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Ein lauer Sommerabend in Gela, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, Spannung in der Luft - und am Ende? Ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber irgendwie beide verdient hatten. Der 10. Spieltag der 1. Liga Italien brachte kein Spektakel, aber jede Menge Gesprächsstoff. Trainer Michael Müller von Gela hatte vor dem Anpfiff noch großspurig angekündigt: "Wir wollen von Anfang an zeigen, dass wir zuhause das Sagen haben." Und das taten seine Mannen zunächst auch. Mit einer offensiven Grundhaltung (die Taktiktafel zeigte "Offensive", Shooting: "Anytime" - Müller liebt den Sturm nach vorne) legte Gela los wie die Feuerwehr. Bereits in der 4. Minute prüfte Pablo Tarrega den gegnerischen Keeper Servet Kaloglu mit einem satten Schuss - erster Warnschuss, aber kein Treffer. Cittadella, das Team von Michael Schuller, konterte abwartend, defensiv eingestellt, fast schon britisch stoisch. Doch dann, nach und nach, kamen sie ins Spiel. Tim Goosens probierte es zweimal in der Anfangsviertelstunde, Nathan Callaert ließ in der 14. Minute einen Distanzhammer los, der knapp über die Latte rauschte. "Da dachte ich kurz, ich hab einen Vogel gesehen - der Ball flog wie ein UFO", grinste Gelas Torwart Albert Valente später. In der 40. Minute wurde das Stadion dann zum Hexenkessel: György Miriuta, der quirligste Ungar seit Puskás, setzte sich am linken Flügel durch, zog nach innen, und aus 18 Metern zimmerte er das Leder trocken ins rechte Eck - 1:0 Gela! Der Jubel? Ohrenbetäubend. Miriuta drehte ab, breitete die Arme aus und ließ sich feiern. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen", sagte er hinterher mit einem Augenzwinkern. Mit dem 1:0 ging es in die Pause. Müller wirkte zufrieden, Schuller dagegen kaute nervös auf seinem Kuli. "Wir hatten zu viel Respekt. Das haben wir in der Kabine angesprochen", verriet der Cittadella-Coach später. Und offenbar zeigte diese Ansprache Wirkung. Denn kaum fünf Minuten nach Wiederanpfiff, in der 50. Minute, schlug Cittadella zurück. Vincent Shuck, der rechte Mittelfeldmann, bediente mit einem feinen Pass den jungen Harry Satchmore, und der 23-Jährige blieb eiskalt - 1:1. Ein Tor, so präzise wie aus dem Lehrbuch. "Ich hab Shuck nur zugerufen: ’Schick mich!’ - und er hat’s getan", grinste Satchmore. Das Spiel war nun offen wie ein Roman mit zu vielen Wendungen. Gela drückte, Cittadella konterte - und beide verpassten mehrfach die Entscheidung. Tarrega, Miriuta, Wegener auf Gelas Seite, Goosens und Keser auf der Gegenseite: Sie alle hatten den Sieg auf dem Fuß, aber die Tore blieben aus. In der 94. Minute donnerte Jeno Lisztes noch einen Fernschuss aufs Tor - doch Kaloglu fischte das Ding aus dem Winkel. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: 10 Torschüsse Gela, 12 Cittadella, Ballbesitz leicht bei den Gästen (54 zu 46 Prozent), Zweikampfquote nahezu ausgeglichen. Ein Spiel also, das auf dem Papier so ausgeglichen war, wie es sich auf dem Platz anfühlte. In der Schlussphase wurden die Trainer zu Taktikern auf Zeit. Müller brachte in der 69. Minute Francisco Dominguez für den erschöpften Caliskan, später noch Bernardo Ochoa und schließlich Javier Vazques für den gefeierten, aber müden Miriuta. "Er hat genug gerannt für zwei Spiele", witzelte Müller nach Abpfiff. Schuller wechselte ebenfalls munter durch - John Carter und Juanito Ruiz kamen zur Halbzeit, Marc Etxeita in der 89. Minute. Als der Schlusspfiff ertönte, sanken beide Teams fast gleichzeitig zu Boden - aus Erschöpfung, vielleicht auch aus Erleichterung. Das Publikum verabschiedete sie mit Applaus, wohl wissend, dass sie Zeugen eines intensiven, wenn auch nicht immer hochklassigen Spiels waren. Trainer Schuller zeigte sich zufrieden: "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt. Wir sind auf dem richtigen Weg." Müller dagegen murmelte: "Wir hätten das Ding in der ersten Halbzeit entscheiden müssen." Am Ende bleibt ein Spiel, das alles hatte - außer einen Sieger. Ein Tor auf jeder Seite, viel Einsatz, etwas Chaos und reichlich Emotionen. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Fußball - das war Nervenarbeit." Vielleicht hat er recht. Aber genau dafür lieben wir diesen Sport. 31.01.644003 11:07 |
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