// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Das Flutlicht von Gela glühte am Sonntagabend über 43.500 aufgeregten Zuschauern, und wer zu spät kam, verpasste zwar kein Tor, aber immerhin den Auftakt zu einem dieser Spiele, über die man noch am Montagmorgen in der Kaffeeküche spricht. Gela gegen US Cittadella - 2. Spieltag der 1. Liga Italien - klang zunächst nach solider Hausmannskost. Am Ende wurde es ein Fünf-Gänge-Menü mit Hattrick-Garnitur: Patrik Licka, der 32-jährige Mittelfeldmotor, traf dreimal und führte seine Mannschaft zu einem 3:2 (2:2)-Sieg, der so wild war wie eine italienische Oper. Cittadella begann, wie es sich für eine Mannschaft mit offensiver Gesinnung gehört - laut Datenblatt und Spielplan: Angriffslustig, aber ohne Netz und doppelten Boden. Igor Buterin hatte sich in der 29. Minute ein Herz gefasst, als er nach schöner Vorarbeit von Stanislav Tobollik aus 18 Metern abzog. Der Ball zischte in den Winkel, und Gästecoach Michael Schuller brüllte etwas, das entfernt nach "Endlich!" klang. Doch Gela antwortete prompt - und wie! Nur neun Minuten später kombinierte sich Lucas Cochran über rechts durch, legte in den Rückraum, und Licka drosch den Ball humorlos in die Maschen. Zwei Minuten später das gleiche Lied, neue Begleitung: Flanke von Samuel Perlman, Kopfball Licka, Tor. 2:1 - das Stadion bebte, und Trainer Michael Müller grinste wie ein Kind, das heimlich den Schokoladenvorrat gefunden hat. "Wir haben immer über die Flügel gespielt, das war der Plan", sagte Müller später mit einem Augenzwinkern. "Manchmal klappt’s ja sogar." Doch kaum war der Applaus verklungen, schlug Cittadella zurück. Nur eine Minute nach dem 2:1 war Charles Catrall zur Stelle, als Buterin einen Ball durch die Schnittstelle zauberte. 2:2 - und die erste Halbzeit war damit endgültig reif für die Geschichtsbücher. Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: mit offenem Visier. Beide Teams feuerten weiter, als gäbe es Punkte für Schüsse statt Tore - 16 zu 15 Torschüsse am Ende. Das sagt alles. In der 51. Minute dann wieder Licka, wieder Perlman als Vorlagengeber, wieder Jubel. Es war sein drittes Tor, ein Hattrick, und nicht wenige Fans dürften in diesem Moment an den alten Spruch gedacht haben: "Mittelfeldspieler schießen keine Tore, sie verhindern sie." Licka tat beides nicht. "Ich hab’ einfach Spaß gehabt", grinste der Mann des Abends nach dem Spiel. "Und Samuel meinte, ich soll mal was riskieren. Hat ja funktioniert." Cittadella versuchte danach alles. Trainer Schuller brachte frische Kräfte: Basile, Baiao, später sogar den jungen Simin. Das taktische Datenblatt belegt: aggressiver, längere Bälle, volles Pressing. Doch Gelas Defensive hielt, und wenn nicht, war da noch Keeper Pattrick Gabriel, der in der 85. Minute mit einer Glanztat gegen Tobollik den Sieg festhielt. Die Schlussminuten gehörten dann den Nerven. Gela wechselte defensiv, Bedard kam für Licka unter Applaus, und als Referee Conti nach 95 Minuten endlich abpfiff, war der kollektive Seufzer im Stadion fast lauter als die Fangesänge. Statistisch gesehen hätte Cittadella den Sieg wohl verdient gehabt - mehr Ballbesitz (52,7 %), minimal bessere Zweikampfquote, mehr Laufbereitschaft. Aber Fußball ist kein Excel-Sheet. "Daten lügen nicht", meinte ein enttäuschter Schuller in der Pressekonferenz, "aber sie erzählen auch nicht die ganze Geschichte." Müller konterte trocken: "Vielleicht sollte er mal die Spalte ’Tore’ anschauen." So bleibt am Ende ein unterhaltsamer Abend, der alles bot: Tempo, Tore, taktische Wendungen - und einen Licka, der in dieser Form vermutlich auch einen Stein zum Tore schießen überreden könnte. Zum Schluss noch ein Bonmot aus der Mixed Zone: Als ein Reporter meinte, drei Tore in einem Spiel seien ja fast unheimlich, lachte Licka: "Keine Sorge, das passiert mir sicher nicht jede Woche. Meine Frau hat schon gesagt, ich soll’s nicht übertreiben - sonst erwarten sie das nächste Mal wieder." Eine charmante Drohung. Für Cittadella dagegen bleibt die Erkenntnis, dass Offensivdrang allein nicht reicht. Und für Gela? Drei Punkte, ein Hattrick, 43.500 glückliche Menschen - und das wohlige Gefühl, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf. 10.06.643990 14:06 |
Sprücheklopfer
Wir muessen aufpassen, dass sich von uns keiner beim Duschen verletzt.
Lothar Matthäus über das Verletzungspech bei Rapid Wien