Jornal do Brasil
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Flamengo tanzt, São Paulo stolpert: 2:0 im Maracanã

Ein lauer Januarabend in Rio, 45.043 Zuschauer, der Zuckerhut glüht - und CF Flamengo liefert genau das, was die Fans im berühmten Maracanã sehen wollen: Tempo, Tore, Theater. Am Ende steht ein standesgemäßes 2:0 gegen ein blutleeres CD São Paulo, das sich 90 Minuten lang bemühte, aber meist aussah, als habe es den falschen Bus zum Stadion genommen.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Zweite Minute, ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Fabio Barbosa spielt einen langen Ball aus der Abwehr, Vitorino Chalana - gerade einmal 20 und offenbar ohne Nerven - nimmt das Leder volley und haut es unhaltbar in den Winkel. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Chalana später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Dino Ma knurrte dazu nur: "Wenn alle meine Flanken so enden würden, würde ich nie wieder schießen verbieten."

Was folgte, war ein rot-schwarzes Feuerwerk. Flamengo schnürte São Paulo minutenlang in deren Hälfte ein. 17 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache. Eric Jonsson, Benyamin Rieger, Lionel Postiga - sie alle versuchten sich am überarbeiteten Keeper Julius Berard, der im Alleingang die Gäste vor einem Debakel bewahrte. In der 14. Minute rettete er spektakulär gegen Poncela, in der 23. gegen Gulbrandsen, und als er in der 38. Minute wieder fliegen musste, sah es aus, als wäre er eher beim Volleyball als beim Fußball.

São Paulo? Kam erst in der 44. Minute einmal gefährlich vors Tor. Kai Craven prüfte Marco Barbosa, doch der Flamengo-Torwart, kurz zuvor eingewechselt, zeigte gleich, warum ihn alle nur "Eisblock" nennen. Danach blieb es beim Versuch. Drei Schüsse aufs Tor insgesamt - mehr war nicht drin.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Flamengo drückte, São Paulo duckte. In der 56. Minute fiel dann die Entscheidung. Mathias Gulbrandsen flankte butterweich von rechts, Benyamin Rieger nickte ein - 2:0. Es war ein Tor wie gemalt, und obendrein der Moment, in dem Rieger seine persönliche Erlösung fand. "Ich hab letzte Woche gegen den Pfosten, die Latte und den eigenen Mitspieler geschossen", sagte er grinsend, "heute endlich ins Tor."

Trainer Dino Ma blieb gewohnt nüchtern: "Wir wollten vorne draufgehen, die ersten 20 Minuten waren stark. Danach hätten wir mehr draus machen müssen." Ein Satz, der in seiner Understatement-Kühle fast schon britisch klang.

Von São Paulo war indes kaum noch etwas zu sehen. Stattdessen hagelte es Gelbe Karten - erst Dragan Smiljanic (32.), dann Njazi Hyypiä (41.). Beide wohl frustriert, dass sie den flinken Chalanas und Riegers nur noch hinterherschauen konnten. Ihr Trainer, der nach dem Spiel wortkarg in der Mixed Zone stand, meinte lediglich: "Wir hatten den Plan, Flamengo den Ball zu überlassen. Leider haben sie ihn behalten."

Das Publikum nahm’s mit Humor. In der 73. Minute skandierten die Fans "Mais um!", forderten also noch ein Tor - und Postiga hätte fast geliefert, scheiterte aber zweimal (86. und 87.) an Berard, der trotz allem der beste Mann der Gäste blieb.

Kurz vor Schluss sah Fabio Barbosa noch Gelb - vielleicht, weil er zu sehr strahlte. In der 92. Minute notierte der Schiedsrichter seine Verwarnung, während das Stadion längst feierte. Die Ersatzspieler tanzten an der Seitenlinie, und selbst Trainer Ma erlaubte sich ein kurzes Lächeln.

Statistisch war’s ein fast ausgewogenes Spiel - jedenfalls, wenn man nur auf den Ballbesitz schaut: 50,1 Prozent für Flamengo, 49,9 für São Paulo. Aber das war reiner Statistik-Kosmetik: In Wahrheit lag zwischen den Teams ein ganzer Fußballkontinent. Tacklings? 56 zu 44 Prozent für Flamengo. Torschüsse? 17 zu 3. Und das sagt eigentlich alles.

Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Flamengo-Fans rhythmisch, als wollten sie sagen: "So geht’s, Jungs." Und irgendwo auf der Tribüne soll ein kleiner Junge gerufen haben: "Mama, ich will Chalana sein!" - worauf seine Mutter trocken entgegnete: "Dann üb erst mal das Flanken."

Ein Abend, wie ihn die Rot-Schwarzen lieben: ein frühes Tor, ein zweites zum Genießen, ein bisschen Show und keine Spur von Nervosität. São Paulo dagegen wird sich fragen, ob man mit "ausgewogener" Taktik jemals ein Offensivfeuerwerk löschen kann.

Vielleicht, aber sicher nicht im Maracanã.

10.04.643987 03:27
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