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Ein lauer Februarabend, Flutlicht über der Arena in Gela, 43.500 Zuschauer - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, seinen Fans einmal zu zeigen, wie Offensivfußball wirklich aussieht. Am 10. Spieltag der 1. Liga Italien wurde der Gast aus Como regelrecht auseinandergenommen. 5:0 hieß es am Ende, und wer das Spiel sah, wusste: Es hätte schlimmer kommen können. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, wohin die Reise geht. Gela spielte, Como staunte. Lucas Cochran prüfte den Como-Keeper Diego Couto bereits in der achten Minute, und während Coach Tony Stark (ja, so heißt er wirklich) noch versuchte, seine taktische Tafel zu sortieren, klingelte es hinten das erste Mal. In der 25. Minute traf Pablo Tarrega nach feiner Vorarbeit von Marco Frechaut - ein Stürmer-Tor aus dem Lehrbuch. Tarrega riss die Arme hoch, während Frechaut grinsend meinte: "Ich hab’s ihm genau auf den Fuß gelegt. Wenn er den daneben haut, fahr ich heim." Como schien kurzzeitig verwirrt zwischen Offensive und Selbstschutz. Die Norditaliener waren laut Aufstellung offensiv ausgerichtet, aber das sah man nur auf dem Papier. In Wahrheit waren sie eher Zuschauer - und zwar mit deutlich schlechteren Plätzen. Als Dennis Bedard kurz vor der Pause (44.) nach einer Ecke von Serhat Aydemir das 2:0 markierte, war die Partie praktisch entschieden. Bedard lief jubelnd Richtung Trainerbank, wo Michael Müller mit einem nüchternen "Sauber, Jungs" reagierte - typisch Müller, kein großer Gestenfreund. Die Pausenstatistik sprach Bände: 12:1 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz für Gela, aber gefühlt 90 Prozent Spielkontrolle. Tony Stark ging mit versteinerter Miene in die Kabine. Später sagte er trocken: "Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollen sich an den Ball gewöhnen. Leider war er meistens bei Gela." Nach Wiederanpfiff ging es genauso weiter. Lucas Cochran (56.) machte das 3:0 - nach feinem Zuspiel von Corey Staunton, der rechts außen unermüdlich rackerte. "Ich hab einfach gedacht, ich hau ihn rein, bevor jemand anderes auf die Idee kommt", lachte Cochran nach dem Spiel. Und dann kam die große Javier-Vazques-Show. Zwei Tore in drei Minuten (60. und 62.), das Stadion tobte. Erst schlenzte er den Ball elegant ins lange Eck, dann staubte er nach einem Bedard-Schuss ab - letzterer humpelte kurz darauf verletzt vom Platz. Sein Ersatz Patrik Licka durfte später auch noch ran, aber nur in der Statistik: ein Schuss in der 96. Minute, dafür immerhin präzise. Como dagegen zerfiel zusehends. Tibor Albert sammelte erst Gelb (54.) und später noch eine Gelb-Rote (84.) - sinnbildlich für die Frustration der Gäste. Franck Berthier (88.) und Franck Block (90.) holten sich ebenfalls Gelb ab, offenbar um wenigstens etwas Farbe ins Spiel zu bringen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", murmelte Block nach Abpfiff selbstironisch. Die 21:3 Torschüsse zugunsten Gelas und 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe erzählten die Geschichte eines Spiels, das einseitiger kaum sein konnte. Dabei hatte Como gar nicht so wenig Ballbesitz (49 Prozent), aber was nützt das, wenn man damit nichts anstellt? Trainer Müller lobte seine Mannschaft: "Das war heute eine Leistung, die zeigt, was in uns steckt. Wir haben nicht überdreht, sondern einfach Fußball gespielt." Ein Satz, so trocken wie das Mittelfeld seiner Mannschaft präzise war. Tony Stark hingegen hatte Mühe, den Humor zu bewahren: "Manchmal ist Fußball eben wie ein schlechter Witz - nur dass keiner lacht." Das Publikum aber lachte, jubelte, sang, tanzte. Selbst als der junge Yves Bellegarde in der 90. Minute für Cochran kam, brandete Applaus auf - die Fans wussten, dass sie gerade Zeugen eines Spiels waren, das man in Gela noch lange erzählen wird. Und Como? Nun, sie werden wohl noch ein paar Trainingseinheiten brauchen, um die fünf Gegentore aus den Köpfen zu kriegen. Vielleicht hilft ja ein kleiner ironischer Trost von Bedard, der nach dem Spiel meinte: "Manchmal läuft’s einfach. Und heute lief’s halt für uns - in Laufschuhen, während Como noch die Startnummer suchte." Ein 5:0, das so klar war, dass selbst der Stadionsprecher am Ende nur noch sagte: "Das war’s - und das war’s deutlich." 11.09.643990 04:45 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
Otto Rehhagel