Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Fritsch trifft spät - Weiler im Allgäu ringt Magdeburg nieder

Es war ein kalter Februarabend im Allgäu, an dem 11.712 Zuschauer im kleinen Stadion von Weiler ihr Kommen nicht bereuten - auch wenn sie bis weit in die Nachspielzeit zittern mussten. Am Ende jubelte die Mannschaft von Trainer Mino Raiola über ein spätes 1:0 gegen Zukunft Magdeburg, erzielt in der 95. Minute von Jannick Fritsch, der sich mit einem beherzten Schuss in die Herzen der Fans katapultierte.

Dabei hatte es lange nicht nach einem Happy End ausgesehen. Beide Teams starteten verhalten, Magdeburg mit mehr Ballbesitz (55 Prozent), Weiler dafür mit deutlich mehr Zug zum Tor - 12:2 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Nur: Der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Schon in der zweiten Minute prüfte Linus Berger den Magdeburger Keeper Predrag Trkulja, der allerdings so sicher hielt, als hätte er Sekundenkleber an den Handschuhen.

"Ich dachte zwischendurch, wir könnten heute bis Mitternacht spielen und würden trotzdem nicht treffen", grinste Raiola nach dem Spiel. Vielleicht half ihm dabei, dass er seinen Humor nie verliert - selbst als seine Mannschaft kurz nach der Pause in Unterzahl geriet. Robin Born, bis dahin umtriebiger Antreiber im Mittelfeld, sah direkt nach Wiederbeginn Rot, nachdem er sich zu einem rustikalen Einsteigen hinreißen ließ. Ein Foul, das man in manchen Regionen noch "körperbetont" nennt, im Regelwerk aber als "Tätlichkeit" geführt wird.

In diesem Moment drehte sich der Wind. Magdeburg, bislang eher defensiv eingestellt, witterte die Chance, das Spiel an sich zu reißen. Trainer FC Zukunft - ein Name wie ein Marketing-Gag, aber offenbar echt - gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir wollten das Tempo erhöhen, aber Weiler hat sich einfach reingebissen", sagte er später und schüttelte den Kopf.

Weiler verteidigte leidenschaftlich, als hinge die Liga-Lizenz davon ab. Bernd Jahn, der junge Linksverteidiger, rannte als wäre er von einer unsichtbaren Batterie betrieben. In der 71. Minute sah auch er Gelb - sinnbildlich für den Einsatz der Gastgeber, die sich in jeden Zweikampf warfen. "Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon einen weniger haben, dann machen wir eben doppelt so viel", verriet Kapitän Linus Berger.

Und tatsächlich: Während Magdeburg den Ball quer schob und auf die Lücke wartete, setzte Weiler auf den klassischen Plan B - lange Bälle, zweite Bälle, irgendwie Bälle. Der eingewechselte Jannick Fritsch brachte frischen Wind, während sich sein Vorgänger Ruben Guillen an der Seitenlinie bereits in eine Decke wickelte. "Ich hab ihm zugerufen, er soll einfach draufhalten, wenn er Platz hat", erzählte Guillen später.

Die Nachspielzeit lief, das Publikum stand längst. Dann kam die 95. Minute. Bernd Jahn, bereits verwarnt, wagte sich dennoch nach vorn, flankte von links halbhoch in den Strafraum. Fritsch nahm die Kugel mit der Brust, drehte sich einmal um die eigene Achse und drosch das Ding unter die Latte. Trkulja streckte sich vergeblich - 1:0! Ein Tor aus dem Lehrbuch für späte Erlösung.

Das Stadion explodierte. Raiola schmiss seine Mütze in die Luft, ein Ordner wurde fast vom Jubelsturm mitgerissen, und irgendwo auf der Tribüne fiel ein Becher Glühwein der Schwerkraft zum Opfer. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war - ich hab’s nur gehört", lachte Fritsch, der sich nach dem Spiel feiern ließ wie ein Lokalheld.

Magdeburg hingegen stand konsterniert auf dem Rasen. Zwei harmlose Torschüsse, kein Ertrag und eine bittere Heimfahrt. "Wir hatten eigentlich alles im Griff, bis auf das, was zählt", knurrte Innenverteidiger Harald Konrad, der früh Gelb gesehen hatte.

Statistisch betrachtet war es ein kurioses Spiel: Magdeburg mit mehr Ballbesitz, Weiler mit mehr Mut, mehr Schüssen, mehr Karten - und am Ende mit den drei Punkten. Fußballromantik in Reinform, gewürzt mit einer Prise Chaos.

Trainer Raiola fasste es gewohnt charmant zusammen: "Manchmal ist Fußball wie Kässpatzen - sieht nicht immer schön aus, ist aber am Ende genau das, was man braucht."

Und so verließen die Zuschauer den frostigen Abend in Weiler mit warmem Herzen. Aus einem zähen 0:0 wurde ein Triumph der Willenskraft - ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst.

Denn manchmal dauert’s eben 95 Minuten, bis der Ball dorthin will, wo er hingehört.

03.07.643990 17:05
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir haben den Schriftzug in unserem Vereinslogo in 'Hosenscheißer 04' geändert. Wir konnten ein großes Sponsoringpaket mit einer Windelfirma schnüren.
Rudi Assauer
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager