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27844 Zuschauer im Estádio das Laranjeiras sahen am Samstagabend ein Spiel, das eher an eine einseitige Tanzveranstaltung erinnerte als an einen ausgeglichenen Fußballabend. CF Flamengo besiegte AD Fluminense auswärts mit 2:0 (1:0) und hätte locker noch ein halbes Dutzend Treffer nachlegen können - wenn nicht ein gewisser Bailey Bouchard im Tor der Gastgeber einen Sahnetag erwischt hätte. Schon in den ersten Minuten war klar, wer in Rio de Janeiro das Kommando führte. Die Gäste, unter der Leitung von Coach Dino Ma, stürmten los, als hätte jemand die Pausentaste am Trainingstag vergessen. Eric Jonsson prüfte bereits in der ersten Minute den Keeper, Pedro Veloso legte in Minute drei nach, und Vitorino Gomes schoss sich in der fünften Minute warm. Fluminense dagegen? Spielte Ballbesitzfußball - immerhin 51,7 Prozent -, allerdings vornehmlich in ungefährlichen Zonen. "Wir wollten ruhig aufbauen", erklärte Thierry Henry, Trainer von Fluminense, nach dem Spiel. "Das Problem war nur: Sobald wir aufgebaut hatten, war der Ball schon wieder weg." Ein ehrlicher Satz eines Trainers, dessen Mannschaft ganze zwei Torschüsse zustande brachte - über 90 Minuten. Flamengo dagegen ließ die Statistik glühen: 27 Schüsse aufs Tor, 58,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das alles mit einer angenehm lässigen Körpersprache. "Wir haben heute einfach unser Spiel gespielt", grinste Torschütze Vitorino Gomes, der in der 31. Minute nach feiner Vorarbeit von Benyamin Rieger zur verdienten Führung traf. Der Schuss des linken Verteidigers zischte ins lange Eck - Bouchard streckte sich vergeblich, und man hatte das Gefühl, das Stadion atmete kollektiv: endlich. Kurz nach der Pause musste Flamengo allerdings einen kleinen Schreck verdauen: Pedro Veloso verletzte sich bei einem Sprintduell und wurde ausgewechselt. Für ihn kam Mathias Gulbrandsen, der sich sofort ins Kombinationsspiel einfügte, als hätte er schon seit Jahren auf dieser Position gespielt. Trainer Dino Ma kommentierte es später trocken: "Pedro hat gesagt, er spürt was im Oberschenkel. Ich hab gesagt: Dann spür mal lieber die Bank." Während Flamengo weiter drückte, versuchte Fluminense, über Konter gefährlich zu werden. In der 72. Minute hatte Tomislav Mikulic tatsächlich eine gute Gelegenheit - sein Schuss verfehlte das Tor aber um etwa so viel, wie man braucht, um ein Haus zu bauen. Die Heimfans jubelten trotzdem, vermutlich aus Dankbarkeit, dass sie endlich mal in Tornähe ihrer Mannschaft etwas erleben durften. In der 81. Minute fiel dann die endgültige Entscheidung: Der junge Vitorino Chalana - gerade erst für den verletzten Hugo Custodio eingewechselt - verwandelte eine butterweiche Flanke von Afanasi Tscherepanow zum 2:0. Der Ball segelte wie in Zeitlupe über die Abwehr und klatschte unhaltbar ins Netz. Chalana rannte jubelnd zur Bank, wo Dino Ma ihn mit einem kräftigen Schulterklopfen empfing. "Ich hab ihm gesagt: Geh rein und mach’s besser als Hugo - und er hat’s wörtlich genommen", schmunzelte der Trainer nach der Partie. Fluminense wirkte danach müde, ratlos und ein bisschen resigniert. Selbst der erfahrene Amaury Ze Castro im Mittelfeld konnte die Ordnung nicht mehr herstellen. Henry stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, während Flamengo weiter kombinierte wie beim Trainingsspiel. Nur der Pfosten und Bouchard verhinderten, dass es am Ende nicht 0:4 oder 0:5 hieß. Nach dem Schlusspfiff applaudierten selbst einige Heimfans den Gästen - eine seltene, aber faire Geste. "Die waren einfach besser, Punkt", sagte Fluminense-Verteidiger Matteo Costa, der den Abend vermutlich noch lange in den Waden spüren wird. Und so verlässt Flamengo das Stadion als klarer Sieger, während Fluminense sich die Frage stellen muss, ob Ballbesitz ohne Ziel eigentlich eine Trophäe wert ist. "Wir müssen lernen, Ballbesitz in Chancen umzuwandeln", sagte Henry zum Abschluss. "Oder wenigstens in Torchancen, die man zählen kann." Fazit: Ein souveräner Auftritt des CF Flamengo, der zeigt, dass Offensivgeist und Effizienz keine Gegensätze sein müssen. Fluminense dagegen bleibt nach drei Spieltagen weiter ohne Sieg - und mit der Erkenntnis, dass Fußball mitunter hart, aber ehrlich ist. Oder, wie Dino Ma es mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Zwei Vitorinos, zwei Tore, das war heute unser Rezept. Vielleicht sollten wir nächstes Mal einfach alle so nennen." 22.06.643990 12:37 |
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