Elfmeter
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FT Braunschweig lässt Rot-Blau Essen alt aussehen - 2:0 mit Stil und Schmunzeln

Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantik und Lokalpatriotismus Hand in Hand gingen. 2.069 Zuschauer im kleinen, aber lauten Stadion am Bürgerpark sahen am Mittwochabend eine FT Braunschweig, die nicht nur gewann, sondern auch glänzte - zumindest phasenweise. Mit einem souveränen 2:0 gegen Rot-Blau Essen setzte die Mannschaft ein Ausrufezeichen im Mittelfeld der Verbandsliga D. Und ja, es war einer dieser Siege, die sich anfühlen, als hätte man mehr getan, als nur drei Punkte einzusammeln.

Von Beginn an war klar, wer hier die Musik spielte. Die Braunschweiger übernahmen das Kommando, als wollten sie den Ball gar nicht mehr hergeben. 55 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse - das sind Werte, bei denen der Statistikfreund zufrieden nickt. Essen kam dagegen auf exakt einen (in Worten: einen) Schuss aufs Tor - und der war mehr höfliche Anmeldung als ernsthafte Gefahr für Keeper Mathias Klug. Der kommentierte später trocken: "Ich hab mich kurz gefragt, ob ich noch wach bin. Dann kam der Ball - und das war’s auch schon."

In der 29. Minute platzte der Knoten. Richard Kramer, der flinke Rechtsaußen, schlich sich in den Strafraum wie ein Dieb im Flutlicht, nahm den Pass von Bailey Callahan auf und schob eiskalt ein - 1:0. Die Tribüne tobte, und Kramer grinste hinterher: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s drin ist, sag ich natürlich, das war Absicht."

Essen wirkte geschockt, als hätte man ihnen den Busschlüssel abgenommen. Trainer (dessen Name an diesem Abend wohl besser ungenannt bleibt) rief von der Seitenlinie: "Ruhig bleiben, Jungs!" Doch ruhig blieb hier nur Braunschweig - und das mit einer beängstigenden Selbstverständlichkeit. Der Ball lief durch die Reihen, als sei er an einem unsichtbaren Faden befestigt. "Das war fast schon zu hübsch für Verbandsliga", raunte ein älterer Fan mit Schiebermütze auf der Haupttribüne, während er an seinem Bier nippte.

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Braunschweig spielte, Essen reagierte - wenn überhaupt. In der 49. Minute sah Gästeverteidiger Sebastian Krauss Gelb, nachdem er Nick Ott etwas zu deutlich zeigte, was er von dessen Dribblings hielt. "Ich hab den Ball gespielt", behauptete Krauss später mit einem Grinsen. "Leider war der Ball in dem Moment woanders."

Dann die 60. Minute - der endgültige Knockout. Stefan Horn, der linke Mittelfeldmann mit dem Schuss wie ein Presslufthammer, wuchtete das Leder nach Vorlage von Felix Kruse unter die Latte. 2:0, Vorhang auf für die Jubelorgie. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Horn nach dem Spiel. "Wenn du 17-mal schießt, darf einer ja auch mal rein."

Rot-Blau Essen versuchte es danach mit Schadensbegrenzung, doch selbst das gelang nur bedingt. Der junge Claus Rudolph setzte in der 57. Minute den einzigen Essener Torschuss ab - ein Versuch, der Klug eher an eine Rückgabe erinnerte als an eine Torchance. "Wir haben versucht, kompakt zu stehen", sagte der Gästetrainer später. "Das hat zumindest beim Mannschaftsfoto geklappt."

In den letzten 20 Minuten wurde es dann zum Schaulaufen der Braunschweiger Offensive. Stephan Born prüfte den Torwart mehrfach, Björn LaClaire tanzte an der rechten Außenlinie, und Nick Ott hatte gleich mehrere Szenen, die nur knapp ihr Happy End verpassten. "Da war viel Schönes dabei", lobte Trainer der Gastgeber nach dem Spiel. "Aber ehrlich gesagt: Ich hätte gern das dritte Tor gesehen. Nur, damit’s in der Zeitung besser aussieht."

Die Fans nahmen es mit Humor. "2:0, das klingt solide", meinte eine ältere Dame im FT-Schal auf dem Heimweg. "Aber die Jungs hätten ruhig noch eins für die Galerie machen können."

Am Ende blieb ein verdienter Sieg, ein klarer Klassenunterschied und eine Menge guter Laune. FT Braunschweig spielte nicht spektakulär, aber überzeugend - und wenn sie so weitermachen, wird es in der Verbandsliga D noch einige geben, die sich an diesem Mittwochabend ein Beispiel nehmen sollten.

Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wenn Fußball so aussieht, darf’s ruhig öfter Mittwoch sein."

Und so endete der Abend - mit Flutlicht, Applaus und einem Gefühl, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Stolz lag. FT Braunschweig hat an diesem 21. Spieltag mehr als nur drei Punkte geholt: Sie haben gezeigt, dass sie nicht nur spielen, sondern auch erzählen können - Geschichten von Leidenschaft, Präzision und einem Hauch Selbstironie.

08.02.644000 10:23
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