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5000 Zuschauer im Fürstenwalder Stadion hatten sich auf einen gemütlichen Fußballabend eingestellt - Flutlicht, Bratwurst, Regionalliga-Romantik. Am Ende gingen sie mit hängenden Schultern nach Hause. Denn ausgerechnet in der 79. Minute zerstörte Theo Fraser von der SSVg Velbert die heimische Stimmung mit einem trockenen Flachschuss zum 0:1-Endstand. Es war das Tor des Abends - und das einzige. Dabei hatte Fürstenwalde zu Beginn gar nicht so übel mitgespielt. Schon nach einer Minute zog Eskil Gudjohnsen beherzt ab, doch Velberts Keeper Dimas Bischoff fischte den Ball mit einer Lässigkeit aus der Luft, als würde er in der Trainingspause ein paar Flanken fangen. Trainer Jannik Schramm klatschte trotzdem zufrieden: "So will ich das sehen! Mutig raus, Jungs!" Nur - das war’s dann auch fast schon mit der Offensive. Velbert übernahm schnell das Kommando. Schon nach drei Minuten prüfte Christo Boschinow den Fürstenwalder Torhüter Ralph König, der an diesem Abend seinem Namen alle Ehre machte. Immer wieder parierte er Schüsse, die von allen Seiten auf ihn einprasselten - 19 an der Zahl, laut Statistik. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", lachte König später. "Ich dachte schon, die haben sich vorgenommen, mich zum Torwart des Monats zu schießen." Fürstenwalde kam nur auf magere fünf Torschüsse. Wenn sie mal in Richtung Strafraum kamen, dann meist über Noah Merz oder Joschua Krug, die sich zwar redlich mühten, aber im entscheidenden Moment immer noch ein Velberter Bein dazwischen fanden. Dass die Gäste am Ende 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 56 Prozent hatten, spürte man deutlich: Sie bestimmten Tempo und Rhythmus, während die Gastgeber tapfer hinterherliefen. Die erste Halbzeit war trotzdem torlos, und Fürstenwalde konnte sich mit dem 0:0 zur Pause sogar ein bisschen brüsten. "Wir haben ihnen die Lust genommen", rief Kapitän Björn Ackermann beim Gang in die Kabine - worauf ein Zuschauer trocken anmerkte: "Na, dann gebt sie ihnen in der zweiten wieder zurück, sonst wird’s langweilig." Ganz so langweilig wurde es nicht. Velbert blieb offensiv, fast schon stur. Linksaußen Rene Bettencourt hatte gleich nach dem Seitenwechsel drei gute Gelegenheiten innerhalb von zehn Minuten, schoss aber entweder über das Tor oder genau auf König. Trainer Klaus Bock blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig, nur einmal hörte man ihn murmeln: "Irgendwann muss doch mal einer reingehen." Das "Irgendwann" kam in der 79. Minute. Harvey Kinmont setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte halbhoch in den Rückraum, und Theo Fraser nahm den Ball direkt - zack, 0:1. Keine Chance für König. Der Jubel der rund 150 mitgereisten Velberter Fans war ohrenbetäubend. Fraser selbst grinste nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Fürstenwalde warf in den letzten Minuten alles nach vorne - was in diesem Fall bedeutete, dass die Innenverteidiger plötzlich an der Mittellinie auftauchten. Doch außer einem Schuss von Noah Merz in der 85. Minute, der knapp vorbei rauschte, sprang nichts Zählbares mehr heraus. In der Nachspielzeit wurde es noch einmal turbulent: Velberts Linksverteidiger Vitorino Barros sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot (92.). "Er hat wohl vergessen, dass man bei einer Führung auch mal zurückrudern darf", kommentierte sein Trainer Bock mit einem schiefen Lächeln. Trotz Unterzahl brachte Velbert das Ergebnis über die Zeit. Nach dem Abpfiff wirkte Fürstenwaldes Coach Schramm gefasst: "Wenn du 19 Schüsse zulässt, brauchst du dich über ein Gegentor nicht wundern. Trotzdem: Die Jungs haben gekämpft." Velberts Bock hingegen lobte seine Mannschaft für "Geduld und klare Linie" - und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Und Theo darf ab jetzt ruhig öfter so danebenflanken." So stand am Ende ein verdienter Auswärtssieg für Velbert, der vielleicht knapper ausfiel, als es die Statistik vermuten lässt. Fürstenwalde bleibt das Gefühl, einen Punkt verschenkt zu haben - oder anders gesagt: Sie waren 78 Minuten lang standhaft, aber Fußball dauert bekanntlich 90. Und irgendwo in der Fürstenwalder Kabine summte einer leise: "Nur ein Tor… nur eins", bevor der Rest der Mannschaft müde grinste. Ein bisschen Humor hilft schließlich, wenn der Fußballgott wieder einmal seine eigene Dramaturgie schreibt. 20.12.643987 17:37 |
Sprücheklopfer
Jetzt weiß man, dass Erich Ribbeck wirklich keine Ahnung hat.
Mario Basler nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2000