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Ein nasskalter Dienstagabend in Flint, 20:30 Uhr, Flutlicht, 22.115 Zuschauer mit heißem Tee in der Hand - und alle fragten sich: Wird das endlich der Abend, an dem die Silkmen das Glück erzwingen? Am Ende stand ein 1:1 gegen den FC New Saints, ein Ergebnis, das so gerecht war wie ein britischer Linienrichter - also halbwegs. Die Partie begann mit einem Donnerschlag: Schon in der 13. Minute traf Henry Cort für die Gäste. Der 32-jährige Routinier vom rechten Flügel, der aussieht, als käme er gerade aus einem Werbespot für Bartöl, verwandelte eiskalt nach einer butterweichen Flanke von Freddie Edgecomb. Flint-Keeper Reece Mayhew streckte sich heldenhaft, aber der Ball zischte vorbei - 0:1. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", murmelte Mayhew später, "und vielleicht auch den Ball. Und Cort sowieso." Die Silkmen ließen sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Trainer Lasse Reden, mit verschränkten Armen und der Aura eines Mannes, der lieber Kaffee als Worte verschwendet, brüllte kurz "Über die Flügel!", und tatsächlich: Flint verlagerte das Spiel. Mit 62 Prozent Ballbesitz und 12 Abschlüssen zeigten sie, dass Kurzpassspiel mehr sein kann als eine PowerPoint-Folie im Taktikseminar. Rafael Reiter, der 29-jährige Dauerläufer auf rechts, hatte an diesem Abend Feuer in den Stutzen. Schon in der 21. Minute prüfte er Saints-Keeper Isaac Featherstone mit einem Strahl aus 18 Metern. Doch der alte Fuchs im Tor, 34 und mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat, lenkte den Ball über die Latte. Kurz vor der Pause dann die Szene des Abends: Jacques Abrial, der zentrale Denker im Silkmen-Mittelfeld, chipte den Ball in den Strafraum, Reiter nahm ihn volley - und diesmal schlug er ein wie ein verspäteter Silvesterknaller. 1:1 in der 45. Minute, das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Reiter später. "Der Ball wollte rein, und ich wollte auch." Die zweite Halbzeit begann mit einem personellen Großreinemachen bei den Gästen: Gleich drei Wechsel in der 50. Minute - neuer Torwart, frische Flügel, junge Beine. Trainer Mahoni Meloni erklärte nach dem Spiel: "Wir wollten Energie bringen. Und vielleicht auch Sauerstoff." Tatsächlich erzielten die New Saints wieder mehr Zug zum Tor. Joel Kinmont, der Mittelstürmer mit der Statur eines Rugbyspielers, hatte in der 75. und 83. Minute gleich zwei dicke Chancen, doch Mayhew parierte glänzend. Dazwischen gab’s eine Schrecksekunde: Der 20-jährige Leo Satchmore verletzte sich in der 70. Minute bei einem Sprintduell, musste ausgewechselt werden. "Er ist jung, der wächst das raus", meinte Meloni trocken. Flint wiederum spielte weiter, als gäbe es für Ecken Prämien. 18-Jährige wie Njazi Koppinen und Lucas Almond wirbelten, als wollten sie ihren eigenen Wikipedia-Eintrag erzwingen. Reiter blieb der auffälligste Mann auf dem Platz - ein Dauerläufer, Balljäger, Anpeitscher. Als er in der 85. Minute noch einmal aus spitzem Winkel abzog, hielt der neue Saints-Keeper Theo Prinsloo gerade so. Die letzten Minuten gehörten der Spannung. 13 zu 12 Torschüsse, 50:50 in Zweikämpfen - ein Lehrbuch für Gleichgewicht, wenn auch nicht für Effizienz. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Flint durch. "Ein Punkt, der sich anfühlt wie zwei", sagte Trainer Reden, der sonst nicht für Pathos bekannt ist. Meloni dagegen schnaufte: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Hat nur der Ball nicht verstanden." Am Ende blieb es beim 1:1 - einem Ergebnis, das den Charakter des Spiels perfekt einfing: engagiert, wild, manchmal unkoordiniert, aber ehrlich. Und ehrlich gesagt: Wer an diesem Abend frierend auf den Tribünen stand, bekam mehr Unterhaltung als in so mancher Premier-League-Partie. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann wenigstens nicht langweilig." Und das, liebe Silkmen, ist ja auch eine Art Sieg. 28.03.643987 12:03 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt