Diarios de Futbol
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Flamengo stürmt zum 4:2 - und macht das Play-off zum Nervenkrimi

Copa Libertadores | Play-offs - Hinspiel | 05.10.26 | CF Flamengo - Aragua FC 4:2

Was für ein Abend in Rio: Vor 79.500 Zuschauern hat CF Flamengo das Hinspiel der Copa-Libertadores-Play-offs gegen Aragua FC mit 4:2 (4:1) gewonnen. Ein Ergebnis, das nach souveräner Vorentscheidung klingt - sich zwischendurch aber eher wie eine schlecht gelaunte Achterbahnfahrt anfühlte.

Flamengo legte los, als hätte Trainer Dino Ma die Mannschaft nicht auf ein Hinspiel, sondern auf einen Endspielabend vorbereitet. Nach sechs Minuten war Caio Eusebio zur Stelle und brachte die Gastgeber in Führung. Der rechte Angreifer hatte offenbar beschlossen, die Abwehr von Aragua persönlich auf Betriebstemperatur zu testen. Mit Erfolg: In der 23. Minute traf Eusebio erneut, diesmal nach Vorarbeit von Onur Kas.

Aragua antwortete zwei Minuten später. Patrik Voss verkürzte nach Zuspiel von Dieter Singer auf 1:2 - und plötzlich war im Maracanã für einen kurzen Moment jene besondere Stille zu spüren, in der 79.500 Menschen gleichzeitig denken: Bitte jetzt nicht.

Flamengo dachte offenbar nicht daran, diesem Wunsch zu entsprechen. In der 28. Minute erhöhte Marko Jovanovic auf 3:1, vorbereitet von Nelio Caneira. Fünf Minuten später revanchierte sich Caneira und erzielte selbst das 4:1. Olafur Holmqvist hatte den Angriff eingeleitet. Die erste Halbzeit war damit ein Lehrstück in Sachen Effizienz - und für Aragua ein ziemlich teures Seminar.

"Wir wollten mutig auftreten, aber vielleicht waren wir anfangs mutig bis zur Schmerzgrenze", sagte Araguas Trainerin Claire Werk sinngemäß in einer atmosphärisch wiedergegebenen Reaktion. Tatsächlich hatte ihre Mannschaft trotz des Rückstands mehr Ballbesitz: 54,3 Prozent standen am Ende zu Buche. Flamengo kam auf 45,7 Prozent - hatte den Ball also seltener, dafür offenbar die besseren Ideen.

Nach dem Seitenwechsel stellte Aragua seine Spielweise um. Aus dem Flügelspiel wurde ein direkterer, aggressiverer Ansatz, das Pressing wurde verstärkt. Der Lohn folgte in der 58. Minute: Damian Santos traf nach Vorlage von Vincent Sousa zum 2:4. Plötzlich war das Spiel wieder offen genug, um die Heimfans mit dem guten alten Fußballgefühl "Das kann noch schiefgehen" zu versorgen.

Flamengo blieb gefährlich und verbuchte insgesamt 13 Torschüsse, Aragua deren acht. Doch die Partie wurde zunehmend ruppig. Dieter Singer und Silvestre Ze Castro sahen noch vor der Pause Gelb, später wurden auch Caio Eusebio und Jewgeni Selepukin verwarnt. In der 79. Minute flog Flamengos rechter Verteidiger Carl Postiga mit Rot vom Platz. Ein unnötiger Schlussakkord in einem Spiel, das Flamengo längst unter Kontrolle wähnte.

Trainer Dino Ma reagierte mit mehr Einsatz und aktivem Pressing. "Wir haben es unnötig spannend gemacht", lautete seine sinngemäße Einschätzung nach dem Abpfiff. Man könnte auch sagen: Flamengo schenkte Aragua zwei Tore, eine Rote Karte und eine letzte halbe Stunde voller Hoffnung. Großzügigkeit ist schließlich auch eine Form von Spielkultur.

In der 84. Minute musste zudem Frederic Marchand verletzt vom Feld und wurde durch Pau Semedo ersetzt. Weitere Treffer fielen nicht. Flamengo brachte den Vorsprung über die Zeit und geht mit einem Zwei-Tore-Polster ins Rückspiel.

Die Zahlen sprechen für die Gastgeber: 4:2, 13:8 Torschüsse und eine Zweikampfquote von 52,3 Prozent. Die Zahlen verschweigen allerdings, dass Flamengo nach dem 4:1 kurz so tat, als sei der Abend bereits beendet. Aragua sah das anders. Genau deshalb bleibt das Rückspiel spannend - und Flamengo gewarnt.

05.10.2026 19:08
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