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Wenn 43.500 Zuschauer an einem Montagabend im März in Gela ins Stadion strömen, dann muss es schon nach Fußball riechen - und nach Hoffnung, Leidenschaft und einer Prise Selbstüberschätzung. Am ersten Spieltag der "1. Liga Italien" zerlegte Gela den Gast aus Derthona mit 3:0 und zeigte dabei eine Mischung aus Spielfreude, Effizienz und sardonischer Leichtigkeit, die Trainer Michael Müller später als "fast unheimlich ordentlich" bezeichnete. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass der Abend für die Gäste lang werden würde. Gelas Offensive - flankiert von den quirligen Flügeln Lucas Cochran und Javier Vazques - wirbelte, als wären sie zu zweit auf einem Karussell, das nie anhält. Cochran prüfte früh den Keeper, Vazques tat es ihm gleich - und die Defensive aus Derthona wirkte, als habe sie im Mannschaftsbus die Handbremse vergessen zu lösen. In der 20. Minute war es dann so weit: Silvestre Veloso, eigentlich rechter Verteidiger, zirkelte den Ball von rechts in den Strafraum, wo Vazques lauerte und trocken zum 1:0 einschob. "Ich hab nur den Wind genutzt", grinste Vazques später, "der kam von der Curva Nord, das war fast unfair." Der Funke sprang über, die Tribünen bebten, und Derthona wankte. Was folgte, war eine Demonstration in Ballkontrolle - 55 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, und vor allem das Gefühl, dass Gela jederzeit noch einen Gang hätte hochschalten können. Derthona dagegen wirkte mit nur drei Abschlüssen über 90 Minuten wie ein Team, das aus Versehen auf dem falschen Platz gelandet war. Trainer Max Italy stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das man mit gutem Willen als "Wir müssen kompakter stehen" deuten konnte. Kurz vor der Pause dann der zweite Streich: In der 43. Minute zog Charlie Smith zentral an, legte clever auf Veloso ab - und der Verteidiger, mittlerweile völlig in Torlaune, hämmerte den Ball mit rechts ins Netz. 2:0 zur Pause, und die Gesichter der Derthona-Spieler sagten alles. "Wir hatten uns vorgenommen, ruhig zu bleiben", erklärte Italy später, "aber als dein rechter Verteidiger zwei Tore vorbereitet oder schießt, weißt du, dass du ein Problem hast." Die Halbzeit brachte Wechsel: Derthona tauschte gleich dreimal, inklusive des Torwarts. Giuseppe Degano durfte duschen gehen, für ihn kam der junge Gianluca Simeri Crichi - ein mutiger Schritt, der sich allerdings nicht auszahlte. Auch vorne kamen frische Beine, doch Gela blieb Herr im eigenen Haus. In der 62. Minute machte Vazques endgültig den Deckel drauf. Nach einem sehenswerten Solo von David Martin, der frisch von der Bank kam, stand der Spanier wieder goldrichtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 3:0, die Entscheidung. "Ich wusste gar nicht, dass ich heute zweimal treffe", sagte Vazques mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Schadenfreude schwankte. Von Derthona kam danach wenig - ein gelber Karton für Valerio Frascineto war das einzige Lebenszeichen, und auch der schien eher aus Frust als aus Kampfgeist entstanden zu sein. Ein letzter Schuss des jungen David Beckham (ja, wirklich so heißt er, 19 Jahre alt, Rechtsaußen) in der 87. Minute segelte über das Tor und wurde von den Heimfans mit einem ironischen "Ooooh" quittiert. Die Schlussphase nutzte Trainer Müller für ein paar Wechsel - Vazques bekam stehende Ovationen, als er in der 90. Minute für Pablo Tarrega Platz machte. "Er meinte, er hätte noch Kraft für ein drittes Tor", lachte Müller nach dem Spiel, "aber wir wollen ja nicht gleich die Liga langweilig machen." Statistisch war es ein klarer Fall: 17:3 Schüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 55 Prozent Ballbesitz - Gela dominierte in allen Belangen. "Wir haben gezeigt, dass wir über die Flügel gefährlich sind", analysierte Müller trocken. "Und dass Silvestre Veloso nicht nur verteidigen, sondern auch schießen kann, wird der Mannschaft noch Freude machen." Derthona hingegen wird nach diesem Abend einige Fragen mit nach Hause nehmen müssen - und vielleicht auch ein paar Aspirin. Trainer Italy wirkte beim Abpfiff gefasst, aber resigniert: "Wir wussten, dass es schwer wird. Wir wussten nur nicht, dass es so leicht für Gela wird." Ein Auftakt nach Maß für Gela, ein Albtraum in Schwarz-Weiß für Derthona. Wenn der Rest der Saison hält, was dieser Abend versprach, dann könnte Gela in dieser Liga bald mehr als nur ein Geheimfavorit sein - und Derthona? Nun, die haben immerhin einen Beckham. Auch wenn der noch lernen muss, dass Ruhm nicht vom Namen kommt, sondern von Treffern. Oder, um es mit den Worten eines Fans aus der Kurve zu sagen: "So fängt man eine Saison an - mit Flügeln, Feuer und einem Gegner, der nicht weiß, was ihn getroffen hat." 11.11.643993 12:25 |
Sprücheklopfer
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