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Es war ein lauer Sommerabend in Montevideo, aber die 41.046 Zuschauer im Estadio Jardines del Hipódromo waren schon nach fünf Minuten hellwach. Mateo Estevo, eigentlich Rechtsverteidiger und sonst mehr für rustikale Grätschen als filigrane Abschlüsse bekannt, traf nach einem feinen Pass von Adriano de Vivar zum 1:0 für Franja Danubio. "Ich hab einfach mal draufgehalten - und plötzlich war der Ball drin", grinste Estevo nach Spielende. Trainer Diego Cristilli kommentierte trocken: "Wenn der Mateo öfter so schießt, muss ich ihm wohl eine Prämie für jeden Versuch zahlen." Danubio hatte den besseren Start, doch Athletic Maldonado - gecoacht vom niederländischen Routinier Huub Stevens - zeigte sich unbeeindruckt. Domingo Jordao, der bullige Mittelstürmer mit der Anmut eines Betonmischers, prüfte Torhüter Fernando Costa gleich dreimal in der ersten Viertelstunde. Costa hielt, manchmal spektakulär, manchmal schlicht mit der Brust - Hauptsache, der Ball blieb draußen. Nach dem frühen Rückstand entwickelte sich eine Partie, die man getrost als "uruguayisch balanciert" bezeichnen durfte: 50,7 Prozent Ballbesitz für Danubio, 49,3 für Maldonado, 18 zu 16 Torschüsse - Statistiken, die klingen, als hätte ein Computer den Unentschieden-Knopf gedrückt. Doch Fußball ist kein Excel-Sheet. Stevens’ Team spielte offensiv, fast trotzig. "Wir wollten das Spiel drehen, nicht verwalten", erklärte er später. Ein Plan, der kurz nach der Pause aufzugehen schien. In der 50. Minute steckte Vitorino Gonçalves einen Zuckerpass durch die Schnittstelle, Jordao blieb cool und schob zum 1:1 ein. Die Maldonado-Bank sprang auf, Stevens ballte die Faust - und irgendwo in der Pressetribüne schrieb schon jemand "Wende perfekt" in sein Notizbuch. Doch nur drei Minuten später zerknüllte Hugo Galvão diesen Satz wieder. Der flinke Linksaußen nutzte eine Unachtsamkeit in der Maldonado-Defensive, zog nach innen und traf mit links ins lange Eck. 2:1, das Stadion tobte. "Ich hab gesehen, dass der Keeper einen Schritt zu früh machte - da musst du einfach schießen", sagte Galvão später mit dem Selbstverständnis eines Mannes, der genau weiß, wie sich ein gut getroffener Ball anfühlt. Und Galvão hatte noch nicht genug. In der 58. Minute bediente ihn Felipe Guillen mit einer butterweichen Flanke, Galvão nickte ein - 3:1. Maldonado wirkte konsterniert, Stevens raufte sich die Haare, und Torhüter Petri Ylönen schaute dem Ball nur noch hinterher. "Da war die Luft raus", bekannte der Finne ehrlich. Danach wurde es hitziger. Innenverteidiger Felix Rieger sah Gelb, weil er Jordao kurzerhand in die Werbebande schob ("Er ist halt schwer zu bremsen", grinste Rieger). Maldonado brachte frisches Blut: David Pena kam für Ezequiel Futre, später durfte auch der junge Jaime Eusebio ran. Huub Stevens peitschte seine Männer nach vorn, aber Danubio verteidigte mit galliger Entschlossenheit und einer Prise Zynismus. In der Schlussphase sorgte ein Zusammenprall zwischen Shefki Sainio und Tiago Vaz kurz für Schockmomente - Sainio musste verletzt vom Platz, glücklicherweise ohne ernste Folgen. Währenddessen nutzte Cristilli die Führung für einige taktische Spielchen: Patrick Sanci kam in der Nachspielzeit, offenbar um die Uhr ein wenig zu streicheln. "Wir wollten Ruhe reinbringen", erklärte Cristilli später mit einem Augenzwinkern. "Und Patrick ist ein Meister im Zeitmanagement." Die letzten Minuten verstrichen ohne weitere Treffer, aber nicht ohne Emotionen. Die Fans sangen, die Ersatzbank jubelte, und selbst der Stadionsprecher klang, als hätte er gerade das Finale gewonnen. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Erfolg für Franja Danubio, der in seiner Mischung aus Effektivität und Spielfreude fast europäisch wirkte. Maldonado hingegen bleibt ein Team, das viel zeigt, aber zu wenig belohnt wird. "Wir spielen gut, aber gut spielen bringt keine Punkte", murmelte Stevens in die Mikrofone, bevor er Richtung Kabine verschwand. Und tatsächlich: Drei Tore für die Gastgeber, zwei Assists über die linke Seite, ein Verteidiger als Torschütze und ein Publikum, das jede Szene feierte, als ginge es um den Titel - Danubio lebt Fußball mit Leidenschaft. Vielleicht war es nicht das taktisch perfekteste Spiel, aber sicher eines der unterhaltsameren dieses achten Spieltags der 1. Liga Uruguay. Oder, wie Galvão es lachend formulierte: "Wenn wir so weitermachen, muss selbst der Trainer Eintritt zahlen." So klang der Abend aus, irgendwo zwischen Samba und Staub, Jubel und Gelb - und das Publikum ging nach Hause mit dem Gefühl, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf. 21.04.643987 15:30 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner