Tuttosport
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Florenz siegt knapp - Pauleta schießt Como ins Sommerloch

Ein warmer Juliabend am Comer See, 37.147 Zuschauer, ein laues Lüftchen und ein Spiel, das zunächst roch wie ein müder Sommerkick - doch dann kam Ingo Pauleta. Der rechte Verteidiger des SC Florenz, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Torabschlüsse bekannt, entschied am 34. Spieltag der 1. Liga Italien mit einem satten Schuss in der 53. Minute das Spiel zugunsten der Gäste. 0:1 hieß es am Ende, und Como konnte trotz 54 Prozent Ballbesitz und einiger beherzter Angriffe nichts Zählbares auf die Anzeige bringen.

Dabei hatte die Partie durchaus ihren Unterhaltungswert. Schon in der ersten Minute setzte Florenz ein Zeichen - allerdings in Gelb. Ingo Pauleta sah bereits nach 60 Sekunden wegen eines übermotivierten Einsteigens die erste Verwarnung. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", grinste er später in der Mixed Zone, sichtlich erleichtert, dass er am Ende trotzdem der Matchwinner wurde.

Como begann engagiert, suchte über Ivan Jertec und Yaman Öztürk den Weg nach vorn. Zwei frühe Abschlüsse (21. und 24. Minute) zwangen den jungen Florenz-Keeper Dejan Bisevac zu Paraden, die man in dieser Liga sonst nur von routinierten Torhütern sieht. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft", sagte der 21-Jährige mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Demut und Schock lag.

Florenz hingegen spielte, wie Trainer Mario Weinzettl es offenbar mag: ruhig, geordnet, mit einem Hauch Zynismus. 17 Torschüsse zeugen von Dominanz im letzten Drittel, auch wenn man bis zur Pause vergeblich auf den Durchbruch wartete. Bruno Vaz, Julian Agirre und Vladimir Mandzukic probierten es aus allen Lagen, doch der Comer Torwart Samuel Hiliard wuchs ein ums andere Mal über sich hinaus.

"Ich dachte schon, ich müsste heute Abend Flügel wachsen lassen", scherzte Hiliard nach dem Spiel, "aber irgendwann wurde es einfach zu viel."

Das Tor fiel dann in typischer Florenz-Manier: kein Zauber, keine Magie, sondern Effizienz pur. In der 53. Minute setzte Rene Anderson zu einem seiner berüchtigten klugen Pässe an, und Ingo Pauleta - ja, der mit der frühen Gelben - tauchte plötzlich im Strafraum auf. Mit rechts, flach, unhaltbar. 0:1. Der Rest war ein Lehrstück in italienischer Ergebnisverwaltung.

Weinzettl, in der Coaching-Zone stets zwischen Ruhepol und Vulkanausbruch, zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden: "Wir wollten Geduld haben. Wenn du 17 Mal aufs Tor schießt, darfst du irgendwann auch mal treffen. Und wenn’s der Rechtsverteidiger macht, ist das halt Fußballpoesie."

Como versuchte in der Schlussphase alles, brachte die jungen Beltrame und Luzzi in aussichtsreiche Positionen, doch Präzision und Fortune fehlten. Yaman Öztürk kassierte in der 90. Minute noch Gelb - eine Szene, die sinnbildlich für die Frustration der Hausherren stand. "Wir haben das Spiel gemacht, aber nicht das Tor", knurrte Kapitän Esteban Ibano, der ebenfalls früh verwarnt worden war.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Florenz mit 17 Torschüssen deutlich gefährlicher, Como zwar mit mehr Ballbesitz, aber ohne Durchschlagskraft. Auch in den Zweikämpfen lag Florenz knapp vorn (53,7 Prozent gewonnene Duelle). Das taktische Konzept beider Teams blieb über 90 Minuten erstaunlich konstant: beide ausgewogen, beide ohne nennenswertes Pressing - eben ein Spiel für Feinschmecker der kontrollierten Langeweile.

In der 70. Minute wechselte Weinzettl gleich dreifach: Fergusson, Gage und Moutinho kamen - frisches Blut, frische Beine, frische Gelbe Karten blieben allerdings aus. Como hingegen versuchte durch jugendlichen Elan den Rückstand zu drehen, doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz.

Als der Schlusspfiff ertönte, war der Applaus im Stadio Giuseppe Sinigaglia höflich, aber verhalten. Die Fans wussten, dass sie ein ordentliches Spiel gesehen hatten - nur eben ohne Happy End.

"Wir fahren mit drei Punkten und einem Lächeln nach Hause", sagte Florenz-Coach Weinzettl, "und ich hoffe, Pauleta denkt jetzt öfter daran, dass man nicht nur Gelb, sondern auch Gold wert sein kann."

Ein Satz, den man sich in Como vielleicht in die Kabine hängen sollte - als Erinnerung daran, dass Ballbesitz zwar schön ist, Tore aber schöner sind.

Und am Comer See? Da rauschte nach dem Spiel nur noch der Wind durch die Tribünen - und irgendwo, ganz leise, klang es, als hätte der Fußball gerade ein weiteres kleines Kapitel seiner Ironie geschrieben.

04.02.644006 06:31
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