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Manchmal sieht man Spiele, die alles bieten - außer Langeweile. Das Duell zwischen Gela und dem AC Neapel am 17. Spieltag der 1. Liga Italien war genau so eines. 43.500 Zuschauer im Stadion, die Sonne längst untergegangen, der Rasen sattgrün - und am Ende ein 3:1 für Gela, das den Abend in eine kleine Fußballlegende verwandelte. Dabei begann alles nach neapolitanischer Partitur: In der 12. Minute zirkelte Emil Musiala den Ball nach feinem Zuspiel von Daniel Kinsella ins lange Eck. Der Jubel der Gäste war kaum verklungen, da raunte ein älterer Fan auf der Haupttribüne: "Die Gela-Jungs brauchen nur einen Tritt, dann wachen sie auf." Er sollte recht behalten. Gelas Antwort kam in der 29. Minute - und sie kam mit Wucht. Javier Vazques, der bullige Linksaußen mit der Eleganz eines Stierkämpfers, zog nach Vorlage des Innenverteidigers Tahsin Caliskan von der Strafraumkante ab. Der Ball flatterte, Torhüter Francesco Piras griff daneben - 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Vazques später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Bis zur Pause wogte das Spiel hin und her. Beide Teams schenkten sich nichts, statistisch fast gleichauf: 11 Torschüsse Gela, 10 Neapel, Ballbesitz 49,8 zu 50,2 Prozent. Es war ein Duell auf Augenhöhe - bis Minute 64. Da verlor Neapel nicht nur die Nerven, sondern auch Verteidiger Michael Poggi, der nach einem rustikalen Tritt gegen Tregubow die Rote Karte sah. Trainer Giovanni Diaco schüttelte nur den Kopf: "Michael dachte wohl, er spielt Rugby." Ab da kippte das Spiel. Gela, ohnehin offensiv eingestellt, drehte am Pressing-Regler, als hätte Trainer Michael Müller den "Vollgas"-Knopf gefunden. Und prompt fiel in der 66. Minute das 2:1: Gawriil Tregubow, bis dahin auffällig quirlig, vollendete nach Pass von Niels Wegener eiskalt. Der Jubel war ohrenbetäubend. Nur zwei Minuten später nahm Müller den gelbverwarnten Linksverteidiger Mattias Lindstrom vom Feld und brachte Jeno Lisztes. "Ich wollte vermeiden, dass wir auch noch in Unterzahl geraten", erklärte er später - um dann mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: "Außerdem wollte Jeno unbedingt seine neuen Schuhe ausprobieren." Neapel versuchte, sich zu wehren, brachte junge Leute wie Simone Amato (18) und Eugenio Di Iorio (19), doch das Spiel entglitt ihnen. In der 78. Minute machte Vazques alles klar: Nach einem butterweichen Pass von Ignacio Barbosa traf er erneut - diesmal mit links, diesmal ohne Diskussion. 3:1. "Ich hatte das Gefühl, der Ball klebt an meinem Fuß", erzählte Vazques und grinste breit. Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Neapel versuchte noch ein paar lange Bälle, Gela konterte, und irgendwo im Mittelfeld rief Gawriil Tregubow seinem Gegenspieler zu: "Lauf ruhig, ich warte hier auf dich!" - ein Satz, der vom Publikum mit Applaus bedacht wurde. Giovanni Diaco wirkte nach Abpfiff gefasst. "Wir waren gut, bis wir nicht mehr elf waren", meinte der Trainer trocken. "Aber Gela war eiskalt. Manchmal ist Fußball eben ein Spiel für Erwachsene." Sein Gegenüber Michael Müller hingegen strahlte, als hätten seine Spieler gerade die Champions League gewonnen: "Wir wollten mutig sein, wir waren mutig - und endlich haben wir auch mal das Tor getroffen, statt nur die Latte." In der Statistik blieb das Spiel erstaunlich ausgeglichen, aber das Ergebnis spricht Bände. Gela zeigte, was Leidenschaft und Disziplin bewirken können - und dass ein bisschen Chaos manchmal der beste Spielmacher ist. Zuschauer, die das Stadion verließen, summten zufrieden. Ein älterer Herr mit Schal rief noch: "So kann der Sommer weitergehen!" Und wer weiß - vielleicht war dieser Abend mehr als nur drei Punkte wert. Vielleicht war es der Moment, in dem Gela begann, an etwas Größeres zu glauben. Oder, wie es Javier Vazques später in der Mixed Zone formulierte: "Manchmal ist Fußball einfach schön, wenn man nicht zu viel nachdenkt." Ein Satz, den man sich rahmen könnte - direkt über den Spielbericht dieses 3:1. 22.04.644003 12:30 |
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