Anpfiff
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Fontās trifft, Henrico kontert - Drochtersen und Linx teilen sich die Punkte

Ein kühler Aprilabend, Flutlicht über dem Drochterser Stadion, 3.424 Zuschauer mit dicker Jacke und doppeltem Schal - und am Ende ein 1:1, das sich irgendwie nach allem und nichts anfühlte. Der SV Drochtersen und der SV Linx trennten sich am 23. Spieltag der Regionalliga A nach 90 intensiven Minuten mit einem Remis, das beiden Trainern Falten, den Fans aber immerhin Gesprächsstoff bescherte.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite: Schon in der ersten Minute prüfte Linx’ junger Stürmer Detlev Miller Drochtersens Keeper Herbert Hess gleich zweimal hintereinander. Der hatte offenbar noch den Kaffee in der Hand, kratzte den Ball aber irgendwie aus der Ecke. "Ich hab ihn nur irgendwie gespürt", grinste Hess später. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass sein Körperteil zwischen Linx und der Führung stand.

Drochtersen versuchte zunächst, Ruhe ins Spiel zu bringen. Ein bisschen Ballbesitz hier, ein paar Sicherheits­pässe dort - 55 Prozent Ballbesitz sprechen für die Taktik von Trainer Tobias Schultz, aber nicht unbedingt für deren Unterhaltungswert. Linx dagegen spielte mutiger, schoss insgesamt 18-mal aufs Tor, aber meistens so, dass der Ball irgendwo zwischen Tribüne und Parkplatz landete.

Bis zur 43. Minute war das Spiel ein Lehrfilm über verpasste Gelegenheiten. Dann kam der Moment des erfahrenen Argentiniers Ezequiel Fontàs. Nach feinem Zuspiel von Jerome Longfellow schlenzte er den Ball elegant über Linx-Torwart Thomas Dietz hinweg ins Netz - 1:0, und das Stadion erwachte aus seiner Frühlingsmüdigkeit. "Jerome hat mir den Ball so serviert, ich musste nur noch den Fuß schön halten", erklärte Fontàs später und zwinkerte Richtung Presseblock.

Mit der Führung im Rücken ging Drochtersen in die Pause - und offenbar auch in den Energiesparmodus. Linx hingegen kam wie ausgewechselt aus der Kabine. Trainer Michal Dickschat hatte seine Jungs auf Offensive umgestellt, und das merkte man: Angriffswelle um Angriffswelle rollte auf das Drochterser Tor. "Ich hab in der Halbzeit gesagt: Wenn wir schon hier sind, können wir auch Fußball spielen", verriet Dickschat trocken.

In der 73. Minute fiel dann die logische Konsequenz: Fabian Kopp setzte sich im Mittelfeld durch, steckte präzise auf Eduardo Henrico durch, und der 20-jährige Brasilianer blieb eiskalt - 1:1. Während die Linxer Bank jubelte, trommelte Trainer Schultz genervt gegen seine Trinkflasche. "Das war zu absehbar, wir standen da wie bei der Dorfkirmes", knurrte er später.

Nach dem Ausgleich entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Joan Bosingwa prüfte Linx’ Dietz kurz nach dem Gegentreffer mit einem Flatterball, Henrico hatte auf der Gegenseite fast den Doppelschlag auf dem Fuß. Es war ein Spiel, das sich anfühlte, als wollten beide Teams gewinnen - aber keins wusste genau wie.

In der Schlussphase versuchte Linx alles: Dickschat brachte den erfahrenen Bernt Kühne, der prompt zwei gefährliche Schüsse abgab. Drochtersen verteidigte mit allem, was Beine hatte, und wenn nichts mehr half, dann half Hess. In der 91. Minute lenkte er einen strammen Schuss von Kopp über die Latte, als würde er das täglich im Garten üben. "Ich hatte kurz überlegt, den Ball einfach zu fangen - aber sicher ist sicher", lachte der Keeper.

Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und beide Teams wussten nicht so recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollten. Linx hatte mehr Chancen (18:6 Torschüsse) und die bessere Zweikampfquote (56 Prozent), Drochtersen dafür die etwas ruhigere Kugel. Am Ende war das Unentschieden so gerecht wie ein Münzwurf.

Trainer Schultz versuchte es nach dem Spiel mit Humor: "Immerhin haben wir nicht verloren - das ist ja auch eine Art Sieg." Dickschat konterte charmant: "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir bald auch mal."

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Teams mit gemischtem Applaus und leichtem Schulterzucken. Ein Spiel, das keine großen Sieger kannte, aber viele kleine Geschichten erzählte - von einem alten Fuchs namens Fontàs, einem jungen Brasilianer namens Henrico und einem Torwart, der sich an diesem Abend wie eine Mischung aus Katze und Betonwand fühlte.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein Fan trocken: "Wenn die so weitermachen, haben wir wenigstens keine Langeweile mehr." Ganz unrecht hatte er nicht.

11.10.643996 06:06
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Wenn ich den Fans den Stinkefinger zeige, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. Das macht mich richtig geil auf das Spiel.
Mario Basler
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