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Wenn man in Nottingham derzeit über Fußball spricht, dann mit einem breiten Grinsen. Die Foresters haben am Freitagabend Macclesfield Town im heimischen City Ground mit 4:2 (2:0) abgefertigt - und das auf eine Art, die man eher aus einem launigen Fußballmärchen kennt als aus der nüchternen 2. Liga England. 12.500 Zuschauer erlebten ein Spiel, das schon nach vier Minuten praktisch entschieden war - zumindest dachten das alle, außer vielleicht die Gäste. "Ich hatte kaum meinen Mantel ausgezogen, da stand’s schon 2:0", lachte Trainer Leon Löwe später. Und er übertrieb nicht: In der 2. Minute ballerte Paulo Rielo nach einer Ecke von Juan Herrera den Ball wuchtig ins Netz. Zwei Minuten später tanzte Damian del Rio durch die Abwehrreihe der Gäste, als hätte er sie auf Rollschuhen erwischt, und erhöhte auf 2:0. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Löwe trocken. "Dass das so wörtlich genommen wird, überrascht mich immer wieder." Macclesfield wirkte in dieser Anfangsphase, als sei das Team noch mit dem Navi auf der Suche nach dem Stadion. Erst nach einer Viertelstunde fanden sie überhaupt so etwas wie Struktur, doch dann zeichnete sich bereits ab, dass Nottingham heute in Spiellaune war. 17 Torschüsse am Ende, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das war eine klare Ansage. Macclesfield-Trainer (der Name blieb wie üblich diskret im Hintergrund) versuchte es nach dem Spiel mit Galgenhumor: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber offenbar hat der Ball sich auf der falschen Seite wohler gefühlt." Tatsächlich: 51 Prozent der Zeit war die Kugel bei den Gästen, doch Torgefahr blieb Mangelware - ganze drei Schüsse aufs Tor sprechen Bände. Nach der Pause hofften die Gäste auf ein Lebenszeichen. Stattdessen legten die Foresters in der 48. Minute nach. Marcos Chalana, der schon vorher wie ein Wirbelwind über die rechte Seite fegte, traf nach schöner Vorarbeit von Altmeister Herrera - der 34-Jährige schien an diesem Abend die ganze rechte Flanke zu kontrollieren. "Ich wollte eigentlich gar nicht flanken", grinste Herrera nachher, "aber dann sah ich Marcos’ Frisur im Strafraum und dachte: Der braucht den Ball!" Zwei Minuten später - das Spiel stand 3:0 - kam zumindest kurzfristig Spannung auf: Thomas Mills traf für Macclesfield nach feiner Vorarbeit von Kai Haddock. Hoffnung keimte auf, kurz, zart, wie ein Schneeglöckchen im Januar - und welkte genauso schnell wieder. Nottingham hatte zwar nur 48 Prozent Ballbesitz, dafür aber 100 Prozent Spielfreude. Rund um die 75. Minute wechselte Löwe clever: Der junge Luke Gady kam, später Ellis Callahan und mit gerade einmal 17 Jahren Andrew Hensley. Und der Teenager machte, was Teenager eben machen, wenn sie aufgeregt sind - er schoss einfach drauf. Gleich zwei Mal prüfte er den Keeper, und in der Nachspielzeit (93.) war er dann sogar beteiligt, als Chalana zum zweiten Mal traf. Dieses 4:1 war die endgültige Entscheidung - auch wenn Macclesfield in der 94. Minute durch Mihaly Konrad noch ein wenig Ergebniskosmetik betrieb. "Ich wollte einfach noch einmal jubeln", gab Chalana zu, "und Luke Gady hat mir den Ball so perfekt hingelegt, dass ich gar nicht anders konnte." Löwe stand daneben, grinste und murmelte: "Wenn das so weitergeht, muss ich bald Eintritt zahlen, um mein eigenes Team zu sehen." Die gelben Karten - Filip Johansson (9.) für Nottingham sowie Ethan Grantham (54.) und der 42-jährige Wolfgang Fleischer (90.) für Macclesfield - passten ins Bild: Es war ein intensives, aber faires Spiel. Fleischer, der älteste Mann auf dem Platz, schien seine Verwarnung sogar als Souvenir zu betrachten. "Mit 42 bekommst du nicht mehr viele Erinnerungsstücke aus der 2. Liga", witzelte er beim Abgang. Statistisch gesehen war Macclesfield gar nicht so schlecht: mehr Ballbesitz, diszipliniertes Passspiel - aber ohne Mut zum Risiko. Nottingham dagegen spielte mit offenem Visier, offensiver Ausrichtung und jeder Menge Herz. Pressing? Nur "bei Bedarf", wie Löwe es nannte - offenbar reichte schon die pure Spielfreude. Als die Fans nach Abpfiff sangen (nicht zitierbar, aber laut und fröhlich), nickte Löwe zufrieden. "So darf ein Freitagabend gern enden", sagte er, während Chalana noch Selfies mit Ballkindern machte und Paulo Rielo versuchte, seine Schuhe zurückzuerobern, die jemand als Andenken geklaut hatte. Und so ging ein Abend zu Ende, der für Nottingham Foresters fast schon märchenhaft verlief: vier Tore, drei Torschützen, zwei Gegentore, ein Grinsen, das bis Montag halten dürfte. Macclesfield dagegen wird sich fragen, wie man mit 51 Prozent Ballbesitz so wenig anfangen kann. Vielleicht hilft ein Blick auf die Anzeigetafel: 4:2 - und das sagt eigentlich alles. 11.07.643987 17:47 |
Sprücheklopfer
Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.
Lothar Matthäus