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Es war einer dieser Abende in Esbjerg, an denen der Wind vom Meer nicht nur durch die Tribünen, sondern auch durch so manche Abwehrreihe pfiff. 40.734 Zuschauer sahen am Donnerstagabend ein torreiches, wildes und zeitweise herrlich chaotisches Fußballspiel, in dem der SC Fyn mit 3:2 (2:2) die Oberhand behielt. Esbjerg FC kämpfte, rannte und schoss - aber am Ende jubelten die Gäste, während Trainer Elmar Kla mit leerem Blick in die dunkle dänische Nacht starrte. "Wir haben uns selbst geschlagen", knurrte Kla nach dem Abpfiff. "Drei Tore gegen uns, die alle irgendwie aus dem Nichts fallen - das ist schon fast Kunst." Dabei hatte für die Hausherren alles so verheißungsvoll begonnen. Nach einer druckvollen Anfangsphase des SC Fyn - die Gäste feuerten allein in den ersten 20 Minuten fünf Torschüsse ab - schlug Esbjerg eiskalt zu. In der 20. Minute tankte sich Kai Hougaard über links durch, legte clever quer, und Bendt Sondergaard drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 1:0 - und das Stadion bebte. Fyns Trainer Luis Pinheiro blieb gelassen. "Ich wusste, dass wir Chancen kriegen würden. Wir haben zu viel Talent da vorne, um nicht zu treffen", sagte er mit einem Grinsen, das die Anspannung der letzten Wochen kaum kaschieren konnte. Und tatsächlich: Neun Minuten später war der Ausgleich da. Einar Munch, der flinke Linksaußen mit dem Künstlernamen, verwandelte eine butterweiche Vorlage von Christoffer Rasmussen zum 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fyn-Fans sangen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Doch der Schlagabtausch ging weiter. In der 37. Minute drehte Esbjergs Oldie Peter Poulsen noch einmal auf, traf nach feiner Vorarbeit des erst 17-jährigen Thomas Munch zum 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Poulsen später, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich nichts dagegen." Das Publikum wogte, die Pommes dampften, und Esbjerg schien auf Kurs Heimsieg. Bis Minute 43. Wieder war es Rasmussen, der die Fäden zog. Sein Pass fand den 17-jährigen Kim Storm, der trocken ins lange Eck traf - 2:2. "Er hat mich Papa genannt, bevor er aufs Tor geschossen hat", scherzte der 32-jährige Mannschaftskollege Aitor Marco anschließend. Mit diesem wilden Zwischenstand ging es in die Pause. Statistisch war das Spiel da schon ein kleiner Rausch: 24 Torschüsse insgesamt, 51 Prozent Ballbesitz für Esbjerg, aber Fyn mit der besseren Zweikampfquote. In der zweiten Hälfte beruhigte sich das Geschehen - zumindest ein bisschen. Esbjergs Trainer Kla musste in der 28. Minute schon wegen einer Verletzung von Georg Svendsen umstellen, und das machte sich bemerkbar. Der junge Ersatzmann Einar Westergaard mühte sich redlich, hatte aber gegen Munch und Clarke alle Hände voll zu tun. Bendt Sondergaard kassierte in der 57. Minute Gelb, weil er offenbar dachte, der Schiedsrichter sei Teil des gegnerischen Mittelfelds. "Ich wollte nur den Ball", erklärte er später mit einem Lächeln, das wenig Reue vermittelte. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr drückte Fyn. Munch, Rasmussen, Hougaard - immer wieder tauchten sie gefährlich vor Esbjergs Tor auf. Keeper Arvid Olsen parierte, was zu halten war, aber in der 81. Minute war auch er machtlos: Gerd Hougaard, der bullige Mittelstürmer, verwertete eine flache Hereingabe von Munch zum 3:2. "Das war der Moment, in dem wir wussten: Jetzt geht’s heim mit drei Punkten", meinte Fyns Coach Pinheiro nach dem Spiel. "Und dann kam Nevio." Gemeint war Nevio Renner, der erfahrene Linksverteidiger, der sich in der 75. Minute Gelb holte, in der 90. Gelb-Rot und damit zum Kabinengang verabschiedete. "Ich wollte nur Zeit schinden", gab er zu, "aber anscheinend war der Schiri nicht in Partystimmung." Die Fans von Esbjerg verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus. "Das war kein schlechtes Spiel", meinte Trainer Kla, "aber Fyn war heute einfach reifer - und vielleicht auch ein bisschen frecher." Fyns junger Torschütze Kim Storm schrieb später auf Social Media: "Ich hab noch nie so viele Blicke bekommen wie nach dem 2:2. Danke, Esbjerg, für die Stimmung." So endete ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Teenager und Temperamente. Und irgendwo in der Kabine des SC Fyn soll Trainer Pinheiro leise gepfiffen haben - angeblich eine Melodie über den Wind, der immer von Westen kommt. Man sagt, in Esbjerg weht der Wind oft hart. An diesem Abend kam er aus Fyn - und er brachte drei Punkte mit. 21.05.644000 10:25 |
Sprücheklopfer
Das ist das Problem in Frankfurt: Hier muss einer nur dreimal mit dem Hintern wackeln, und schon ist er ein guter Spieler.
Jupp Heynckes