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Gela schockt Neapel - 5:3-Spektakel im San Paolo

Es war ein lauer Sommerabend in Neapel, doch was sich im altehrwürdigen Stadio San Paolo abspielte, war alles andere als lauwarm. 51.303 Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, als der krasse Außenseiter Gela dem favorisierten AC Neapel mit 5:3 die Grenzen aufzeigte - und das nach einem 3:3 zur Pause. Acht Tore, zwei Gelbe Karten, eine Verletzung, und mindestens doppelt so viele verpasste Chancen: ein Spiel, das den Puls schneller schlagen ließ als jeder Espresso an der Hafenpromenade.

Gelas Trainer Michael Müller hatte vor dem Anpfiff ein verschmitztes Lächeln gezeigt. "Wir kommen, um Spaß zu haben", sagte er - offenbar im Wissen, dass seine Jungs unter "Spaß" das Zerstören neapolitanischer Abwehrträume verstehen. Schon nach sechs Minuten zappelte der Ball im Netz: Niels Wegener, Gelas Regisseur im Mittelfeld, zog beherzt ab, als die Neapolitaner noch ihre Schuhe sortierten - 0:1.

Neapels Antwort folgte prompt. Fünf Minuten später setzte Stephane Larocque nach feinem Pass von Christopher Gady einen trockenen Schuss ins lange Eck. 1:1, und die Curva Sud tobte. "Da dachte ich, jetzt läuft’s", meinte Trainer Giovanni Diaco später mit einem bitteren Grinsen. Doch Gelas Eric Jonsson zerstörte diese Hoffnung im Handumdrehen: In der 15. Minute schlenzte er den Ball nach Vorlage von Matias Rueda ins Tor, elegant wie ein Sommelier beim Einschenken.

Das nächste Drama ließ nicht lange auf sich warten. Drei Minuten später glich Neapel erneut aus - Daniel Kinsella traf nach einem Pass von Salvador de los Reyes. 2:2, und das Spiel glich einem Tennismatch. Nur: beim Tennis ist die Verteidigung meist besser organisiert.

Dann kam die 24. Minute. Gelas György Miriuta, ein Name, der klingt, als hätte man ihn aus einer ungarischen Rockband importiert, brachte die Gäste erneut in Führung. Wieder war Rueda beteiligt, dieses Mal mit einem perfekten Zuspiel auf Tiago Almeida, der klug weiterleitete. Miriuta vollstreckte - 2:3. Und als wäre das nicht genug, verletzte sich kurz darauf Neapels Abwehrhüne Maximilian Schwab. Er humpelte vom Platz, brüllte "Es zieht im Rücken!" - und wurde durch Michael Poggi ersetzt.

Doch Neapel wäre nicht Neapel, wenn es nicht auch im Chaos schön anzusehen wäre. In der 38. Minute traf Gady selbst, nachdem er von de los Reyes glänzend bedient wurde. 3:3 - Halbzeit. Das Stadion war elektrisiert, die Fans schwankten zwischen Begeisterung und Herzstillstand.

In der Pause soll Diaco in der Kabine laut geworden sein. "Ihr spielt, als wärt ihr beim Strandfußball!" soll er gebrüllt haben. Doch seine Worte verhallten offenbar ungehört. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, war Jonsson wieder zur Stelle. In der 52. Minute traf er zum 3:4, erneut nach einem Pass von Rueda, der an diesem Abend auf dem linken Flügel alles machte - nur kein Yoga.

Neapel bemühte sich, dominierte phasenweise den Ball (51 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein), aber Gelas Konter waren messerscharf. Tiago Almeida setzte in der 73. Minute den Schlusspunkt mit dem 3:5 - natürlich nach Vorlage von Rueda, der damit seinen dritten Assist des Abends verbuchte. Der Mann hätte wohl auch eine Bowlingkugel präzise durch die neapolitanische Abwehr serviert.

Die Schlussphase? Gelb für de los Reyes (66.) und Caliskan (91.) - letzterer grinste danach in die Kamera: "Ich wollte nur, dass der Schiri mich bemerkt." Humor haben sie, die Gelaner. Trainer Müller dagegen blieb sachlich: "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können. Fünf Tore sind eine gute Art, das zu beweisen."

Neapels Coach Diaco wirkte nachdenklich. "Wir hatten 14 Torschüsse, sie 17 - das sagt alles. Wir haben vorne schön gespielt, aber hinten… na ja, Sie haben’s gesehen." Er zuckte mit den Schultern, und man hätte schwören können, dass selbst der Vesuv kurz geseufzt hat.

Am Ende feierten die Gäste ihren Triumph, tanzten vor der Kurve und sangen in die Nacht hinein. Der AC Neapel? Ging mit hängenden Köpfen vom Platz - und mit der Erkenntnis, dass selbst ein Hauch Ballbesitz nicht gegen eiskalte Effizienz hilft.

Ein Spiel wie eine Oper: laut, dramatisch, mit falschen Tönen in der Defensive und einem Publikum, das alles bekam - nur kein Happy End für die Gastgeber. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Und wer Gela unterschätzt hatte, wird sich ab jetzt zweimal überlegen, wie man gegen diese Truppe verteidigt.

Oder, wie Jonsson nach seinem Doppelpack trocken meinte: "Manchmal reicht es, einfach öfter aufs Tor zu schießen." 17 Mal, um genau zu sein.

04.02.644006 00:20
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