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Es gibt Fußballspiele, die so knapp sind, dass man sich fragt, ob der Ball nicht doch ein Eigenleben führt. Das 0:1 von AS Catania gegen Gela am 25. Spieltag der 1. Liga Italien gehörte genau in diese Kategorie. 43.500 Zuschauer füllten das Stadio Angelo Massimino, sie schrien, pfiffen, bissen in ihre Schals - doch am Ende reichte ein einziges Tor von Niels Wegener in der 20. Minute, um Catania in eine stille, sizilianische Nacht zu schicken. Das Spiel begann schwungvoll, fast zu schwungvoll für die Nerven des Heimpublikums. Bereits in der zweiten Minute prüfte Emiliano Calabro aus halbrechter Position Gela-Keeper Willem Veeder, der den Ball mit einem Reflex über die Latte lenkte. "Da dachte ich: Das wird heute ein langer Abend", sagte der Torhüter später grinsend, sichtlich zufrieden mit seiner prophetischen Ader. Catania drückte, Gela lauerte - und genau in dieser Lauerstellung fiel das Tor. In der 20. Minute zog Niels Wegener aus der zweiten Reihe ab, der Ball fälschte leicht ab, schlug unhaltbar im linken Eck ein. 0:1. Wegener rannte jubelnd Richtung Eckfahne, wurde von seinen Mitspielern fast erdrückt. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er nach dem Spiel lachend zu. "Aber das erzählen wir dem Trainer lieber nicht." Trainer Michael Müller nahm’s sportlich. "Wenn meine Spieler anfangen, versehentlich Tore zu schießen, kann ich damit leben", meinte der Gela-Coach augenzwinkernd. Sein Gegenüber, Albern Albert, hingegen war weniger amüsiert: "Wir schießen 13-mal aufs Tor, treffen aber nur die Werbebande. Da fehlt uns einfach die Kaltschnäuzigkeit - oder ein bisschen Glück, oder beides." Catania hatte tatsächlich reichlich Chancen. Alejandro Cascon tauchte gleich mehrfach gefährlich vor dem Tor auf (7., 14., 47., 69. und 83. Minute), doch immer wieder war da ein Bein, ein Keeper, ein Stück Pech. Vor allem in der 83. Minute, als Cascon nach einem feinen Pass von Gutierrez völlig frei stand - und den Ball über das Tor setzte. Die Tribüne stöhnte kollektiv, als hätte jemand das letzte Cannolo vom Buffet genommen. Gela blieb trotz nur acht Torschüssen stets gefährlich. Besonders Gawriil Tregubow, der rechte Flügelstürmer, beschäftigte die Catanesi-Abwehr mit seiner Mischung aus Tempo und Dreistigkeit. In der 59. Minute zwang er Catanias Keeper Lorenzo Mazza zu einer Glanzparade. "Ich wollte zeigen, dass ich auch noch springen kann", kommentierte Mazza später trocken. Die Partie blieb intensiv, wenn auch nicht unfair. Gelbe Karten gab’s für Andres Alberman (54.) auf Seiten der Gastgeber sowie Tahsin Caliskan (73.) und Julian Martins (89.) bei Gela. "Ich habe ihn kaum berührt, ehrlich!", protestierte Caliskan nach seiner Verwarnung - ein Satz, der im Fußball ungefähr so glaubwürdig ist wie "Ich lese wirklich nur wegen der Artikel." In der Schlussphase warf Catania alles nach vorn. Coach Albert brachte Behrendt und Panis (75.) sowie Marittimo für Capucho (85.), änderte die Formation, wurde lauter an der Seitenlinie. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir nicht treffen, laufe ich selbst ein", erzählte er nach dem Spiel mit einem müden Lächeln. Doch weder er noch seine Mannschaft fanden das Rezept gegen Gelas disziplinierte Defensive. Als Schiedsrichter Conti nach 95 Minuten abpfiff, sackten einige Catania-Spieler auf den Rasen. Die Fans applaudierten trotzdem - wohl aus einer Mischung aus Mitleid und sizilianischer Sturheit. "Wir wollten unbedingt einen Punkt, mindestens", sagte Cascon, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. "Jetzt müssen wir eben nächste Woche doppelt treffen." Die Statistik las sich am Ende wie ein Witz in Tabellenform: 13 Torschüsse zu 8, 47 Prozent Ballbesitz zu 53, Zweikampfquote 51 zu 49 - Catania war in fast allem leicht besser, nur nicht im einen Wert, der zählt. Gela hingegen feierte im Mannschaftsbus. Aus den Lautsprechern dröhnte laute Musik, Trainer Müller nickte rhythmisch - "Aber nur, weil ich den Takt mochte", wie er später betonte. Sein Team hatte den dritten Auswärtssieg in Folge geholt und sich in der Tabelle nach oben geschoben. Und Catania? Die müssen sich wohl fragen, wie man so viel Fußball spielen kann, ohne dafür belohnt zu werden. Vielleicht hilft am kommenden Spieltag weniger Schönheit und mehr Schmutz. Oder, wie Coach Albert es formulierte: "Manchmal musst du das Tor erzwingen - notfalls mit einem Schienbein." Ein Tor aus Zufall, ein Spiel voller Wille - und ein Abend, an dem der Fußball mal wieder bewies, dass er selten gerecht, aber immer unterhaltsam ist. 03.11.643996 08:50 |
Sprücheklopfer
Wenn wir ein Quiz machen würden unter den Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre, Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Klub - dann wäre ich bald bei Real Madrid.
Peter Neururer