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Frohnauer Jungspunde tanzen Holtensen aus - 3:0 beim Flutlichtspiel

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob der Gegner eigentlich eine unsichtbare Mauer aufs Feld gestellt hat - oder ob die eigene Mannschaft einfach vergessen hat, wo das Tor steht. Für den TSV Holtensen war der 17. Spieltag der Landesliga 2 genau so ein Abend. 1500 Zuschauer sahen ein 0:3, das so klar war, dass selbst die Bratwurstbude in der Pause lieber auf die Seite des Frohnauer SC wechselte.

Von Beginn an war zu spüren, dass die Gäste aus Frohnau nicht gekommen waren, um die niedersächsische Abendluft zu genießen. Schon nach zwei Minuten prüfte der 17-jährige Alexander Dunn den Holtensener Keeper Richard Meissner mit einem satten Schuss - der erste von insgesamt 18 Torschüssen der Berliner, während Holtensen in dieser Kategorie wohl lieber "Teilnahmeschein" statt "Leistungsnachweis" abgab: null Schüsse auf das gegnerische Tor.

"Ich glaube, mein Trikot ist trockener geblieben als das der Ordner", witzelte Frohnaus Torwart Yannik Ritter nach dem Spiel. Und er hatte recht: Holtensen war bemüht, aber ungefährlich - wie ein Labrador mit Maulkorb.

In der 22. Minute fiel dann das logische 0:1: Swen Ritter, der rechte Mittelfeldmotor der Gäste, drosch den Ball nach feiner Vorarbeit von Robin Meiser humorlos ins Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten - vielleicht war’s Frust, vielleicht Kunst", grinste der 20-Jährige später.

Neun Minuten danach wurde es endgültig bitter für Holtensen. Nils Reimann, zarte 17 Lenze jung, nutzte einen Querpass von Enrico Albanese und schob eiskalt ein. 0:2, und man ahnte: Das wird kein Abend für Romantiker. Trainer Bolle Kramer vom Frohnauer SC stand am Rand, verschränkte die Arme und nickte zufrieden. "Das war die Reifeprüfung unserer Jungs. Wenn du 17 bist und dich so durchsetzt - da darfst du Montag ruhig zu spät zur Schule kommen", kommentierte er augenzwinkernd.

Holtensen-Coach - dessen Name in den Spielunterlagen fehlte, vielleicht wollte er nach diesem Abend ohnehin anonym bleiben - versuchte es in der Pause mit Durchhalteparolen. "Jungs, wir haben 47 Prozent Ballbesitz, das ist fast die Hälfte!", soll er laut einem Ersatzspieler gerufen haben. Doch der Funke sprang nicht über.

Kurz nach Wiederanpfiff, in Minute 50, setzte Frohnau den endgültigen Schlusspunkt. Enrico Albanese, ebenfalls 17, nahm eine Flanke von Eduard Iwanow volley und traf zum 0:3 - ein Tor, das so elegant war, dass selbst einige Holtensener Fans höflich klatschten. "Ich hab nicht viel nachgedacht", sagte Albanese hinterher, "sonst wäre der Ball wahrscheinlich auf dem Parkplatz gelandet."

Ab da wurde das Spiel zu einer Mischung aus Trainingsspiel und Geduldsprobe. Frohnau ließ den Ball laufen, Holtensen lief hinterher. Die Ballbesitzstatistik von 47 zu 52 Prozent klingt knapp, aber in Wahrheit war’s ein Klassenunterschied. Die Zweikampfquote (39 zu 61 Prozent) erzählte denselben traurigen Witz.

Einziger Farbtupfer auf Holtensener Seite: Carsten Decker sah in der 86. Minute Gelb, offenbar aus Langeweile. "Ich wollte einfach mal mit dem Schiri reden", gab er später selbstironisch zu. Auf der Gegenseite erwischte es ebenfalls einen: Reimann holte sich in der 76. Minute seine erste Gelbe ab - vermutlich, um wenigstens einmal im Spielbericht doppelt aufzutauchen.

"Wir wollten offensiv spielen, und das hat man gesehen", resümierte Frohnau-Trainer Kramer, "18 Schüsse aufs Tor, drei Treffer - da kann man nicht meckern." Ganz im Gegenteil: Sein junges Team wirkte wie ein eingeschworenes Ensemble, das sich blind versteht. Holtensen hingegen wirkte, als hätte man sich erst auf dem Parkplatz kennengelernt.

Nach dem Schlusspfiff verließen die Frohnauer Spieler das Feld mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Ungläubigkeit lag. Die Holtensener Fans applaudierten höflich - vielleicht, weil sie wussten, dass an diesem Abend einfach der bessere Fußball gespielt wurde.

"Wir müssen jetzt nach vorne schauen", murmelte ein erschöpfter Björn Schilling in der Mixed Zone, "auch wenn man im Moment lieber nach unten schauen möchte - auf seine Schuhe."

So endete ein Flutlichtabend, der für die jungen Frohnauer ein Meilenstein und für Holtensen ein Denkzettel war. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen meinte: "Wenn die so weiterspielen, dann brauchen die bald keine Gegner mehr, sondern nur noch ein Torwarttraining."

Ein Satz, der so böse wie wahr klingt.

22.07.643996 05:35
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Branco tanzt und ich grätsche. Das ist der Unterschied zwischen Kamerun und Norwegen.
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