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Ein kalter Märzabend, 16.000 Zuschauer im Sneeker Stadion, Flutlicht und ein Hauch von Hoffnung - doch am Ende blieb von dieser Hoffnung bei ONS Sneek nicht viel übrig. Die Flevo Boys entführten beim 2:4 (1:2) alle drei Punkte und ließen die Heimmannschaft mit ratlosen Gesichtern und müden Beinen zurück. Schon nach einer halben Stunde schien klar, wer an diesem Abend den Takt vorgibt. Carl Rodrigo eröffnete in der 26. Minute mit einem trockenen Flachschuss ins lange Eck, nachdem Ashton Bataillard die Sneeker Abwehr mit einem Pass in chirurgischer Präzision seziert hatte. Kaum hatte das Publikum den ersten Schock verdaut, zappelte der Ball erneut im Netz - diesmal war es Aki Kuqi (27.), der nach einem Eckball von Azim Barut am schnellsten reagierte. Zwei Tore in einer Minute - das war mehr als nur ein Warnschuss, das war eine Machtdemonstration. "Wir wussten, dass Flevo heute giftig sein würde", murmelte ONS-Kapitän Marco Bianchi nach dem Spiel, "aber dass sie gleich zweimal hintereinander treffen, das hat uns kurz den Stecker gezogen." Doch Sneek wäre nicht Sneek, wenn sie sich einfach ergeben hätten. Noch vor der Pause brachte Noach Buckhout (42.) die Gastgeber zurück ins Spiel. Nach schöner Vorlage von Jorge Doreste verwandelte der Rechtsaußen eiskalt - und plötzlich war das Stadion wieder da, als hätte jemand das Flutlicht doppelt aufgedreht. Trainer Horst Zachary von den Flevo Boys schüttelte auf der Bank nur den Kopf und rief seinem Team zu: "Ruhig bleiben, Jungs, wir sind nicht hier, um Karaoke zu machen!" - was auf der Pressetribüne für einiges Schmunzeln sorgte. Nach dem Seitenwechsel startete Sneek furios. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff traf Stille Dirk (47.) nach einer butterweichen Flanke von Jan Groot zum 2:2-Ausgleich. Der Jubel war ohrenbetäubend, und kurz schien alles möglich. Doch die Flevo Boys hatten keine Lust auf Romantik. Drei Minuten später, in der 50. Minute, stellte Nelio Teixeira den alten Abstand wieder her, nach Vorarbeit des umtriebigen Kuqi. Es war ein Treffer aus dem Lehrbuch: präzise, überlegt, eiskalt. "Wir haben kurz vergessen, dass Fußball auch Verteidigen heißt", kommentierte Sneeks Trainer später mit bitterem Lächeln. Von da an übernahm Flevo wieder komplett das Kommando. Mit 18 Torschüssen gegenüber Sneeks 9 unterstrichen die Gäste ihre Dominanz eindrucksvoll. Der Ballbesitz sprach mit 55 Prozent ebenfalls für die Boys, die das Spiel kontrollierten, als würden sie im eigenen Wohnzimmer kicken. Der endgültige Knock-out kam in der 69. Minute: Nelson Morte traf nach einem Pass von Innenverteidiger Luca Cleto zum 4:2. Ein Tor, das so elegant war, dass selbst einige Sneeker Fans anerkennend nickten. Pietro Albanese holte sich später noch eine Gelbe Karte (72.) - vielleicht, um nicht völlig unbemerkt geblieben zu sein. "Das war keine Absicht, nur Leidenschaft", erklärte er lachend, während Trainer Zachary daneben die Stirn rieb. Nach dem Schlusspfiff stand auf der Anzeigetafel ein klares 2:4. Die Flevo Boys jubelten im Kreis, während Sneek-Spielmacher Doreste noch lange auf den Rasen starrte. "Wir haben offensiv gespielt, aber sie waren einfach cleverer", fasste er zusammen. Tatsächlich blieb ONS trotz offensiver Ausrichtung (die Taktik war durchgehend auf Angriff eingestellt) ohne die nötige Durchschlagskraft. Trainer Zachary dagegen war voll des Lobes für seine Truppe: "Wir haben ruhig gespielt, nie die Balance verloren. So gewinnt man auch auswärts." Dann grinste er und fügte hinzu: "Und wenn Rodrigo nicht so viel Kaffee getrunken hätte, wären’s vielleicht noch zwei Tore mehr geworden." Ein Reporter fragte Buckhout, ob Sneek sich nun Sorgen um die Tabelle machen müsse. "Sorgen? Nein. Aber Aspirin nach so einem Spiel? Auf jeden Fall", antwortete der Stürmer trocken. So blieb den 16.000 Zuschauern am Ende ein munteres, teils chaotisches, aber hochklassiges Spiel mit sechs Toren, viel Tempo und einem klar besseren Gast. Die Flevo Boys tanzen weiter oben mit - und ONS Sneek muss sich fragen, warum man zu Hause zwar offensiv, aber nicht erfolgreich spielt. Vielleicht, so meinte ein älterer Fan beim Hinausgehen, "sollten sie mal weniger offensiv und mehr effizient sein. Oder einfach die Flevo Boys verpflichten." Ein sarkastisches, aber nicht ganz unpassendes Schlusswort nach einem Abend, an dem die Gäste aus Emmeloord bewiesen: Man kann auch mit Stil gewinnen - und mit vier Toren sowieso. 02.06.643993 12:25 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum