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Das Flutlicht brannte, die Luft vibrierte, und 32.000 Zuschauer im Estádio Municipal von Ponte Prata erwarteten ein Fußballfest. Am Ende bekamen sie tatsächlich eines - nur leider keines, das die Heimfans erfreute. CF Flamengo spielte UD Ponte Prata beim 0:3 (0:2) regelrecht schwindlig, und man hatte phasenweise das Gefühl, die Gäste hätten sich in ein Trainingsspiel verirrt. Schon in der ersten Minute prüfte Bo Christiansen den gegnerischen Torhüter Luca Christ mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Flamengo kombinierte, Ponte Prata konterte - oder versuchte es zumindest. "Wir wollten mutig auftreten", sagte Ponte-Trainer (dessen Name die Vereinsführung inzwischen wohl lieber verschweigt) nach dem Spiel. Mut allein reichte jedoch nicht, um den rot-schwarzen Wirbelwind zu stoppen. Nach 28 Minuten klingelte es zum ersten Mal: Ein schneller Doppelpass zwischen Mario Berjon und Eric Jonsson, ein Haken, ein Schuss - 0:1. Jonsson grinste danach in die Kameras: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so viel Platz bekommst, musst du das ausnutzen." Wenig später, in der 32. Minute, drehte Berjon den Spieß um, traf selbst nach Vorarbeit von Hugo Custodio - 0:2. Ponte Prata schaute zu, als würde man im Videospiel den Controller aus der Hand legen. Flamengo spielte in dieser Phase so abgeklärt, dass selbst Trainer Dino Ma an der Seitenlinie kaum Anweisungen geben musste. Stattdessen stand er mit verschränkten Armen da, als würde er die Sonne genießen. "Ich hab den Jungs gesagt: Macht’s ruhig, aber macht’s richtig", erklärte er später mit einem Schmunzeln. Die Statistik spricht ohnehin Bände: 20 zu 4 Schüsse auf das Tor, 52 Prozent Ballbesitz für die Gäste und eine Zweikampfquote, die Ponte Prata-Fans lieber nicht lesen sollten. Und doch, bei allem Zahlenwerk - das Spiel hatte auch seine komischen Momente. In der 41. Minute etwa, als Fabio Pacos, der 17-jährige Hoffnungsträger der Hausherren, allein aufs Tor zulief, den Ball aber so weit vorlegte, dass selbst die Ballkinder überrascht waren. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", meinte er nachher kleinlaut. Nach der Pause versuchte Ponte Prata verzweifelt, das Ruder herumzureißen. Valerio Argusto zog in der 70. Minute aus der zweiten Reihe ab - der Ball segelte in Richtung Stadiondach. Der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Ein Schuss für die Statistik." Humor hatten sie also noch. Flamengo dagegen blieb cool. Pedro Veloso und Bo Christiansen wirbelten weiter über die Flügel, Mario Berjon verteilte Bälle wie auf einem Sonntagsspaziergang. Und als alle schon dachten, das Spiel plätschere aus, kam die letzte Pointe: In der 78. Minute zirkelte Linksverteidiger Vitorino Gomes den Ball ins Netz - nach feiner Vorarbeit von Hugo Custodio. Ein Verteidiger als Torschütze, das passte ins Bild: Bei Flamengo durfte an diesem Abend jeder mal glänzen. "Das war heute taktisch fast perfekt", lobte Trainer Dino Ma zufrieden. "Wir haben klug gepresst, aber nie überdreht." Tatsächlich zeigte die Mannschaft durchweg ein ausgeglichenes, fast lehrbuchhaftes Spiel - während Ponte Prata trotz offensiver Grundausrichtung kaum Struktur fand. Kein Pressing, keine Durchschlagskraft, keine Idee. Nach dem Abpfiff ging der Frust bei den Gastgebern tief. Torhüter Luca Christ ließ sich minutenlang auf den Rasen sinken. "Ich hab versucht, alles zu halten - aber irgendwann waren’s zu viele", murmelte er. Sein Trainer tröstete ihn halbherzig: "Wir haben wenigstens gekämpft." Wobei das laut Statistik nur bedingt stimmte - 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind eher eine Einladung als eine Verteidigung. Flamengo dagegen feierte ausgelassen mit den mitgereisten Fans. Eric Jonsson tanzte auf dem Rasen, und Mario Berjon schickte eine Grußbotschaft an die Konkurrenz: "Wir sind noch lange nicht am Limit." Nach so einem Auftritt glaubt man’s ihm sofort. UD Ponte Prata wird sich nun fragen müssen, wie man eine "offensive" Taktik spielen will, ohne den Ball ernsthaft vor das Tor zu bringen. Vielleicht hilft eine kleine Selbstironie: Der Stadionsprecher verabschiedete sich mit den Worten: "Das war’s aus Ponte Prata - wir hoffen, Sie hatten trotzdem Spaß." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasst. Flamengo war zu stark, zu clever, zu abgebrüht - und Ponte Prata? Nun ja, die sahen über 90 Minuten aus, als hätten sie vergessen, dass auch Tore zum Spiel gehören. 07.09.643987 12:13 |
Sprücheklopfer
Unbegreiflich, ich habe keinen Spurt von ihm gesehen!
Werner Lorant zu einem Muskelfaserriss seines Spielers Borimirov