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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 4750 Zuschauer, die sich die Hände reiben - und ein Spiel, das erst spät richtig heiß wurde: Fürstenwalde schlägt den FK Pirmasens mit 1:0 und feiert damit einen Arbeitssieg, der in keinem Lehrbuch für gepflegten Kombinationsfußball landen wird. Aber manchmal reicht eben ein junger Mann namens Maximilian Wirth und ein Moment, in dem alles passt. Die Partie begann mit viel Mittelfeldgeplänkel und wenig Erleuchtung. Pirmasens kam früh zu Chancen: Müjdat Öztürk prüfte Fürstenwaldes Keeper Justin Held bereits in der sechsten Minute, der jedoch so gelassen parierte, als wäre es ein Sonntagsschuss im Training. "Ich hab den Ball noch fliegen sehen, da wusste ich schon, der will mir gar nichts tun", grinste Held später. Fürstenwalde antwortete - Joschua Krug scheiterte nach neun Minuten, und auch später blieb er der Mann, der am häufigsten "fast" rief. Beide Teams suchten die Lücke, fanden aber meist nur den Gegner. Das 0:0 zur Pause schmeichelte niemandem, es war schlicht das logische Resultat zweier Mannschaften, die sich neutralisierten. "In der Halbzeit hab ich gesagt: Wenn wir schon nicht schön spielen, dann wenigstens effektiv", verriet Fürstenwaldes Trainer (dessen Name wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde, aber seine Stimme klang nach viel Kaffee und wenig Schlaf). Dann brachte die 71. Minute die Wende: FK-Verteidiger Ulf Eriksen sah Rot - ein rustikaler Einsatz, der eher an Rugby erinnerte. "Ich hab nur den Ball gesehen", beteuerte Eriksen, während Schiedsrichter Lenz mit unbewegter Miene die Karte hochhielt. "Ja, aber der Ball lag da schon ganz woanders", entgegnete ein grinsender Fürstenwalde-Profi auf dem Weg zurück in die eigene Hälfte. Nun musste Pirmasens in Unterzahl ran, und Fürstenwalde roch Lunte. Fünf Minuten später versuchte es Maximilian Wirth, 22 Jahre jung, mit einem beherzten Schuss - und traf in der 74. Minute zum 1:0. Der Jubel war entsprechend groß: Wirth rannte Richtung Eckfahne, die Fans schrien ihren Frust und ihre Freude gleichzeitig heraus. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der Torschütze später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. Hat geklappt." Pirmasens, bis dahin solide organisiert, verlor kurz die Ordnung. Trainerin Gudrun Schweitzer gestikulierte wild an der Seitenlinie - ein Mix aus Verzweiflung und Choreografie. "Wir wollten eigentlich über Konter kommen, aber nach der roten Karte war das wie Autofahren mit angezogener Handbremse", sagte sie nach dem Spiel. Ihre Mannschaft versuchte es dennoch, vor allem über den rechten Flügel mit Marcel Fuhl, der nach 69 Minuten einen letzten gefährlichen Abschluss hatte. Doch Held im Tor blieb unbezwingbar. Die Statistik spricht Bände: Beide Teams mit jeweils acht Torschüssen, der Ballbesitz leicht zugunsten von Fürstenwalde (52,9 Prozent). Aber in Summe war das Heimteam einfach cleverer. Und vielleicht auch ein bisschen dreckiger im besten Sinne. Samuel Baird holte sich in der 87. Minute noch Gelb ab - eine Karte aus der Kategorie "konnte man geben, musste man nicht". Der alte Haudegen zuckte nur mit den Schultern: "Ich wollte halt zeigen, dass wir da sind." Kurz vor Schluss musste Fürstenwaldes Björn Ackermann verletzt runter, Rui Tiago kam rein und brachte frische Beine - und ein paar Sekunden später fast den Schlusspfiff. Es war kein Spiel für Feinschmecker, aber eines für Liebhaber des ehrlichen Kampfes. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne sagte: "Ist doch egal, Hauptsache gewonnen. Und nächste Woche darf’s dann wieder schöner aussehen." Nach dem Abpfiff applaudierte das Publikum, als hätte man gerade die Champions League gewonnen, während die Pirmasenser Spieler enttäuscht, aber gefasst in die Kabine trotteten. "Wir haben gekämpft, bis der Schiri uns nicht mehr ließ", murmelte Kapitän Tiago Gomes, der mit blutender Lippe, aber erhobenem Kopf in den Bus stieg. So bleibt ein Abend, der zeigt, dass Fußball manchmal keine große Kunst braucht - nur Geduld, ein bisschen Glück und einen Schuss Wirth. Fürstenwalde atmet auf, Pirmasens hadert, und der Rest der Liga weiß: Auch ein 1:0 kann lauter nachhallen als ein 5:4. Und irgendwo im Dunkel des Stadions sagte ein Fan beim Hinausgehen: "War kein Leckerbissen, aber immerhin kein Hungerlohn." Recht hat er. 17.03.643987 22:47 |
Sprücheklopfer
Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts