den Fußball liebt - kurz, von einem FK Pirmasens, der in dieser Form schwer zu bremsen sein wird. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein Fan beim Abpfiff trocken: "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald Eintritt nehmen wie in der Bundesliga." Ein Satz, bei dem man nicht wusste, ob er scherzte - oder einfach nur hellsichtig war. 07.08.643990 08:50 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer