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Europaliga | Gruppenrunde - 6. Spieltag | 27.08.26 | Chersonissos - Gela 0:2 Schon nach wenigen Sekunden war klar, dass Gela nicht angereist war, um sich die Akropolis von der Ersatzbank aus anzusehen. Nikola Budan und Jozef Kona prüften in der ersten und zweiten Minute die Aufmerksamkeit der Chersonissos-Abwehr. Sie war vorhanden, aber offenbar noch nicht vollständig hochgefahren. Alejandro Cascon legte in der 13. Minute nach, Tiago Almeida zwang die Gastgeber sechs Minuten später erneut zum Eingreifen. Chersonissos hielt dagegen, zumindest statistisch beim Ballbesitz. 50,10 Prozent standen am Ende für die Mannschaft von Luis Enrique, 49,90 für Gela. Ein derart ausgeglichenes Verhältnis ist im Fußball normalerweise ein gutes Zeichen. In diesem Fall war es eher die elegante Verpackung einer ziemlich einseitigen Angelegenheit. Denn bei den Torschüssen lautete das Verhältnis 4:21. Vier zu 21 - eine Zahl, die selbst dem Taschenrechner kurz die Luft nahm. In der 15. und 32. Minute kam Manus Dellas zu den ersten nennenswerten Abschlüssen der Hausherren. Beide Male blieb es bei einem Versuch. "Wir hatten den Ball, aber Gela hatte offenbar die Bedienungsanleitung dazu", hätte Luis Enrique nach dem Spiel sagen können. Der Trainer wirkte an der Seitenlinie jedenfalls zunehmend so, als würde er innerlich bereits die zweite Halbzeit analysieren, während die erste noch lief. In der 31. Minute fiel schließlich das 1:0 für die Gäste. Alejandro Cascon, der zuvor bereits mehrfach angetestet hatte, wie stabil das Chersonissos-Tor tatsächlich ist, vollendete nach Vorarbeit von Jan Michalik. Gela hatte sich den Treffer mit konsequentem Spiel über die Flügel verdient. Die Taktik war offensiv angelegt, die Abschlüsse wurden nicht überhastet gesucht, sondern vor allem dann, wenn die Gelegenheit wirklich gut war. Eine erstaunlich vernünftige Idee - im Fußball fast schon verdächtig. Für Chersonissos wurde die Lage kurz darauf zusätzlich ungemütlich. In der 33. Minute musste Torhüter Amaury Alvarez ausgewechselt werden. Der 17-jährige Agapios Nikoloudis kam ins Spiel und erhielt damit unfreiwillig seine ganz eigene Europaliga-Prüfung. Auf der Tribüne soll ein Zuschauer gerufen haben: "Junge, keine Sorge - schlimmer kann es nicht werden!" Der Mann hatte die erste Halbzeit offenbar noch nicht zu Ende gesehen. Denn in der 45. Minute schlug Gela erneut zu. Cascon bediente Nikola Budan, und der rechte Angreifer erhöhte auf 2:0. Es war der logische Pausenstand: Gela hatte gedrückt, geschossen und getroffen; Chersonissos hatte tapfer versucht, all das in eine andere Richtung zu lenken. Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Bild wenig. Gela blieb offensiv, kombinierte ausgewogen und verzichtete auf übertriebenes Pressing. Chersonissos fand zwar noch einmal zu einzelnen Vorstößen, doch Dellas scheiterte in der 65. Minute, Granit Xhaka versuchte es in der 84. Minute. Mehr kam nicht. Gela dagegen blieb gefährlich bis in die Nachspielzeit, als Cascon in der 92. Minute den letzten Schuss des Abends abgab. Michael Müller durfte zufrieden sein. "Wir wollten geduldig bleiben und die Chancen nutzen", sagte der Gela-Trainer sinngemäß. Chersonissos gewann zwar 42,32 Prozent der Zweikämpfe, Gela aber 57,68. Das erklärt, warum die Gäste meist einen Schritt früher am Ball waren - und am Ende auch zwei Tore voraus. So blieb Luis Enrique nur die nüchterne Erkenntnis: Ballbesitz kann trösten. Punkte wären allerdings praktischer gewesen. 27.08.2026 21:29 |
Sprücheklopfer
Wir brüllen beide so laut, dass wir uns über's Spielfeld unterhalten können.
Oliver Kahn über seinen Torwart-Kollegen Peter Schmeichel