// Startseite
| Sporski Journal |
| +++ Sportzeitung für Serbien +++ |
|
|
|
Wenn 32.141 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Smederevo ins Stadion pilgern, dann wollen sie Fußball sehen - und sie bekamen ihn, zumindest eine Halbzeit lang. FK Smederevo besiegte Mlados Lucani am 6. Spieltag der serbischen Superliga mit 3:1 (3:0) und ließ in den ersten 45 Minuten die Gäste aussehen, als hätten sie ihre Abwehrreihe beim Einlaufen in der Kabine vergessen. Schon nach 18 Minuten begann das Spektakel: Linksverteidiger Joel Bloomfield, normalerweise eher für Grasflecken als für Glanzlichter zuständig, donnerte den Ball nach einer butterweichen Flanke von Danko Ristic aus gut 20 Metern in den Winkel. "Ich wollte eigentlich nur flanken", grinste Bloomfield hinterher, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Lucani wirkte geschockt, und das Heimteam roch Blut. Nur elf Minuten später war es der 20-jährige Zvonimir Kujovic, der nach feinem Doppelpass mit Ermin Dragutinovic auf 2:0 stellte. Ein Treffer, der so sauber herausgespielt war, dass selbst der Linienrichter kurz klatschte - allerdings diskret hinter der Fahne. In Minute 31 schließlich der endgültige Knockout: Der umtriebige Ristic, eben noch Vorlagengeber, wurde selbst zum Vollstrecker. Nach einem sehenswerten Lauf über die linke Seite und Zuspiel von Vincent Velez schob er abgeklärt zum 3:0 ein. "Wir haben’s in der ersten Halbzeit einfach zu locker genommen", knurrte Lucanis Trainer Du Dado nach dem Spiel. "Manchmal wirkt meine Abwehr wie ein offenes WLAN - jeder darf rein." Statistisch war das Ganze überraschend ausgeglichen: 49,9 Prozent Ballbesitz für Smederevo, 50,1 für Lucani. Doch während die Gäste sich in ihrem Offensivdrang verzettelten, schoss Smederevo 16-mal aufs Tor - Lucani brachte es auf magere sieben Versuche. Und was nützen Zahlen, wenn die Tore auf der falschen Seite fallen? Zur Pause war die Partie im Grunde entschieden. Trainer Osteroder FC - ja, der Mann heißt wirklich so - nutzte die komfortable Führung, um seine Jungs an die Leine zu nehmen. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr noch mehr lauft, müsst ihr morgen doppelt trainieren", witzelte er später. Zwei Wechsel zur Halbzeit sollten frische Beine bringen: Petar Ilic kam für Torschütze Bloomfield, Bojan Ergic ersetzte Dragutinovic im Mittelfeld. Der Spielfluss blieb, die Dominanz etwas weniger. Lucani kam mit Wut aus der Kabine, und der junge Angreifer Sreto Manojlovic war der Einzige, der sein Visier richtig einstellte. In der 50. Minute traf er nach Vorarbeit von Gökhan Aybaba zum 3:1 und brachte zumindest kurz Hoffnung ins Gästefeld. "Ich dachte, wir könnten das noch drehen", sagte Manojlovic. "Dann sah ich den Ballbesitz und wusste: Nein." Danach verflachte die Partie. Smederevo ließ den Ball laufen, Lucani rannte hinterher - und sammelte Gelbe Karten. Marko Krupnikovic (43.) und Milan Drulic (83.) durften den Schiedsrichter aus nächster Nähe begutachten, während auf der anderen Seite Ergic (85.) und Gavrancic (92.) ebenfalls gelb notiert wurden. Eine Art Gleichberechtigung, könnte man sagen. Erwähnenswert bleibt Zoran Filipovic, der trotz keiner Treffer gleich fünf Mal aufs Tor schoss und jedes Mal die gleiche Geste machte: Hände in die Hüften, Blick gen Himmel - der Inbegriff des frustrierten Stürmers. "Ich hab heute mehr Löcher in die Luft geschossen als auf dem Trainingsplatz", fluchte er lachend. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Publikum zufrieden. 3:1, souverän, mit Stil und etwas Witz. Smederevo zeigte, dass man auch ohne übermäßigen Ballbesitz dominieren kann, wenn man einfach mehr Zielwasser trinkt. Trainer Osteroder FC fasste das Ganze passend zusammen: "Ich hab ihnen gesagt, Fußball ist wie Kochen - wenn du die Zutaten hast, brauchst du nur den richtigen Moment. Heute war’s perfekt abgeschmeckt." Lucani dagegen muss sich fragen, warum man zwar offensiv spielt, aber defensiv wie auf Glatteis wirkt. "Wir haben schön gepasst", meinte Coach Du Dado trocken, "nur leider zum Gegner." Und so ging ein kalter Abend in Smederevo mit warmen Herzen zu Ende - zumindest für die Heimfans. Für Mlados Lucani bleibt die Erkenntnis: Wer nach 31 Minuten 0:3 hinten liegt, kann den heißen Tee schon mal für die Heimfahrt bestellen. 17.03.643987 23:09 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller