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Es war einer jener Abende, an denen der Fußball nicht gerecht ist - zumindest aus Sicht der 40.000 Zuschauer im Estadio de la Peña. Denn wer sich am 20. Spieltag der 1. Liga Peru auf einen offenen Schlagabtausch zwischen Deportes Pena und Academia Lima eingestellt hatte, wurde nicht enttäuscht. Nur: Tore gab es eben nur auf einer Seite. Am Ende hieß es 0:1 - ein Ergebnis, das so nüchtern klingt wie der Espresso, den Trainer Andy Kolm nach Abpfiff wortlos kippte. Das Spiel begann mit einem Feuerwerk der Gäste. Schon nach 60 Sekunden prüfte Carlos Galindo den jungen Keeper Marc Henriquez mit einem satten Linksschuss. Pena antwortete prompt: Angelo Ferro zirkelte in Minute zwei einen Versuch aufs Tor - ein kurzes Raunen im Stadion, dann wieder Ernüchterung. Danach dominierte Lima. 19 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 54,7 Prozent Ballbesitz - die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten offensiv auftreten, das war der Plan", erklärte Gästecoach Olli Kahn mit einem spitzen Grinsen. "Nur schade, dass wir aus 19 Schüssen nur einmal getroffen haben - das ist fast schon deutsche Effizienz, aber in umgekehrter Richtung." Gelächter im Presseraum inklusive. Das entscheidende Tor fiel in der 39. Minute. Der flinke Finne Jukka Hietanen zog über die rechte Seite, flankte punktgenau in den Lauf von David Galindo, und der 24-Jährige vollstreckte eiskalt. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - technisch sauber, gedankenschnell und unhaltbar. "Ich hab nur den Ball gesehen und gedacht: jetzt oder nie", sagte Galindo später. "Und zum Glück war’s jetzt." Deportes Pena mühte sich, fand aber kein Rezept gegen die stabile Defensive der Gäste. Logan Lester, der bullige Mittelstürmer, ackerte, rannte, gestikulierte - und schimpfte nach dem Spiel: "Wenn du fünfmal schießt und der Torwart steht immer da, wo du hinschießt, dann weißt du, der Fußballgott hat heute frei." In der 25. Minute musste Academia allerdings einen Rückschlag verkraften: Linksverteidiger Tiburtius Edvaldsson verletzte sich am Oberschenkel und wurde durch Nuno Etxeita ersetzt. "Das hat uns kurz verunsichert", gab Kahn zu. "Aber Nuno war cool wie ein Kühlschrank in Helsinki." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig am Bild. Lima blieb offensiv, Pena kämpfte - und der Ball wollte einfach nicht rein. Besonders bitter: In Minute 58 scheiterte der 19-jährige Jose Enrique Mendivil mit einem Distanzschuss nur um Zentimeter. Kolm warf alles nach vorn, doch die Akademiker blieben souverän. Für einen kurzen Moment wurde es hitzig: In der 73. Minute sah Seppo Uusimäki Gelb, nachdem er Angelo Ferro an der Seitenlinie unsanft abräumte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich der Finne. "Leider war der Ball schon weg." Olli Kahn, der an der Seitenlinie eher wie ein Vulkan auf Urlaub wirkte, wechselte kurz vor Schluss sogar den Torwart aus - wohl mehr symbolisch als taktisch. Luis Enriquez kam für den jungen Eric Brun, der zuvor mehr Zuschauer war als geprüft. "Luis soll auch mal ein paar Sekunden Erstliga-Luft schnuppern", grinste Kahn. Und tatsächlich: In der Nachspielzeit parierte Enriquez einen letzten verzweifelten Kopfball von Lester - sein einziger Ballkontakt, aber ein entscheidender. Trainer Kolm fasste das Spiel danach trocken zusammen: "Wir hatten die Chancen, die wir brauchten - leider nur in der Fantasie." Dann verschwand er in den Katakomben, während der Gästeblock ausgelassen "Vamos Academia" skandierte. Statistisch gesehen war’s ein Klassenunterschied auf knapper Ergebnisebene: 19:5 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent Zweikampfquote zugunsten der Gäste. Dennoch blieb die Partie bis zum Schluss offen, weil Lima trotz Überlegenheit das zweite Tor nicht fand - und Pena nie aufgab. So stand am Ende ein 0:1, das Olli Kahn als "Arbeitssieg mit Bildungsauftrag" bezeichnete. "Wir zeigen unseren Jungs, dass man auch mit 19 Chancen nicht übermütig werden darf." Die Fans von Deportes Pena gingen enttäuscht, aber nicht ohne Stolz. "Wir haben gegen eine Fußballschule verloren, nicht gegen eine Mannschaft", meinte ein älterer Herr auf der Tribüne. Vielleicht hat er recht - Academia Lima spielte wie aus dem Lehrbuch, und Pena muss jetzt wohl ein neues Kapitel schreiben. Ein kleiner Trost bleibt: Der Espresso nach dem Spiel schmeckte wenigstens stark - stärker als die Abwehr an diesem Abend. 16.01.643991 08:15 |
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Wir fahren hin, hau'n die weg und fahren wieder zurück.
Peter Neururer