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Es war einer dieser Abende, an denen die 43.500 Fans im Stadio di Gela das Gefühl hatten, ihre Mannschaft habe einen unsichtbaren Magneten fürs gegnerische Tor eingebaut. 18 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz und zwei Treffer in drei Minuten - das sind die Zutaten, mit denen Gela am Samstagabend Atletico Roma in der 1. Liga Italien beim 6. Spieltag mit 2:0 (0:0) bezwang. Und wer dabei war, weiß: Das Ergebnis hätte auch doppelt so hoch ausfallen können, wenn nicht Romas junger Keeper Carl Triguero einen Sahnetag erwischt hätte. Von Beginn an war klar, wer hier das Drehbuch schreiben wollte. Gela-Coach Michael Müller schickte seine Elf offensiv ins Rennen, die Formation wirkte wie mit dem Ausrufezeichen "Wir wollen Tore!" versehen. Bereits nach 16 Minuten prüfte Javier Vazques den Gästetorwart, der sich mit einer Flugeinlage in die Herzen der mitgereisten Römer hechtete. "Ich habe ihn schon drin gesehen", murmelte Müller später mit einem Grinsen, "aber Triguero hat wohl Klett an den Handschuhen." Atletico Roma hingegen kam selten über den eigenen Mittelkreis hinaus. Ein Schuss von Emanuele Principato in der 24. Minute - das war’s im Grunde mit der römischen Offensive. Danach begann das, was man höflich als "defensives Positionsspiel" bezeichnen könnte, weniger höflich vielleicht als "Parken des Mannschaftsbusses". Zur Pause stand es 0:0, und die Fans raunten sich auf den Tribünen zu, dass Gela wohl noch bis Mitternacht spielen könne, ohne zu treffen. Doch dann kam die 65. Minute - und Lucas Cochran. Nach einem präzisen Zuspiel von Charlie Smith drehte sich der bullige Rechtsaußen um seinen Gegenspieler und zog aus spitzem Winkel ab. Der Ball touchierte noch die Unterkante der Latte, bevor er im Netz einschlug. 1:0, und das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Cochran später, "aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Keine drei Minuten später folgte der Doppelschlag. Dieses Mal war es Corey Staunton, der nach Vorarbeit von David Martin eiskalt vollstreckte. Ein Schuss, trocken wie ein sizilianischer Weißwein, direkt ins rechte Eck - 2:0. "Da habe ich kurz überlegt, ob ich den noch stoppe", erzählte Staunton augenzwinkernd, "aber dann dachte ich: Ach komm, mach’s wie im Training - nur besser." Atletico versuchte, sich aufzubäumen, doch es blieb beim Versuch. Trainer Georgio Sabani gestikulierte wild an der Seitenlinie, wechselte den verletzten Tibor Orth schon nach 20 Minuten aus und sah seine Mannschaft danach wie eingefroren agieren. Zu allem Überfluss hagelte es auch noch Gelbe Karten - drei an der Zahl zwischen Minute 41 und 49. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", erklärte Verteidiger Nicola Cedro mit einem Anflug von Ironie. "Vielleicht ein bisschen zu körperlich." Während Gela weiter stürmte und Pablo Tarrega eine Gelegenheit nach der anderen liegen ließ - insgesamt sieben Torschüsse für ihn allein -, blieb Romas Angriff harmlos. Zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten sprechen Bände. Torwart Patrick Gabriel im Gela-Tor durfte sich nach Abpfiff immerhin als "bester Zuschauer mit Handschuhen" bezeichnen. In der Schlussphase gönnte Müller seinem Abwehrchef Tahsin Caliskan eine Pause und schickte den jungen Niels Wegener aufs Feld. Ein Zeichen: Gela wollte den Sieg nicht nur verwalten, sondern genießen. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten noch einen machen", sagte Müller. "Aber manchmal ist Kontrolle die schönste Form des Angriffs." Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans ihre Helden mit Sprechchören, die man wohl noch bis zum Hafen hörte. Atletico Roma schlich vom Platz, Sabani blieb kurz stehen, schüttelte Müller die Hand und sagte halb im Ernst, halb im Scherz: "Wenn wir das nächste Mal kommen, bringen wir den Busfahrer gleich als Innenverteidiger mit." Ein Abend, an dem Gela zeigte, dass Offensivfußball nicht nur schön, sondern auch erfolgreich sein kann. Und während die Spieler in die Kabine verschwanden, rief ein Fan von der Tribüne: "Corey, nächste Woche wieder so!" Der grinste nur, hob den Daumen und antwortete: "Kommt drauf an, ob der Ball wieder so brav gehorcht." Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil es knapp war, sondern weil Gela Fußball spielte, als wäre er für sie erfunden worden. 08.01.643994 09:20 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat