Jornal do Brasil
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Flamengo dreht auf: Später Doppelschlag krönt torreiche Samba-Nacht

Es war ein Freitagabend, wie ihn Rio liebt: tropische Luft, 42.119 Zuschauer im Maracanã und ein Flamengo, das erst wackelte, dann tanzte. Am Ende hieß es 4:2 (2:2) gegen Feira de Santana - ein Ergebnis, das sich sehen lässt, aber nicht verrät, wie wackelig der Weg dorthin war.

Schon in der 11. Minute bebte das Stadion, als ausgerechnet Rechtsverteidiger Afanasi Tscherepanow, der sonst eher als Sicherheitsbeauftragter der Abwehr bekannt ist, beherzt in den Strafraum zog. Nach Vorarbeit von Daniel Keller drosch er den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes, der zu lange in der Defensive gestanden hatte, in die Maschen - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Tscherepanow später, "aber dann dachte ich mir: Ach, warum nicht mal aufs Tor?".

Doch die Freude hielt keine zehn Minuten: Feira de Santana nutzte die zaghafte Rückwärtsbewegung der Gastgeber eiskalt. Vitor Bischoff glich in der 20. Minute aus, und nur sieben Minuten später traf Daniel Wiese per feinem Flachschuss nach Pass des jungen Taylan Üzülmez. Plötzlich stand es 1:2 - und Flamengo schien kurzzeitig vom eigenen Offensivdrang schwindlig geworden zu sein.

Trainer Dino Ma, der sich an der Seitenlinie die Haare raufte, rief lautstark: "Mehr Kopf, Jungs! Nicht jeder Ball ist ein Feuerwerk!" Seine Spieler nahmen es sich offenbar zu Herzen. Kurz vor der Pause (42.) traf Daniel Keller - der Mann, der schon die Vorlage zum ersten Tor geliefert hatte - nach schönem Zuspiel von Luís Deco zum 2:2. Ein gerechtes Halbzeitergebnis, doch die Fans forderten mehr.

"In der Kabine war’s laut", verriet später Mittelfeldspieler Bo Christiansen. "Dino hat uns gesagt, wir sollen endlich spielen wie Flamengo und nicht wie Feira." Und siehe da: Nach Wiederanpfiff übernahm der Gastgeber das Kommando, ließ Ball und Gegner laufen - zumindest so weit, wie das bei 51,6 Prozent Ballbesitz möglich ist.

In der 65. Minute dann die Erlösung: Keller, dieser ewige Rechtsaußen mit der Ruhe eines Scharfschützen, versenkte nach Vorlage von Vitorino Chalana das 3:2. Während das Maracanã tobte, drehte Keller ab und grinste in Richtung Trainerbank. "Ich bin 32, aber manchmal fühle ich mich wie 25 - heute war so ein Tag", sagte er später und zwinkerte.

Feira de Santana versuchte noch einmal, sich aufzubäumen - allerdings eher mit Gelben Karten als mit Ideen. Oscar Gallagher sah in der 68. Minute Gelb, nachdem er mehr den Gegner als den Ball traf. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", rechtfertigte er sich halbwegs charmant.

Flamengo dagegen wechselte klug: In der 70. Minute durfte der 18-jährige Caio Eusebio für Keller ran. Was folgte, war Jugend forscht mit Turbo. Der Youngster wirbelte, flankte, prüfte den Keeper mehrfach - und bereitete schließlich den Schlusspunkt indirekt vor. In der Nachspielzeit (91.) setzte Chalana, 20 Jahre jung, das i-Tüpfelchen auf den Abend. Nach Pass von Christiansen schlenzte er den Ball ins lange Eck - 4:2, Samba pur.

Während die Fans tanzten, klatschte Trainer Dino Ma verhalten, aber zufrieden. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", sagte er nach dem Abpfiff. "Aber wer will schon einen langweiligen Sieg? Ich jedenfalls nicht."

Statistisch gesehen war es ein offener Schlagabtausch: 18 Torschüsse für Flamengo, 8 für Feira, dazu fast ausgeglichener Ballbesitz. Doch die Qualität der Chancen lag klar bei den Hausherren. "Wenn du vier Tore schießt, darfst du dich auch mal über zwei Gegentore hinwegsehen", meinte Kapitän Fernandes, der in der 84. Minute nach rustikalem Einsatz Gelb sah - sinngemäß: Wenn’s schön werden soll, muss es manchmal weh tun.

Feira de Santana verabschiedete sich erhobenen Hauptes. Trainer Ricardo Silva (der an diesem Abend lieber keinen Kommentar abgab) kann seiner Mannschaft kaum Vorwürfe machen: kämpferisch stark, aber defensiv zu flatterhaft.

Flamengo dagegen bleibt obenauf - nicht brillant, aber effektiv. Vielleicht das schönste Kompliment des Abends kam von einem älteren Fan auf der Tribüne: "Früher hätten sie das 2:2 nach Hause geeiert. Heute haben sie’s zu Ende getanzt."

Und so schallte es nach Abpfiff durchs Stadion: keine Hymne, kein Pathos, nur das rhythmische Klatschen von 42.000 zufriedenen Seelen. Ein Abend, der zeigte: In Rio kann selbst ein nervenaufreibendes 4:2 wie ein Fest klingen.

30.09.643987 18:25
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