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Ein kühler Maiabend in Braunschweig, Flutlicht, 2207 Zuschauer - und am Ende wieder diese alte Fußballweisheit: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft. FT Braunschweig dominierte über weite Strecken das Spiel gegen Eintracht Northeim, hatte mehr Ballbesitz (fast 56 Prozent) und neun Torschüsse. Doch der Gast war einfach effizienter. 16 Abschlüsse, zwei Treffer - und ein 2:1-Auswärtssieg, der Northeim-Trainer Tim Picke nach Abpfiff sichtlich erleichtert dreinschauen ließ. Dabei begann alles nach Wunsch für die Braunschweiger. Schon in der 14. Minute klingelte es hinter Northeims Keeper Justin Schultz. Richard Münch, eigentlich als linker Verteidiger aufgestellt, stürmte nach vorn, zog nach Pass von Björn LaClaire ab - und traf eiskalt ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Münch später mit einem Grinsen zu, "aber wenn’s so reingeht, nehme ich das natürlich mit." Das Publikum war begeistert, die FT schien den Ton anzugeben. Northeim wirkte in der Anfangsphase fahrig, kassierte binnen Minuten zwei Gelbe Karten - Bernd Bader (16.) und Rafael Santoyo (18.) durften sich früh über farbige Erinnerungen an die Regeln freuen. "Wir waren zu aggressiv, zu gierig auf den Ball", gab Coach Picke später zu. Doch dann drehte sich das Spiel. In der 27. Minute kombinierten sich die Gäste über links nach vorn, Santoyo legte flach in den Strafraum, und Marco Maniche schob zum 1:1 ein. Das war klinisch. Braunschweigs Keeper Mathias Klug blieb chancenlos. "Da haben wir kurz geschlafen", ärgerte sich Verteidiger Felix Kruse, der zehn Minuten später selbst Gelb sah - wohl in Erinnerung an genau jene Szene. Mit dem 1:1 ging es in die Pause. Northeim blieb offensiv, Braunschweig verwaltete - vielleicht zu sehr. "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen", erklärte ein sichtlich genervter Trainer der FT, der lieber anonym bleiben wollte. Doch genau das passierte: In der 60. Minute nutzte Northeims Max Bartsch eine Unachtsamkeit in der Braunschweiger Defensive. Nach Vorlage von Lionel Ronaldo - ja, der Name ist echt - traf Bartsch mit einem satten Rechtsschuss zur 2:1-Führung. Von da an wurde das Spiel wild. Northeim zog sich keineswegs zurück. Jay Burton prüfte Klug gleich dreimal (49., 52., 54.), während Braunschweig zwar bemüht war, aber wenig zwingend blieb. Herbert Lutz versuchte es in der 58. und 86. Minute aus der Distanz, doch Schultz im Northeimer Tor hatte offenbar gute Laune und noch bessere Reflexe. Zwischendurch wurde es ruppig. Northeims Karl Paul sah in der 44. Minute Gelb, Innenverteidiger Hermann Hausmann in der 87. - und schimpfte danach lautstark, dass "das doch gar kein Foul" gewesen sei. Schiedsrichter Meier blieb unbeeindruckt. Die Braunschweiger Fans sahen es anders und skandierten ironisch "Fair Play, Northeim!", was selbst dem vierten Offiziellen ein Schmunzeln entlockte. In der Schlussphase brachte Picke frische Beine: Marcio de Freitas kam für Doppeltorschütze Maniche (70.), Heinz Voss ersetzte Günter Witte (75.). "Wir wollten Stabilität hinten und Tempo vorn", erklärte Picke nach dem Spiel - und hatte damit Recht. Northeim verteidigte clever, lauerte auf Konter und hätte durch Lionel Ronaldo in der Nachspielzeit sogar erhöhen können. FT Braunschweig rannte an, aber ohne Struktur. Trainer und Spieler diskutierten wild an der Seitenlinie, während das Publikum versuchte, die Mannschaft nach vorne zu treiben. Doch selbst eine Serie von Eckbällen in den letzten Minuten brachte keine Erlösung. Nach dem Schlusspfiff stand ein enttäuschtes Heimteam auf dem Rasen. "Das ist bitter, wenn du so viel investierst und mit leeren Händen dastehst", meinte Kapitän Sergio Antunes. "Aber vielleicht müssen wir lernen, dass Ballbesitz keine Punkte gibt." Northeim dagegen feierte ausgelassen. Bartsch und Maniche umarmten sich vor der Gästekurve, während Trainer Picke seine Jungs bremste: "Wir haben noch 18 Punkte zu holen - Party machen wir später." In der Pressekonferenz versuchte Braunschweigs Coach, die Fassung zu wahren. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber eben nicht entschieden. Das ist das alte Lied - nur dass wir diesmal den Refrain vergessen haben." So endete ein intensiver Abend in der Verbandsliga D: FT Braunschweig mit Stil, aber ohne Ergebnis - Eintracht Northeim mit Kampfgeist, Tempo und knallharter Effizienz. Und irgendwo auf der Tribüne sagte einer der Zuschauer trocken: "War doch klar - Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Recht hat er. 01.12.643999 04:36 |
Sprücheklopfer
Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck