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Es war einer dieser Abende, an denen sich das Stadion-Geläuf in Geduld übt - und die Zuschauer gleich mit. 43.500 Fans hatten sich in Gela eingefunden, um am 34. Spieltag der 1. Liga Italien ein Fußballspiel zu sehen. Sie bekamen: Ein zähes Ringen, eine Abwehrschlacht der Gäste, ein unermüdlich anrennendes Heimteam - und schließlich, in der 82. Minute, den Moment, der alles rechtfertigte. Pablo Tarrega, der bullige Mittelstürmer, drosch den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. 1:0. Ende der Durststrecke, Beginn des Feierabends. Trainer Michael Müller riss die Arme in die Höhe, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab ihm vorher gesagt: Pablo, irgendwann geht einer rein - und wenn’s der letzte ist!", grinste der Coach nach dem Spiel. Tarrega selbst nahm’s gewohnt trocken: "Ich dachte schon, ich treffe heute nur noch die Werbebanden. Dann hat’s endlich geklappt." Bis dahin war Geduld gefragt. Gela spielte, Partinico verteidigte - und wie! Zwar verzeichneten die Gastgeber stolze 13 Torschüsse, doch meist fehlte die Präzision. Die Gäste dagegen: kein einziger Schuss aufs Tor. Null. Ein Wert, der an ein Trainingsspiel erinnert, bei dem der Torwart des Gegners nur zum Warmhalten mitspielt. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Gästecoach Meggi Ryana mit stoischer Ruhe. "Das hat ja fast funktioniert." Fast. Denn Gela ließ sich nicht entmutigen. Schon in der Anfangsphase prüfte Tarrega den Keeper Filippo Furlan in der 5. Minute, kurz darauf zog Daniel Fabbri aus der Distanz ab - drüber. Lucas Cochran versuchte es in der 9. Minute, Javier Vazques in der 35., wieder Tarrega in der 43. Minute. Immer wieder der gleiche Ablauf: Angriff, Abschluss, Seufzen. Im Mittelfeld zog Fabbri die Fäden, bis er in der 46. Minute Gelb sah und kurz darauf ausgewechselt wurde. "Ich wollte eigentlich noch ein Tor schießen", knurrte er hinterher, "aber der Trainer meinte, wir brauchen frische Beine. Na gut." Für ihn kam Philippe Graves, der prompt neue Impulse brachte. Partinico Calcio dagegen wirkte, als hätten sie den Bus nicht nur im Strafraum, sondern gleich auf der Torlinie geparkt. Die drei Auswechslungen zwischen der 60. und 62. Minute - darunter ein Torwartwechsel - konnten das Offensivspiel auch nicht beleben. "Wir wollten ein Zeichen setzen", sagte Ryana. "Das Zeichen war: Wir bleiben hinten." Und so kam es, wie es kommen musste. In der 82. Minute war Gela wieder einmal im Angriff, die Gäste wirkten müde. Tarrega bekam den Ball in zentraler Position, nahm kurz Maß - und traf. Das Stadion explodierte. Die Fans sangen, der Stadionsprecher überschlug sich, und selbst der sonst so stoische Müller klatschte Beifall, als wäre er gerade selbst eingewechselt worden. In den letzten Minuten versuchte Partinico noch, irgendwie nach vorne zu kommen. Vergeblich. Nicht einmal ein Abschluss gelang. Stattdessen setzte Gela in der Nachspielzeit noch zwei harmlose Schüsse von Meira (92.) und Martins (93.) drauf - mehr als ein freundlicher Gruß an den neuen Gästekeeper Ellis Ireland war das aber nicht. Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Angelegenheit: 51,7 Prozent Ballbesitz für Gela, 13:0 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Man könnte sagen: ein Arbeitssieg, aber einer, der die Tabelle freundlich aussehen lässt. "Wir haben uns das Leben schwer gemacht, aber am Ende zählt nur der Sieg", sagte Trainer Müller auf der Pressekonferenz und zwinkerte. "Und die Null hinten - die ist fast so schön wie das Tor vorn." Pablo Tarrega, umringt von Reportern, grinste: "Ich hätte gern früher getroffen, aber die Spannung war gut für die Fans. Die haben ja schließlich Eintritt bezahlt." Gästecoach Ryana hingegen nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn man nie aufs Tor schießt, kann man auch nicht verlieren - na ja, fast." So bleibt der Abend als ein Lehrstück in Geduld, Hartnäckigkeit und Spätbelohnung in Erinnerung. Gela holt die drei Punkte, Partinico Calcio die Erfahrung, dass man auch mit offensiver Taktik ganz schön defensiv spielen kann. Vielleicht sagte es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions am treffendsten: "War kein Feuerwerk, aber wenigstens hat’s am Ende gefunkt." Ein Satz, den man sich in Gela gern einrahmen darf - gleich neben dem Trikot von Pablo Tarrega, dem Mann des Abends. 15.02.643997 12:52 |
Sprücheklopfer
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