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Gela dreht auf: Cascon schnürt beim 3:1 gegen Patizan Belgrad den Doppelpack

Europaliga | Achtelfinale - Hinspiel | 02.09.26 | Gela - Patizan Belgrad 3:1

Gela hat sich im Achtelfinal-Hinspiel der Europaliga eine ausgezeichnete Ausgangslage verschafft. Vor 43.500 Zuschauern gewann die Mannschaft von Michael Müller gegen Patizan Belgrad mit 3:1 (2:1) - in einem Spiel, das schon nach zwölf Minuten mehr Wendungen nahm als manche komplette Saison.

Der Abend begann um 19 Uhr mit einem Paukenschlag. In der fünften Minute bediente Niels Wegener den aufgerückten Nikola Budan, der von rechts kommend zur frühen Führung traf. "Ich habe den Ball gesehen und gedacht: Wenn ich jetzt noch lange überlege, ist die Chance weg", sagte Budan später. Eine bemerkenswert vernünftige Einschätzung für einen Fußballer, der gerade beschlossen hatte, nicht zu überlegen.

Patizan ließ sich davon nicht beeindrucken. Die Gäste übernahmen zunehmend die Kontrolle im Mittelfeld und kamen in der elften Minute zum Ausgleich. Marcel Halstenberg, eigentlich linker Verteidiger, schaltete sich nach Zuspiel von Zoran Sarac nach vorn ein und traf zum 1:1. Die Abwehrreihen hatten zu diesem Zeitpunkt offenbar beschlossen, den Abend offensiv zu interpretieren.

Gela antwortete sofort. Nur eine Minute später war Alejandro Cascon zur Stelle, erneut mit Wegener als Vorbereiter. Der linke Angreifer blieb ruhig und schob zur erneuten Führung ein. "Nach dem Ausgleich mussten wir nicht nervös werden. Wir mussten nur schneller sein als die Nervosität", erklärte Trainer Müller. Das gelang - jedenfalls den Spielern. Auf der Bank, so war zu beobachten, wurde trotzdem hektisch gestikuliert. Fußballtrainer nennen das gewöhnlich "Coaching".

In der ersten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Patizan erspielte sich mehrere Möglichkeiten, unter anderem durch Dragan Krstajic, Vladan Koroman und John MacLaren. Gela blieb mit Tiago Almeida, Nikola Budan und Cascon gefährlich. Zur Pause führte der Gastgeber 2:1, obwohl Patizan etwas mehr Ballbesitz hatte. 53,7 Prozent standen 46,3 Prozent für die Serben zu Buche. Der Ball gehörte also häufiger den Gästen - die entscheidenden Momente aber Gela.

Nach dem Seitenwechsel versuchte Patizan, den Druck zu erhöhen. MacLaren und Koroman prüften die Defensive, während Krstajic in der 63. Minute erneut für Unruhe sorgte. Gela verteidigte mit großem Einsatz, zunächst noch ohne aggressives Pressing. Müller hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, ließ sie aber lange kontrolliert und abwartend agieren. "Wir wollten nicht jedem Ball hinterherlaufen wie einem entlaufenen Hund", sagte der Trainer. "Am Ende mussten wir dann allerdings doch die Leine loslassen."

Das tat Gela in der Schlussphase. Nach den Wechseln von Jan Michalik für Alois Hable und Niels Wegener für Caio Simao bekam das Heimteam neue Ordnung und Energie. In der 80. Minute fiel die Entscheidung: Matias Rueda legte für Cascon auf, der mit seinem zweiten Treffer des Abends zum 3:1 traf. Die 43.500 Zuschauer verwandelten das Stadion in eine Mischung aus Fußballarena und akustischem Großgerät.

Patizan gab nicht auf und kam durch Koroman und Jaroslaw Stalenkow noch zu Abschlüssen. Insgesamt verzeichneten die Gäste neun Torschüsse, Gela deren acht. Doch Torwart Özer Saglik und seine Vorderleute hielten stand. Auch die späte Umstellung auf aktives Pressing und vollen Einsatz zahlte sich aus.

"Wir haben heute nicht alles perfekt gemacht", sagte Cascon. "Aber drei Tore sind eine ziemlich gute Art, auf die Suche nach Perfektion zu verzichten." Trainer Uwe Schumacher musste dagegen anerkennen: "Wir hatten den Ball, Gela hatte die Tore. Leider wird im Fußball noch immer nach dieser altmodischen Methode gewertet."

Gela reist damit mit einem Zwei-Tore-Vorsprung zum Rückspiel. Patizan besitzt weiterhin Chancen - aber zunächst einmal muss die Mannschaft herausfinden, wie man den Ballbesitz in etwas Zählbares verwandelt. Vielleicht in Tore. Das soll gelegentlich helfen.

02.09.2026 21:17
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