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Es war einer dieser Abende in Campina Grande, an denen man sich fragt, ob das Flutlicht nicht lieber ausgehen sollte, um die Pein zu ersparen. 30.607 Zuschauer sahen beim Saisonauftakt der 1. Liga Brasilien, wie der CF Flamengo die Hausherren mit 4:1 zerlegte - und das trotz eines anfänglichen Hoffnungsschimmers für die Gastgeber. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 19. Minute brachte Rafael Futre die Fans zum Jubeln. Nach einem feinen Pass von Charles Aimee zog der Rechtsaußen einfach mal ab - und der Ball zappelte im Eck. "Ich hab gar nicht lange nachgedacht", grinste Futre später. "Vielleicht hätte ich das öfter tun sollen." Da wusste er noch nicht, dass sein Team sich danach nur noch als Statist in Flamengos Offensivshow wiederfinden würde. Denn dann kam Aki Ukkonen, 20 Jahre jung, blond, unverschämt schnell und offenbar ohne Angst vor irgendwas. In der 43. Minute traf er zum Ausgleich, bedient von Fernando Coelho, der auf der rechten Seite mehr Kilometer machte als so mancher Linienrichter. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff schlug Ukkonen erneut zu - wieder nach Vorlage Coelho. Trainer Dino Ma grinste danach nur: "Ich sag ihm immer, er soll dahin laufen, wo’s weh tut. Heute hat’s nur Campina wehgetan." Nach diesen zwei Treffern schien die Gegenwehr der Gastgeber in sich zusammenzufallen wie ein schlecht gefalteter Klappstuhl. Zwar brachte Coach Tobias Wassermann mit dem 17-jährigen Foma Klimowitsch frischen Wind, aber der Junge konnte gegen die rot-schwarze Wucht der Gäste wenig ausrichten. "Ich hab versucht, den Ball festzuhalten", erklärte er schüchtern nach dem Spiel. "Aber die waren einfach überall." In der 73. Minute war es dann Pedro Veloso, der den Sack zumachte. Nach schönem Zusammenspiel mit - wem wohl? - Aki Ukkonen drosch er das Leder unter die Latte. Die Flamengo-Fans, die in der Kurve ohnehin schon Samba tanzten, brauchten keine Einladung mehr. Und als in der Nachspielzeit sogar Rechtsverteidiger Afanasi Tscherepanow mit einem wuchtigen Schuss den 4:1-Endstand besiegelte, schaute Torwart Filipe Dominguez nur noch resigniert hinterher. Statistisch war alles klar: 16:5 Torschüsse für Flamengo, 53 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote, die Campina-Trainer Wassermann nachdenklich machte. "Wir hatten den Plan, auf Konter zu spielen", sagte er. "Das Problem war nur: Wir kamen nie zum Kontern." Die eigene Offensive - fünf harmlose Versuche aufs Tor - wirkte, als hätte sie den Anpfiff verpasst. Flamengo dagegen spielte wie aus einem Guss, ohne Hektik, ohne übermäßige Härte, einfach effizient. Besonders auffällig: Fernando Coelho, der mit drei Torvorlagen glänzte und nach dem Spiel trocken meinte: "Ich wollte eigentlich selbst treffen, aber Aki hat mir den Spaß verdorben." Ukkonen konterte lachend: "Wenn er so weitermacht, schreib ich ihm eine Dankeskarte." In der Schlussphase wechselte Dino Ma munter durch, brachte Chalana und später Custodio, um die linke Seite zu stabilisieren - oder einfach, um den Applaus einzusammeln. Selbst als Tscherepanow in der 95. Minute zum Schuss ansetzte, wirkte es, als wäre das Teil des Drehbuchs gewesen. "Ich dachte, der pfeift gleich ab", sagte er hinterher. "Aber dann war der Ball halt drin. Warum nicht?" Campina Grande bleibt nach diesem Abend ratlos zurück. Ein Tor, ein gelber Karton für Özer Cora, ein paar müde Konterversuche - das war’s. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus. Vielleicht aus Mitleid. Vielleicht, weil sie wissen: Schlechter kann’s kaum werden. Flamengo hingegen startet mit breiter Brust in die Saison. Coach Dino Ma winkte nach Abpfiff lässig in die Kameras und erklärte: "Das war erst der Anfang. Wir haben noch Luft nach oben." Wenn das stimmt, sollten die restlichen Teams der Liga schon mal den Notruf bereithalten. Und Campina? Die werden sich an diesem 7. Februar 2026 wohl noch lange erinnern - als den Tag, an dem Aki Ukkonen in Brasilien ankam und gleich den halben Kontinent aufmischte. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wir hatten 47 Prozent Ballbesitz - aber 0 Prozent Kontrolle." 30.05.643990 02:17 |
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