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Ein Fußballabend, wie er in der Regionalliga B nicht alle Tage vorkommt: 3312 Zuschauer im Pirmasenser Stadion sahen am Mittwochabend eine Partie, die erst nach rustikalem Fehlstart und anschließendem Offensivrausch endete - und zwar mit einem 5:2-Kantersieg des FK Pirmasens über den SV Mannheim. Dabei hatte alles ganz anders angefangen. Nach zwölf Minuten jubelten zunächst die Gäste: Joseba Chalana, der quirligste Mannheimer auf dem Platz, stocherte den Ball nach Vorlage von Tom Hausmann über die Linie. "Ich dachte, das läuft heute wie geschmiert", grinste Chalana hinterher mit bitterem Unterton. Und tatsächlich: Pirmasens wirkte in dieser Phase fahrig, die Abwehr um den jungen David Marano wackelte bedenklich. Doch der FK fand ins Spiel zurück - und wie. Ausgerechnet Marano leitete in der 31. Minute den Ausgleich ein, als er den Ball elegant auf Dani Tabenkin durchsteckte. Der israelische Routinier ließ Mannheims Keeper Benjamin Wolf keine Chance und traf zum 1:1. Trainer Gudrun Schweitzer, sonst eher stoisch an der Seitenlinie, ballte beide Fäuste und brüllte: "So will ich das sehen!" Aber die Gäste hatten noch eine Antwort: In der 38. Minute zirkelte Jannick Heise, der zuvor schon Gelb gesehen hatte, eine Flanke von Gyula Csizmadia wuchtig ins Netz. 1:2, und Mannheim durfte wieder hoffen. In der Pause schüttelte Schweitzer den Kopf und sagte Richtung Bank: "Wir spielen hier nicht Schach, wir spielen Fußball - also bewegt euch mal!" Was auch immer sie in der Kabine sonst noch gesagt hat: Es muss gewirkt haben. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da stand es schon 2:2. Vitorino Ramallo, 20 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers, nagelte den Ball in der 46. Minute nach Vorarbeit von Kornej Babinow ins Tor. Der Stadionsprecher kam kaum mit dem Ansagen hinterher. Pirmasens bekam jetzt Oberwasser. Die Gastgeber hatten am Ende 16 Torschüsse und einen Ballbesitz von 50,3 Prozent - also fast ausgeglichen, aber deutlich gefährlicher. Und sie wollten mehr. Dani Tabenkin, wieder er, brachte den FKP in der 62. Minute in Führung, diesmal nach feiner Vorarbeit von Alex Coviello. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft", gestand Tabenkin später lachend, "aber anscheinend war das die richtige Technik." Mannheim versuchte zu reagieren, doch der Tank war leer. Die langen Bälle verpufften, das Pressing blieb halbherzig, und die Defensive fiel auseinander wie ein schlecht gestecktes Kartenhaus. Pirmasens dagegen spielte plötzlich wie entfesselt: In der 81. Minute traf Kornej Babinow aus dem Rückraum zum 4:2, ehe David Bernier in der 89. Minute den Deckel draufmachte. Sein Schuss aus 20 Metern landete im Winkel - ein Treffer für die Galerie. "Nach der ersten Halbzeit hätte ich nicht mal mehr einen Schokoriegel auf uns gesetzt", grinste Bernier später im Kabinengang, das Trikot über der Schulter. "Aber dann haben wir einfach angefangen, Fußball zu spielen." Mannheims Trainer Maik Rose wirkte nachdenklich, fast philosophisch: "Wenn man fünf Tore kassiert, war’s wohl zu viel Vertrauen in die Defensive. Oder zu wenig Kaffee vor dem Spiel." Seine Mannschaft hatte am Ende gerade mal sechs Schüsse aufs Tor, zwei davon drin - eine Effizienz, die selbst Statistikliebhaber kaum trösten dürfte. Für den FK Pirmasens war es dagegen ein Start nach Maß in die neue Saison. Trainerin Schweitzer zeigte sich stolz, aber auch mit gewohnt trockenem Humor: "Ich sag’s mal so - wir haben heute die zweite Halbzeit gewonnen. Die erste vergessen wir einfach." Die Fans taten ihr Übriges: Als der Schlusspfiff ertönte, sangen sie noch minutenlang, während Tabenkin und Co. über den Rasen tanzten. Ein kleines Märchen aus der Südwestpfalz - und ein großer Dämpfer für die Mannheimer, die sich nach ihrer frühen Führung wohl schon auf der Heimfahrt wähnten. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach die bessere Dramaturgie schreibt als jedes Drehbuch. Pirmasens hat’s vorgemacht: Vom Wackelkandidaten zum Tormaschinen-Ensemble - in nur 90 Minuten. Und wer die zweite Halbzeit verpasst hat, sollte künftig früher aus der Halbzeitpause zurückkommen. 22.03.643997 04:25 |
Sprücheklopfer
Ich werde einen Teufel tun und Ewald widersprechen. Der Ewald hat sich ja alles ganz genau notiert.
Felix Magath über eine Spielanalyse von Ewald Lienen