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Bereits nach sechs Minuten machte Tiago Almeida klar, dass Gela nicht zum Sightseeing angereist war. Nach einem feinen Zuspiel von David Martin netzte der portugiesische Mittelstürmer trocken ein. "Ich dachte, wir hätten noch gar nicht angefangen", murmelte später Mailands Trainer Onerom Jackson mit einem bitteren Lächeln. Das Publikum schwieg - und das will in Mailand etwas heißen. Während die Hausherren noch versuchten, die eigene Offensive zu sortieren, flog der nächste Angriff der Gäste über die linke Seite. Flügelspieler Pascal Kohl, ein Mann, der aussieht, als würde er lieber Möbel zusammenschrauben als Verteidiger, traf in der 25. Minute zum 2:0. Vorlage: Innenverteidiger Francisco Dominguez, der sich nach eigenem Bekunden "einfach mal in den Angriff verirrt" hatte. "Ich wollte eigentlich nur sehen, wie’s da vorne aussieht", lachte Dominguez nach dem Spiel. Es sah gut aus - zumindest für Gela. Statistisch war das Spiel eine klare Angelegenheit. 20 Torschüsse für die Gäste, nur vier für Mailand. Mehr Ballbesitz für Gela (51 Prozent), eine bessere Zweikampfquote (57 Prozent) - und das bei einem Gegner, der sich offiziell "offensiv ausgerichtet" hatte. "Wenn das offensiv war, will ich nicht sehen, wie defensiv aussieht", spottete ein Fan auf der Tribüne, ehe er sich resigniert die nächste Cola holte. Mailands beste Phase kam kurz vor der Pause, als Maurizio Serralta zweimal gefährlich abschloss - beide Male hielt Gela-Keeper Albert Valente, der mit 33 Jahren mehr Ruhe ausstrahlte als die gesamte Mailänder Hintermannschaft. "Ich habe einfach die Sonne genossen und die Bälle gefangen", grinste der Torhüter später. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich. Gela spielte über die Flügel, Almeida und Kohl wirbelten, während Mailand seine Offensivbemühungen in Schönheit erstickte. Elliot Eliot scheiterte in der 51. Minute an Valente, danach wurde es still. Trainer Jackson versuchte es mit Anweisungen wie "Bleibt ruhig!" und "Spiel über die Mitte!", woraufhin sein Assistent trocken fragte: "Welche Mitte?" Als in der 80. Minute Gianluca Grieco nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah, war der Frust greifbar. "Ich wollte nur den Ball treffen - aber der war schon weiter", erklärte Grieco mit einem Schulterzucken. Zwei Minuten später revanchierte sich Gela-Linksverteidiger Jeno Lisztes mit einer eigenen Verwarnung, als er sich mit Nachdruck in ein Tackling warf, das mehr nach Baustelle als nach Fußball aussah. Kurz vor Schluss folgte noch ein Schreckmoment: Mailands Mittelfeldspieler Alberto Pozzi verletzte sich in der 89. Minute und musste ausgewechselt werden. Ersatzmann Javier Vazques kam - und bekam keinen Ballkontakt mehr, bevor der Schiedsrichter abpfiff. "Wir haben verdient verloren", gestand Jackson nach dem Spiel. "Gela war in jeder Hinsicht wacher. Vielleicht dachten meine Jungs, die Saison beginnt erst nächste Woche." Sein Gegenüber Michael Müller hingegen konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. "Wir wollten mutig sein. Und offenbar hat das niemand erwartet - nicht einmal wir selbst." Auch Almeida zeigte sich bescheiden: "Ein Tor nach sechs Minuten - das hilft immer. Danach haben wir einfach Spaß gehabt." Spaß - ein Wort, das Mailands Fans an diesem Abend eher mit Ironie verbanden. Während die Spieler von Gela nach dem Abpfiff ausgelassen tanzten, verließen viele Mailänder still das Stadion. Ein älterer Herr im roten Trikot fasste es wohl am besten zusammen: "Ich hab schon schlechtere Spiele gesehen - aber da war wenigstens Regen." So endet der Auftakt für AS Mailand mit einer kalten Dusche und einer frühen Erinnerung daran, dass Fußball keine Namen respektiert. Gela hingegen reist mit drei Punkten, zwei Toren und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen zurück nach Sizilien - und vielleicht mit dem Gefühl, dass an diesem Abend ein kleiner Fußballtraum begonnen hat. Oder, wie Trainer Müller es formulierte, während er in den Mannschaftsbus stieg: "Manchmal ist der Ball eben rund - und manchmal hat er Flügel." 05.07.2026 21:56 |
Sprücheklopfer
Schwach wie eine Flasche leer!
Giovanni Trappatoni