// Startseite
| Bananenflanke |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kühler Märabend, Flutlicht über dem Osteroder Jahnstadion, 1.700 Zuschauer mit Wurst und Hoffnung bewaffnet - und am Ende ein klarer Sieger: der Frohnauer SC. Mit 3:0 (0:0) fertigten die Berliner Gäste den VfR Osterode ab, der zwar bemüht war, aber spätestens nach der Pause dem jugendlichen Übermut der Frohnauer nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Die erste Halbzeit war ein Lehrbuchbeispiel für das, was Trainer Bolle Kramer später "kontrollierte Ungeduld" nannte. "Wir wussten, dass die Tore kommen würden", sagte er mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Selbstzufriedenheit und väterlichem Stolz pendelte. Tatsächlich drückte Frohnau von Beginn an: Linus Wojcicki prüfte schon in der ersten Minute den Osteroder Keeper Lars Schmidt, und das sollte kein Einzelfall bleiben. Ganze 14 Torschüsse verzeichneten die Gäste am Ende, während Osterode sich mit dreien begnügte - und die kamen eher aus der Kategorie Hoffnungsschuss. Osterode-Coach, dessen Name an diesem Abend wohl lieber ungenannt bleiben möchte, hatte seine Mannschaft taktisch "ausgeglichen" eingestellt - was auf dem Platz dann leider eher wie "ungefährlich" aussah. 46 Prozent Ballbesitz klingen statistisch ordentlich, aber was nützt Ballkontrolle, wenn der Ball selten Richtung gegnerisches Tor findet? Nach der Pause kam dann, was kommen musste: In der 48. Minute eröffnete Knut Stein, 19 Jahre jung und mit der Körpersprache eines erfahrenen Torjägers, das Frohnauer Feuerwerk. Nach Zuspiel von Markus Nagel drückte er den Ball eiskalt über die Linie. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Stein nach dem Spiel. "Der Trainer sagt immer: Wenn du nicht weißt, was du tun sollst - schieß." Und er tat gut daran. Nur eine Viertelstunde später drehte Wojcicki auf. Erst in der 62. Minute nach feinem Pass von - wieder - Markus Nagel, dann direkt in der 63. Minute mit einem Solo, das die Osteroder Abwehr aussehen ließ, als stünde sie noch in der Halbzeitpause am Bratwurststand. Zwei Tore in 90 Sekunden, und das Spiel war entschieden. Während die Frohnauer Bank jubelnd über die Seitenlinie tanzte, stand Osterodes Torwart Lars Schmidt mit hängenden Schultern im Strafraum und murmelte etwas, das nach "Nicht schon wieder" aussah. Sein Trainer versuchte es später mit Humor: "Wir wollten kompakt stehen - das hat auch 47 Minuten lang ganz gut geklappt." Die letzten zwanzig Minuten waren dann eine Art Lehrstunde im Ballzirkus. Frohnau kombinierte, als hätten sie das Spiel auf "leicht" gestellt, während Osterode tapfer kämpfte, aber kaum noch Zugriff fand. In der 72. Minute brachte Coach Kramer den jungen Daniel Schuster für Gustav Weber - und der fügte sich nahtlos ein, als hätte er nie etwas anderes getan, als den Ball sicher durch die Mitte zu schieben. Auf der Tribüne wurde es stiller. Nur ein paar Kinder riefen noch "Osterode, wir glauben an euch!", doch ihre Helden schienen an diesem Abend eher an Müdigkeit zu glauben. Frohnau ließ das Spiel austrudeln, elegant, fast arrogant - aber mit einer Spielfreude, die man auf diesem Level selten sieht. Nach dem Abpfiff war der Jubel der Gäste ausgelassen. Linus Wojcicki posierte für Selfies, Knut Stein verschwand unter einem Berg von Umarmungen, und Trainer Kramer wurde mit einer kalten Wasserflasche geduscht. "Ich hätte mir ja lieber einen Tee gewünscht", lachte er, "aber so schmeckt der Sieg wenigstens nach etwas." Osterode dagegen trottete Richtung Kabine. "Wir haben uns selbst geschlagen", murmelte Mittelfeldmann Kevin Hildebrandt. "Und die anderen haben uns dabei geholfen." Am Ende bleiben Zahlen, die Bände sprechen: 0:3, 3 zu 14 Torschüsse, 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und eine Lektion in jugendlicher Entschlossenheit. Frohnau spielte offensiv und mutig, Osterode brav und brav unterlegen. Vielleicht fasste es Stadionsprecher Ralf Meier am besten zusammen, als er kurz vor dem Abpfiff ins Mikro seufzte: "Tja, Freunde - heute war’s wohl nix mit dem Osterwunder." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem die jungen Frohnauer zeigten, wie viel Spaß Fußball machen kann, wenn man nicht darüber nachdenkt, was alles schiefgehen könnte. Drei Tore, drei Punkte, drei Gründe zum Feiern - und für Osterode drei Wochen Nachdenken, bevor es wieder heißt: "Auf ein Neues." 11.04.643994 01:28 |
Sprücheklopfer
Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.
Otto Rehhagel