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Ein Montagabend in Frankfurt, Flutlicht, 6.047 Zuschauer mit Schal und Bratwurst in der Hand - und ein Spiel, das zwar nicht die Ästhetik eines Champions-League-Finales besaß, aber immerhin jene Dramatik, die Regionalliga-Fußball so liebenswert macht. Der FSV Frankfurt besiegt TuS Ennepetal mit 2:1 (1:1) und klettert mit diesem Arbeitssieg weiter in den oberen Tabellenbereich. Dabei begann alles, als wolle Ennepetal den Hausherren den Spaß verderben. Die Gäste, von Trainerin Ursula Lappe defensiv eingestellt, überließen Frankfurt den Ball - oder besser gesagt: das Gefühl, ihn zu haben. Tatsächlich lag der Ballbesitz mit 55 Prozent auf Seiten der Ennepetaler, die geduldig auf Konter lauerten. "Wir wollten sie einlullen", erklärte Lappe nach dem Spiel mit einem Lächeln, "aber offenbar haben sie sich lieber selbst geweckt." In der 17. Minute nämlich klingelte es zum ersten Mal: Christopher Young, der Frankfurter Linksaußen mit dem Tempo eines ICE und der Zielstrebigkeit eines Paketboten kurz vor Feierabend, traf nach Vorarbeit von Innenverteidiger Yannick Bertram zum 1:0. Das Stadion jubelte, Trainerin Simone Niruak riss die Arme hoch - und murmelte nach eigener Aussage: "Na endlich, wir treffen mal, bevor der Schiedsrichter Kaffee bestellen muss." Doch wer glaubte, dass Ennepetal sich nun ergeben würde, kannte die jungen Wilden von der Ruhr nicht. Nur elf Minuten später antwortete der 19-jährige Marwin Baumann, der linke Mittelfeldspieler mit dem Mut zum Risiko und dem Schuss wie aus dem Physikbuch. Nach Zuspiel von Alrik Carlsen zog er aus 18 Metern ab - unhaltbar, 1:1. Der Frankfurter Torwart Francesco Calopezzati streckte sich vergeblich. "Ich hab ihn spät gesehen", sagte er später, "und selbst wenn ich ihn gesehen hätte - viel Spaß an alle, die den halten wollen." Das Spiel blieb danach offen, aber Frankfurt hatte die klareren Chancen: 19 Torschüsse gegenüber sechs der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Besonders Young und der flinke Knud Krauss beschäftigten die Ennepetaler Defensive permanent. Dass es zur Pause trotzdem 1:1 stand, lag an TuS-Torhüter Antonio Oliveira, der mehrfach glänzend reagierte - und einmal sogar nach einem Krauss-Schuss mit dem Gesicht parierte. "Ich hatte keine Zeit, nachzudenken", grinste der Portugiese, "manchmal ist Dummheit der beste Reflex." Die zweite Hälfte begann mit einem personellen Wechsel auf Seiten der Frankfurter: Tiago Hermenegildo kam für Young, und der Neuling versuchte sofort, sich in Szene zu setzen - sein Distanzschuss in der 61. Minute rauschte nur knapp vorbei. Während Ennepetal weiter auf Konter spekulierte, wurde Frankfurt geduldiger, fast philosophisch. Tomas Klaus, der zentrale Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Schachspielers, zog die Fäden - und sollte schließlich zum Helden werden. In der 74. Minute, als viele schon an das Unentschieden glaubten, zirkelte Klaus nach einem Eckball, den Arnau Domingo kunstvoll verlängerte, den Ball aus der Drehung ins lange Eck. 2:1, und diesmal jubelte sogar der sonst so stoische Bertram mit einem Sprung, der jedem Basketballer Ehre gemacht hätte. "Ich wusste, wenn ich den Ball nicht treffe, krieg ich von Simone was zu hören", lachte Klaus später. Trainerin Niruak nickte nur trocken: "Er hat recht." Ennepetal warf in der Schlussphase noch einmal alles nach vorn, aber außer einem harmlosen Schuss von Michel Benayoun in der 78. Minute sprang nichts Zählbares heraus. Frankfurt verteidigte mit allem, was Beine hatte - und mit der unaufgeregten Gelassenheit eines Teams, das wusste: Heute passiert uns nichts mehr. Am Ende stand ein verdienter, wenn auch hart erarbeiteter Heimsieg. TuS Ennepetal konnte mit erhobenem Haupt abreisen - die junge Mannschaft hatte sich teuer verkauft, auch wenn sie am Ende mit leeren Händen dastand. "So ist Fußball", seufzte Lappe. "Mal trifft man, mal trifft’s einen." Und Frankfurt? Feierte sich und seine neue Effizienz. 44 Prozent Ballbesitz, aber zwei Tore - Mathematiker würden sagen: maximale Ausbeute. "Wir haben gelernt, mit weniger mehr zu machen", meinte Niruak. Dann lachte sie und fügte hinzu: "Vielleicht sollten wir das mal im Training mit dem Laufen ausprobieren." Ein Abend also, der alles hatte: Tore, Spannung, Schweiß - und den Beweis, dass Regionalliga-Fußball manchmal ehrlicher ist als alles, was im Fernsehen läuft. 15.05.643987 03:20 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath