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Manchmal weiß man schon nach wenigen Minuten, wohin die Reise geht. Am 8. Spieltag der Oberliga C wurde TuS Sundern von FK Pirmasens förmlich überrannt - und das vor heimischer Kulisse, bei 3663 Zuschauern, die sich anfangs noch die Hände rieben, als es pünktlich um 20:15 Uhr losging. Am Ende stand ein ehrliches 2:5 (0:2) auf der Anzeigetafel - und eine Lektion in Sachen Effizienz und Tempo. Pirmasens begann, als hätte man im Bus noch Espresso verteilt. Schon in der ersten Minute prüfte Alex Coviello den Sunderner Keeper Hanns Unger mit einem wuchtigen Schuss. Drei Minuten später tat es ihm Marcel Fuhl gleich - Sundern war da noch im Warmmachmodus. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte FK-Trainerin Gudrun Schweitzer später mit einem kaum zu verbergenden Schmunzeln. "Die Jungs haben das… sagen wir mal… etwas zu wörtlich genommen." In der 31. Minute fiel, was sich lange angekündigt hatte: Noah Specht, Pirmasens’ quirliger Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Hugo Alves zum 0:1. Ein Treffer, so sauber herausgespielt, dass man ihn fast einrahmen wollte. Nur fünf Minuten später erhöhte Dani Tabenkin auf 0:2 - diesmal ohne Assist, aber mit der Eleganz eines Mannes, der schon beim Anlauf wusste, dass der Ball reingeht. Sundern taumelte, bekam die Ordnung nicht mehr hergestellt und kassierte obendrein in der 40. Minute eine Gelbe Karte - Oscar Fuchs hatte es zuvor auf der anderen Seite schon erwischt. In der Pause roch es nach einer klaren Sache. Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, flackerte ein Hoffnungsschimmer auf: Nur Sekunden nach Wiederanpfiff hämmerte Walter Sonne den Ball zum 1:2 ins Tor, nach feinem Zuspiel von Youngster Hanns Behrens. Die Fans waren wieder da, der Stadionsprecher überschlug sich, und Trainerbank wie Ersatzspieler jubelten, als ginge es schon um die Meisterschaft. Das Problem: Pirmasens ließ sich davon nicht beeindrucken. Nur eine Minute später konterte der Gast eiskalt. Ulf Eriksen, eigentlich Rechtsverteidiger, spazierte nach Vorlage von Archie MacAlister durch die Sunderner Abwehr und stellte auf 1:3. "Ich dachte, der darf da gar nicht stehen", murmelte TuS-Kapitän Jörg Bader später, "aber offenbar hatte der Linienrichter denselben Gedanken." Dani Tabenkin legte in der 54. Minute sein zweites Tor nach - wieder nach feinem Zuspiel von MacAlister, der an diesem Abend spielte wie ein Dirigent im Vollrausch. "Wenn Archie so drauf ist, kann man nur noch mitlaufen", grinste Tabenkin nach dem Spiel, während er sich den Schweiß aus der Stirn wischte. Sundern wehrte sich tapfer. Oscar Fuchs, der zuvor Gelb gesehen hatte, stürmte in der 69. Minute nach vorne und drosch den Ball zum 2:4 ins Netz. Ein Treffer, der so viel Wut wie Wille transportierte. "Ich wollte einfach mal was Positives beisteuern", sagte Fuchs mit einem Schulterzucken. Doch Pirmasens blieb unbarmherzig. In der 86. Minute setzte Kornej Babinow den Schlusspunkt - 2:5. Da half auch keine taktische Feinabstimmung mehr. Sundern hatte über weite Strecken 46 Prozent Ballbesitz, aber zu wenig Ideen. Fünf Torschüsse standen am Ende sage und schreibe 13 Abschlüssen der Gäste gegenüber. Die Statistik sprach eine klare Sprache: Pirmasens aggressiv, offensiv, passsicher - 53 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt 80 Prozent Spielkontrolle. Sundern blieb bemüht, mehr aber auch nicht. Als wäre das nicht genug, verletzte sich in der 80. Minute Tomasz Block und musste ausgewechselt werden. Nick Hafner kam, machte seine Sache ordentlich, aber der Drops war längst gelutscht. Trainerin Schweitzer lobte hinterher die Konzentration ihrer Mannschaft: "Wir haben das Spiel im Griff behalten, auch als Sundern kurz aufkam. Ich sag’s mal so: Wir sind nicht hierhergefahren, um Rosen zu pflücken." Der Satz löste im Presseraum kollektives Nicken aus. Ganz anders die Stimmung bei TuS Sundern: "Wir sind keine Laufkundschaft", sagte ein sichtlich genervter Walter Sonne, "aber heute sah es zwischendurch so aus." Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal einfach Kopfsache ist - und dass FK Pirmasens derzeit in einer Liga für sich spielt. Sundern dagegen wird sich sammeln müssen. Vielleicht hilft ja ein mildes Trainingslager. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Einfach mal wieder ein 1:0 gewinnen, das wär doch was." Und so verließen die Zuschauer das Stadion - ein bisschen frustriert, aber immerhin gut unterhalten. Schließlich war es kein schlechtes Spiel. Nur eben eines, das FK Pirmasens nie wirklich aus der Hand gab. 18.08.643990 22:31 |
Sprücheklopfer
Ich finde es großartig, dass sich die Frauen immer mehr vermehren in der Bundesliga.
Franz Beckenbauer