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Es war ein klarer, kühler Abend im City Ground, und die 12.500 Zuschauer bekamen genau das, was sie wollten: beherzten Fußball, zwei Tore und ein Team, das sich endlich für seine Angriffslust belohnte. Nottingham Foresters besiegten den Wimbledon FC am 7. Spieltag der 2. Liga England mit 2:0 (1:0) - ein Ergebnis, das deutlicher war, als es die nüchternen Ballbesitzzahlen vermuten lassen (51,5 zu 48,5 Prozent). Von Beginn an machten die Männer von Trainer Leon Löwe klar, dass sie den Ball lieber im gegnerischen Strafraum als im eigenen Halbfeld sehen. Schon in der ersten Minute prüfte Michael Lansbury Wimbledons Keeper Inigo Ramirez mit einem satten Distanzschuss. "Ich wollte einfach mal schauen, ob der heute wach ist", grinste Lansbury später. Ramirez war es - zumindest da noch. Es folgte eine Angriffswelle, die Wimbledon kaum überstand. Max Prentiss, der 23-jährige Mittelstürmer der Foresters, hatte in der Anfangsphase mehr Abschlüsse als die Gäste im ganzen Spiel. Erst in der 17. Minute traf er dann endlich - und wie. Nach Vorbereitung von Henry Winston, der sich auf rechts durchtankte, drosch Prentiss den Ball humorlos ins linke Eck. 1:0, und die Tribünen bebten. "Ich hab’ einfach den Fuß hingehalten", sagte Prentiss hinterher bescheiden, während Winston lachend ergänzte: "Ja, und ich hab’ vorher den halben Flügel umgepflügt." Wimbledon versuchte es danach mit kontrolliertem Aufbau, aber was hilft Ballbesitz, wenn man die Kugel spätestens am Strafraum wieder verliert? Ihre drei Torschüsse - ja, ganze drei - entsprachen eher statistischer Kosmetik als echter Gefahr. Einzig Dawid Baszczynski, der unermüdlich vorne anlief, zwang Foresters-Keeper Tyler Hardin zweimal zu beherzten Paraden. Hardin blieb am Ende einer der ruhigeren Männer des Abends. "Ich hatte Zeit, mir den Mondaufgang anzuschauen", witzelte er nach Abpfiff. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Nottingham druckvoll, Wimbledon defensiv überfordert. In der 49. Minute war es dann Callum McGowan, der nach einem Abpraller aus 16 Metern Maß nahm und den Ball humorlos unter die Latte jagte - 2:0, Vorhang zu. Danach wurde es ein Spiel der verpassten Gelegenheiten. Lucas Bloomfield und Henry Winston hätten das Ergebnis höher schrauben können, aber entweder fehlten Zentimeter oder Ramirez’ Handschuhe. Trainer Löwe zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben gut gespielt, aber 16 Torschüsse müssen eigentlich für mehr als zwei Tore reichen. Vielleicht üben wir nächste Woche das Zielen, nicht nur das Schießen." Seine Mannschaft spielte durchgehend offensiv - laut Taktikdaten mit Ausrichtung "OFFENSIVE" und "BALANCED" im Angriff -, während Wimbledon unter Coach (dessen Name in den offiziellen Unterlagen erstaunlicherweise fehlte) auf "BALANCED" setzte, was sich eher wie "passiv" las. Wimbledons Mittelfeldmann Bradley Devaney fasste die Frustration zusammen: "Die haben uns überrannt. Wir waren wie ein Auto mit angezogener Handbremse." Tatsächlich wirkte die Mannschaft oft so, als spiele sie auf Zeit - nur leider nicht auf ihre. Statistisch war das Spiel einseitig: 16 zu 3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Nottingham, und eine Stimmung im Stadion, die eher an einen Pokalabend erinnerte. Selbst der Stadionsprecher hatte Mühe, den Enthusiasmus zu zügeln. "Wenn die so weitermachen, brauchen wir bald größere Lautsprecher", soll er in der Pause gesagt haben. In den letzten Minuten versuchte Wimbledon noch einmal, den Anschluss zu erzwingen, doch die Foresters blieben souverän. Lucas Bloomfield sorgte mit zwei späten Abschlüssen (81. und 89. Minute) für den Schlusspunkt eines Abends, der mehr nach Aufstieg als nach Mittelmaß roch. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause dominieren können", sagte Löwe. "Heute haben wir’s getan. Und wenn wir das nächste Mal noch etwas effizienter sind, wird’s für die Gegner ungemütlich." Unterm Strich war es ein verdienter Sieg einer Mannschaft, die endlich ihr volles Potenzial zeigte - und eines Gegners, der in Nottingham wohl lieber den Rückflug als den Rückpass suchte. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn das die Foresters jeden Samstag so machen, kauf ich mir ’ne Dauerkarte - und ’ne Hupe dazu!" 07.04.643987 23:07 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel